Gesundheit

Österreich I Ab Mai gelten Strafen von bis zu 1000 Euro / Diskussion in Deutschland

Minderjährige im Auto – Zigarette aus

Archivartikel

Berlin/Heidelberg.Mit Österreich geht das erste deutschsprachige Nachbarland gegen die Qualmerei beim Fahren vor – und die Debatte lebt auch hierzulande wieder auf. Ab Mai muss in der Alpenrepublik mit bis zu 1000 Euro Geldbuße rechnen, wer in Gegenwart von Minderjährigen im Wagen raucht.

Die Liste allein der europäischen Länder, die solche oder ähnliche Regelungen haben, wird damit immer länger: Frankreich, Griechenland, Zypern, England, Wales, Schottland, Irland. Und Italien, wo man sogar mit 5000 Euro bestraft werden kann, wenn Schwangere oder Säuglinge dem Qualm ausgesetzt sind. In Deutschland jedoch herrscht bisher die Meinung vor, es handele sich beim Auto um einen privaten Raum, in dem jeder tun und lassen kann, was er will.

Bisher Aufklärung statt Gesetze

In Autos entsteht laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg durch Rauchen eine Schadstoffbelastung, die dem Fünffachen einer verräucherten Bar entspricht – und das sogar bei leicht geöffnetem Fenster. Kinderlungen sind noch nicht ausgewachsen, die Gefahr von akuten Atemwegsproblemen als auch von Langzeitschäden ist groß. Bei Säuglingen erhöht Passivrauchen nach Angaben der Forscher zudem die Gefahr des plötzlichen Kindstodes.

Gesetzesvorstöße hat es im Bundestag bisher nicht gegeben, nur Meinungsäußerungen. Etwa der Drogenbeauftragten, Marlene Mortler (CSU), die sich so ein Verbot vor zwei Jahren „gut vorstellen“ konnte. Sie kam jedoch damals schon in ihrer eigenen Fraktion nicht weit und verlegte sich auf den Start einer großen Informationskampgange „Rauchfrei unterwegs“, die seitdem läuft und an das Gewissen der Autofahrer appelliert. In Kinderarztpraxen und Grundschulen hängen entsprechende Plakate aus, im Internet gibt es Informationen.

Zwei Drittel der rauchenden Autofahrer verzichten nach Daten des DKFZ freiwillig auf die Zigarette, wenn Kinder unter sechs Jahren mit im Wagen sitzen. Sind die Kinder etwas älter, sinkt die Quote aber auf knapp über 50 Prozent. Vor allem Fahrer mit niedrigem Bildungsgrad und niedrigem Einkommen nehmen auf den Nachwuchs wenig Rücksicht.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD gibt es zu dem Thema keine Aussage. Der Heidelberger SPD-Abgeordnete Lothar Binding, einer der bekanntesten Nichtraucher-Aktivisten des Bundestages, will in sechs Wochen wieder fraktionsübergreifend nichtrauchende Abgeordnete und Initiativen zum „Nichtraucher-Frühstück“ in den Bundestag einladen. Dort soll über einen neuen Vorstoß in der Straßenverkehrsordnung beraten werden. Binding sagte dieser Zeitung: „Viele Leute brauchen offenbar ordnungspolitische Vorgaben, damit sie ihre eigenen Kinder schützen.“

Ärztliche Unterstützung

Der CDU-Abgeordnete Rudolf Henke, ein Arzt aus Aachen, würde das unterstützen. Zwar zeigten die meisten Raucher sich auch ihrer Verantwortung gegenüber Kindern und Jugendlichen bewusst und verzichteten auf die Zigarette im Auto. Aber manche ignorierten die Gefährdung des Kindswohls. „Dann hat der Schutz der Gesundheit für mich einen höheren Stellenwert als die Freiheit zur Ignoranz“, sagte Henke auf Anfrage.