Gesundheit

Brustkrebs Die Mannheimer Journalistin Nicoletta Prevete über Zusatzleistungen, die die Kasse nicht übernimmt, und fehlende Informationen für Kranke

„Jeder Bürokratieakt, jeder Streit kostet so viel Energie“

Mannheim.Wer an Krebs erkrankt, hat nicht nur weniger Einnahmen als zuvor. Er wird auch mit vielen Ausgaben und immer neuen bürokratischen Hürden konfrontiert, wie die Mannheimer Radio- und Fernseh-Journalistin Nicoletta Prevete schildert. Die Brustkrebspatientin fordert eine Beratung für Betroffene.

Frau Prevete, in Ihrem Blog „Sei (D)ein Freund“ schreiben Sie über die Belastungen durch Extrakosten und Bürokratie. Aber die Krankenkasse zahlt Ihnen als gesetzlich Versicherter doch die Behandlung, oder?

Nicoletta Prevete: Sie zahlt die Chemotherapie und die Kosten der Operation. Aber vieles, was absolut nötig ist, um gut durch die Therapie zu kommen, übernimmt sie nicht.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Prevete: Das fängt schon beim Mundwasser an, das man braucht, um durch die Chemotherapie ausgelöste Entzündungen im Mund zu behandeln. Oder: Das Medikament, das ich im Augenblick bekomme, löst bei vielen Patienten irreversible Gefühlsstörungen in Händen und Füßen aus. Kühlhandschuhe, die man während der Chemo trägt, sollen die Folgen möglichst gering halt. Die kosten aber 236 Euro und werden nicht übernommen.

Sie streiten gerade mit der Krankenkasse um die Erstattung der Kosten für einen Gentest. Um was geht es da?

Prevete: Der Test wurde mir von den Ärzten nahegelegt und war eine wichtige Grundlage, um zu entscheiden, ob in meinem Fall eine Chemotherapie sinnvoll ist. Denn er gibt Auskunft über das Rückfallrisiko – das bei mir sehr hoch war – und ob es sich durch die Therapie senken lässt.

Wie viel Geld hat der Test gekostet?

Prevete: 3300 Euro.

Probleme gab es auch bei der Perücke.

Prevete: Ja. Vom Krankenhaus habe ich eine Verordnung dafür erhalten. Was ich aber nicht wusste, war, dass man zu einem Vertragspartner der Krankenkasse gehen muss, darüber hatte mich niemand informiert. Eines Tages erhielt ich einen Anruf von der Krankenkasse, die mir sagte, sie könne nicht für die Kosten der Perücke aufkommen, da ich nicht bei einem Vertragspartner war. Am Ende gab es eine Einzelfallentscheidung, und ich habe immerhin 345 von 600 Euro erstattet bekommen.

Wie belastend sind diese Dinge?

Prevete: Sehr belastend. Jeder Bürokratieakt, jeder Brief, den man schreiben muss, jeder Streit kostet so viel Energie und Zeit. Zeit, in der ich mich stattdessen um meine Genesung kümmern könnte.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus diesen Erfahrungen?

Prevete: Meiner Meinung nach bräuchte es zu Beginn der Erkrankung eine eingehende Beratung durch die Krankenkasse: Wann habe ich Anspruch auf eine Haushaltshilfe? Wo finde ich eine Liste mit Vertragspartnern für Perücken? Wie kann ich von einer Medikamentenzuzahlung befreit werden? Ich finde es verblüffend, dass zum Beispiel im Fall von Brustkrebs jede Frau wieder aufs Neue zu recherchieren beginnt. Das dürfte nicht so sein. Und deswegen ist das Ziel des Blogs die Gründung eines Hilfsvereins für Brustkrebspatientinnen im Rhein-Neckar-Raum, der die Frauen informiert und unterstützt.

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