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Leben zu verlängern, ist kein Schaden

Archivartikel

RA Michael Ramstetter: Spezialist für Vorsorge- und Betreuungsrecht

Der Bundesgerichtshof entlastet mit seiner Entscheidung vom 2. April 2019 VI ZR 13/18 Ärzte, die Patienten gegen eine medizinische Indikation oder gegen den Patientenwillen weiterbehandeln. „Das menschliche Leben ist ein höchstrangiges Rechtsgut und absolut erhaltenswürdig. Das Urteil über seinen Wert steht keinem Dritten zu“, so die Richter des BGH.

Was aber, wenn die Weiterbehandlung am Ende nicht das Leben, sondern das Sterben verlängert? Ist ein menschenwürdiges Sterben zuzulassen nicht ebenso schützenswert? In solchen Situationen braucht es nun mehr denn je einen Schutz vor einer Medizin, die sich der Änderung des Behandlungszieles hin zur palliativmedizinischen Versorgung verweigert, wenn der Patient voraussichtlich in absehbarer Zeit stirbt und lebenserhaltende Maßnahmen sein Leiden nur noch verlängern.

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung dienen der Abwehr einer Medizin, die ohne darüber nachzudenken, dem Reflex des Helfens ausgeliefert ist und so dem Patienten den Tod verwehrt, für den sich die Natur schon entschieden hat. Es ist die Aufgabe des Betreuers oder Vorsorgebevollmächtigten, die Indikation einer lebensverlängernden Maßnahme mit den Ärzten zu besprechen und auch zu hinterfragen.

Ist ein Konsens über die Indikation oder Nichtindikation einer lebensverlängernden Maßnahme nicht zu erreichen, sollte unter Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes das Betreuungsgericht angerufen werden, damit so schnellstmöglich eine Entscheidung herbeigeführt wird und sich Fragen über Schmerzensgeld und Schadenersatz erst gar nicht stellen. Rechtsanwalt Michael Ramstetter ist Vorstandsmitglied der Deutschen Vereinigung für Vorsorge- und Betreuungsrecht und vertritt als Spezialist in diesem Rechtsgebiet bundesweit Klienten. pr