Gesundheit

Studie Patienten vermissen mehr öffentlich zugängliche Informationen bei Arztsuche / Kassenärztliche Vereinigung hebt bestehende Angebote im Internet hervor

Viele offene Fragen vor der Praxistür

Archivartikel

Gütersloh.Wie ist ein guter Hausarzt zu finden? Welche Geräte hat der neue Radiologe? Wie sauber ist es in der Praxis? Das sind nur einige von vielen Patientenfragen. Laut einer repräsentativen Bertelsmann-Studie gibt es allerdings zu wenige Antworten darauf. Gut die Hälfte der Bürger wünscht sich demnach mehr offen zugängliche Infos für die Suche eines Hausarztes oder Fachmediziners – um eine falsche Entscheidung zu vermeiden.

Der Gesundheitspolitik fehle ein Konzept, um mehr Transparenz in puncto Leistungen oder Ausstattung von Arztpraxen zu schaffen. Dabei seien viele gewünschte Daten durchaus vorhanden. „Die Mehrheit der Patienten weiß nicht, welche Expertise, Erfahrung und Ausstattung sie hinter der Praxistür erwartet“, kritisiert Stiftungsvorstand Brigitte Mohn laut Mitteilung aus Gütersloh.

USA fortschrittlicher

Andere Länder – vor allem England und die Vereinigten Staaten – seien da deutlich weiter. In Deutschland sind Krankenhäuser den Angaben zufolge bereits seit zehn Jahren verpflichtet, regelmäßig über Leistungsumfang und Behandlungsergebnisse zu berichten. Die ambulante Versorgung hinke hier hinterher.

Eine Sprecherin der Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg erklärt, die erste Adresse für den Patienten sei immer der Hausarzt: „Er kann am besten einschätzen, an welchen Facharzt Sie sich wenden sollen“, sagt sie. Zudem verweist die Sprecherin auf Internetseiten sowohl von Verbänden als auch von Arztpraxen selbst. Dort seien Qualifikationen aufgeführt.

Nach Angaben von Bertelsmann sagten 53 Prozent der befragten Bürger, sie wünschten sich vor dem Arztbesuch mehr Informationen. Fragt man, was ihnen wichtig ist, nennen viele: Infos über Fachkenntnisse des Arztes (94 Prozent) und zur Hygiene in der Praxis (90 Prozent). Zudem wollen sich 84 Prozent informieren können, wie es mit Zusatzleistungen – etwa Vorsorgeuntersuchungen – steht. Und 80 Prozent halten Infos über Behandlungsergebnisse für wichtig.

Zentrale Daten würden von den Kassenärztlichen Vereinigungen zwar umfangreich erhoben, aber nicht öffentlich gemacht, schilderte der Geschäftsführer der „Weissen Liste“, Roland Rischer. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollten gesetzlich verpflichtet werden, ihre Daten einer neu einzurichtenden, unabhängigen Stelle bereitzustellen. Einem Rechtsgutachten zufolge wäre die Privatsphäre der Patienten bei einer anonymisierten Datennutzung nicht gefährdet.

Für die Untersuchung zum „Public Reporting über Arztpraxen“ im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung und der „Weissen Liste“ waren im März 1007 Personen ab 14 Jahre befragt worden. dpa/jung