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Fußball Schwere Entscheidung für eine Nationalmannschaft

Zwei Herzen in der Brust

Archivartikel

Köln.Kaan Ayhan und Ahmed Kutucu sind in Gelsenkirchen geboren. Nazim Sangaré in Köln, Hasan Kaldirim in Neuwied, Hakan Calhanoglu in Mannheim und Kenan Karaman in Stuttgart. Am Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) stehen alle im Kader der Fußball-Nationalmannschaft der Türkei, der Heimat ihrer Eltern, und treffen auf das Team ihres Geburtslandes. Und dabei diesmal nur auf einen quasi doppelten Landsmann, den in Frankfurt als Sohn türkischer Einwanderer geborenen Emre Can. Der in Gelsenkirchen auf die Welt gekommene Ilkay Gündogan fehlt nach einer Corona-Infektion, der in Bingen geborene Suat Serdar wegen einer Muskelverletzung. Was sie eint, sind die zwei Herzen in ihrer Brust. Und die schwere Entscheidung, die sie treffen mussten, für welches Land sie spielen wollen.

Bekanntester Streitfall Özil

Wie groß die Zerrissenheit ist, verspürte Mesut Özil in seiner gesamten Karriere. Er entschied sich für Deutschland. In seinen neun Jahren mit 92 Länderspielen blieb er immer ein Streitobjekt. Habe er gut gespielt, sei er der Deutsche gewesen, monierte er. Habe er schlecht gespielt, sei er der Deutsch-Türke gewesen. Er verstand nicht, „warum nur ich so bezeichnet werde. Bei Sami Khedira sagt keiner ,der Deutsch-Tunesier’ oder bei Lukas Podolski und Miroslav Klose ,der Deutsch-Pole’“.

Özils Karriere im Nationalteam endete nach einem Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, von dem er sich im Gegensatz zu Gündogan öffentlich nicht distanzierte. Bei seinem Rücktritt 2018 äußerte er viele Vorwürfe, später sagte er unter anderem: „Rassismus war immer da, aber diese Situation wurde von diesen Menschen als Entschuldigung dafür genutzt, ihn auszuleben.“

Kontroversen nach Militärgruß

Özil ist der Extremfall, doch den Druck erlebten viele Spieler in seiner Situation. Denn sie alle werden von beiden Seiten kritisch beäugt. So wurden der Düsseldorfer Karaman und sein damaliger Vereinskollege Ayhan im Herbst 2019 in Deutschland kritisiert, weil sie sich in der Kabine dem Militärgruß anschlossen. Als beide diesen wenige Tage später beim nächsten Spiel verweigerten, gab es Kritik in der Türkei. Gündogan und Can beeilten sich, Likes unter Fotos des Saluts einzuordnen. „Glauben Sie mir: Nach dem letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein politisches Statement zu setzen“, sagte Gündogan. 

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