Gesundheit

Gesundheit Hersteller bezeichnen E-Zigaretten als weniger schädlich / Ärzte warnen vor Gefahr

Wenn Raucher anfangen zu dampfen

Archivartikel

Heidelberg/Berlin.Um die E-Zigarette und ihre eventuellen Gefahren gibt es jede Menge Streit. Und doch gibt es einen Satz, den wohl fast alle unterschreiben würden, vom Arzt bis zum Hersteller: Die E-Zigarette ist die weniger schädliche Alternative zur herkömmlichen Zigarette. Die Frage ist, was das „weniger“ bedeutet – und da gehen die Meinungen teils heftig auseinander.

Neue Studien zeichnen ein teils dramatisches Bild der Gesundheitsgefahren, etwa in Bezug auf Bronchitis oder die Lungenkrankheit COPD. Hinzu kommen mysteriöse Erkrankungen in den USA, mit mehr als 50 Todesfällen. Als Ursache wird dabei ein spezielles Öl mit Vitamin E vermutet, nicht die E-Zigarette an sich.

„Man muss die E-Zigarette differenziert betrachten – auch daher kommt die Verwirrung in der Öffentlichkeit“, erklärt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Klar ist: Regulärer Zigarettenrauch enthalte Tausende Substanzen, und an die Hundert davon seien krebserzeugend. „Im Vergleich dazu enthält das Aerosol aus der E-Zigarette deutlich weniger Schadstoffe. Es ist aber bei weitem nicht schadstofffrei.“

Noch fehlen Daten

Wie hoch die Belastung ist, hänge von verschiedenen Faktoren ab: welche Liquide jemand verwendet, wie leistungsstark die E-Zigarette ist. „Wir müssen die Schadstoffbelastung aber natürlich auch mit dem Nichtrauchen vergleichen. Und verglichen damit ist es eben eine deutliche und vermeidbare Belastung, gerade bei Jugendlichen.“

Doch wie groß ist die Belastung? Die Hersteller im Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) verweisen auf Studien: 95 Prozent weniger schädlich soll die E-Zigarette im Vergleich zur Tabak-Zigarette sein, die Krebsgefahr sogar um 99,5 Prozent sinken. Doch für solche konkreten Angaben sei es noch viel zu früh, sagen Experten. „Bei Zigaretten hat es Jahrzehnte gedauert, bis wir die Gesundheitsgefährdung richtig einschätzen können“ sagt Wulf Pankow von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Bei E-Zigaretten fehlen bisher schlicht die Daten.

„Welche Langzeitfolgen der Konsum von E-Zigaretten hat, wissen wir noch nicht“, sagt Pankow. „Gerade mit Blick auf die Lunge und die Gefäße gibt es aber zahlreiche Hinweise, dass der Konsum zumindest nicht harmlos ist.“

Fest steht, dass es Akut-Effekte gibt, wie der Pneumologe erklärt, „also eine Belastung der Lunge, die zum Beispiel für Menschen mit chronischen Atemwegskrankheiten ungünstig sind“. Für Asthmatiker ist die E-Zigarette also definitiv nichts. Hinzu kommt die Suchtgefahr. Auch darauf gebe es Hinweise, wie Pankow erklärt. „E-Zigaretten enthalten auch Nikotin“, sagt er. „Nikotin ist der Stoff, der bei herkömmlichen Zigaretten süchtig macht – deshalb ist davon auszugehen, dass es auch bei E-Zigaretten eine Suchtgefahr gibt.“

Auch als Beitrag zur Entwöhnung ist die E-Zigarette umstritten, sagt Pankow. „Das kann höchstens bei einzelnen Hochrisiko-Patienten sinnvoll sein, die sonst gar nicht vom Rauchen loskommen.“