Gesundheit

Was der Schwimmbadgeruch über die Wasserqualität aussagt

Es ist Sommer, mit Freude stürzen wir uns in die kühlen Fluten von Hallen- oder Freibad. Der typische Geruch stört die wenigsten Badegäste – vielleicht wissen sie nicht, was dahinter steckt.

„Vor dem Baden bitte duschen“, steht in deutschen Schwimmbädern oftmals auf Schildern, bevor es zum Becken geht. Aber wie viele Badegäste halten sich daran? Beileibe nicht alle, wie jeder weiß, der ab und zu in ein Hallen- oder Freibad, ein Wellness- oder Spaßbad geht. Die Folgen bedenkt kaum ein Dusch-Verweigerer.

Viele hängen dem weit verbreiteten Mythos an: Wenn es im Bad besonders stark nach Chlor riecht, ist es dort besonders sauber, denn die Chemikalie tötet Keime ab. Das aber stimmt nicht.

Denn Chlor dient tatsächlich dazu, Krankheitserreger sicher und schnell abzutöten. Das Infektionsschutzgesetz verpflichtet die Betreiber von öffentlichen Bädern, dafür zu sorgen, dass Gäste nicht krank werden. Wie viel Chlor ins Wasser darf oder muss, regeln eine Empfehlung des Umweltbundesamtes und eine DIN-Norm.

Welche Dosis Chlor?

Die Dosis des Chlors hängt von vielen Faktoren ab, wie ein Fachmann der Frankfurter Bäder-Betriebe erklärt. Wie ist die Wasserqualität? Wie viele Schwimmer sind im Wasser? Wie leistungsfähig ist die Aufbereitungsanlage? Scheint die Sonne? Denn Chlor baut sich unter UV-Strahlung leichter ab.

Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen mit Sitz in Essen betont, dass es in Schwimmbädern heute viel weniger nach Chlor riecht als früher. Dank „ausgetüftelter Wasseraufbereitungstechnik“ könne man Chlor besser dosieren, sagt Verbandssprecherin Konstanze Ziemke-Jerrentrup: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“

Mit dem Geruch hat das aber nichts zu tun. Freies Chlor riecht laut Umweltbundesamt kaum. Der typische Geruch entsteht erst, wenn Chlor sich mit einem anderen –ebenfalls geruchlosen – Stoff verbindet: Harnstoff. Erst aus Chlor plus Harnstoff wird eine Chlorverbindung mit dem beißenden Geruch.

Alexander Kämpfe, Fachgebietsleiter für Schwimm- und Badebeckenwasser beim Umweltbundesamt, bringt es auf den Punkt: „Wenn es stark nach Chlor riecht, heißt das, dass viel Harnstoff ins Wasser eingetragen wurde.“ Er rechnet vor: „Wenn circa 40 Leute nicht duschen, ist das so, wie wenn einer ins Becken pinkelt.“

Ein Teil des Harnstoffs im Wasser stammt tatsächlich aus Urin, etwa von Pipi machenden Kleinkindern. Eine nicht zu vernachlässigende Menge kommt aber nicht aus der Blase, sondern von der Körperoberfläche: Harnstoff ist ein natürlicher Bestandteil gesunder Haut. Wenn Badegäste nicht duschen, gelangt der Harnstoff ins Becken.