Gesundheit

Verwirrt durch Medikamente

Mit dem Alter nehmen die Organfunktionen ab. Das betrifft die Nieren, das Herz, die Lunge – und auch das Gehirn, wie Martin Wehling, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Fakultät Mannheim, gestern berichtete. Was aber weniger bekannt ist: Eine abnehmende Hirnleistung kann auch durch Medikamente ausgelöst werden.

„Wir gehen davon aus, dass etwa ein Drittel der sogenannten Altersdemenzen durch Arzneimittel bedingt oder zumindest verschlimmert wird“, sagte Wehling. Als besonders verdächtig gelten demnach Substanzen, die ins Gehirn eindringen können, darunter Psychopharmaka, Opiate, Parkinson-Medikamente, Anti-Epileptika, aber auch einige Antibiotika und Schmerzmittel wie Ibuprofen. Sogar ein zu niedrig eingestellter Blutdruck oder Blutzucker könnten eine Verwirrtheit auslösen. „Das ist für betroffene Patienten sehr gravierend“, betonte Wehling. Eine Denkstörung sei mit das schlimmste, was man einem alten Menschen antun könne.

Doch der Pharmakologe hat anlässlich des Mannheimer Internistenkongresses auch positive Nachrichten zu vermelden. „Die medikamentöse Demenz ist die einzige Form, die wieder zurückgeht“, vorausgesetzt, der Patient erhalte die auslösende Substanz nicht mehr. Und: „Es gibt heute Hilfsmittel, um eine rasche Orientierung über die Altersverträglichkeit von Medikamenten zu erhalten.“

So sind in der von Wehling und seinen Mitarbeitern entwickelten und auch in Studien überprüften Forta-Bewertung alle Substanzen nach Risiko aufgeführt. Bei einem Verdacht sollten Angehörige unbedingt den behandelnden Arzt darum bitten, riskante Medikamente zu ersetzen, empfahl der Experte. mad

Die Forta-Bewertung gibt es als App für iOS und Android