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Kohleausstieg Grosskraftwerk Mannheim will Block 7 stilllegen – und strebt „sozialverträgliche Lösungen“ an

GKM: 100 Jobs auf der Kippe

Archivartikel

Mannheim.Das Grosskraftwerk Mannheim (GKM) ist das größte Steinkohlekraftwerk Deutschlands. Doch diesen „Titel“ könnte es verlieren. Denn es will einen Block abschalten. Die Hintergründe dazu.

Was plant das Grosskraftwerk Mannheim?

Es will seinen ältesten Block stilllegen. Dabei handelt es sich um Block 7, der 1983 ans Netz gegangen ist.

Warum hat der Aufsichtsrat das beschlossen?

Die technische Laufzeit eines Kraftwerksblocks liegt bei rund 40 Jahren. Block 7 hat diese fast erreicht, darum erfolgt die Stilllegung „altersbedingt“, wie das GKM mitteilt. Weitere Investitionen, um die Laufzeit zu verlängern, lohnen sich offenbar nicht: Schließlich soll spätestens 2038 das letzte deutsche Kohlekraftwerk abschalten. Das GKM muss aufgrund der Ausstiegsmodalitäten vermutlich sogar bereits 2033 die Kohleverstromung einstellen.

Was geschieht dann jetzt mit Block 7?

Das lässt sich noch nicht sagen. Zunächst muss jetzt der Betreiber des Übertragungsnetzes in Zusammenarbeit mit der Bundesnetzagentur prüfen, ob die Anlage für die sichere Stromversorgung verzichtbar oder „systemrelevant“ ist.

Was passiert, wenn die Anlage nicht systemrelevant ist?

Dann darf sie frühestens in einem Jahr wirklich stillgelegt werden – und das GKM wäre nicht mehr Deutschlands größtes Steinkohlekraftwerk. Allerdings gehen praktisch alle Fachleute davon aus, dass Block 7 aktuell als systemrelevant eingestuft wird.

Was passiert, wenn die Anlage systemrelevant ist?

Dann wird Block 7 als Reservekraftwerk betrachtet. Das GKM muss dafür sorgen, dass die Anlage jederzeit hochgefahren werden kann – allerdings nur auf Anforderung, wenn dies für die Netzstabilität unbedingt erforderlich ist. Im Gegenzug erhält das Unternehmen eine Vergütung.

Wann fällt die Entscheidung darüber?

Eine Prognose wollten die Verantwortlichen am Donnerstag nicht abgeben. Theoretisch kann die Bundesnetzagentur den Weiterbetrieb für bis zu 24 Monate anordnen und mehrfach verlängern.

Welche Auswirkungen hat die geplante Stilllegung auf die Strom- und Wärmeversorgung?

Keine, sagen die GKM-Vorstände Holger Becker und Gerard Uytdewilligen, „da sie mit den verbleibenden Blöcken sichergestellt werden kann“. Block 7 ist zuletzt eher selten in Betrieb gewesen. Laut eines GKM-Sprechers erzeugt Block 9 seit seiner Inbetriebnahme etwa die Hälfte des Stroms.

Wie beeinflusst das die Umweltbilanz des GKM?

Genau lässt sich das nicht sagen, weil das Unternehmen nicht verrät, wie hoch der CO2-Wert der einzelnen Blöcke ist. Allerdings muss man davon ausgehen, dass der Effekt angesichts der zuletzt geringen Laufdauer des Blocks überschaubar ist.

Was bedeutet der Schritt für die Beschäftigten des GKM?

„Von der geplanten Stilllegung könnten rund 100 Arbeitsplätze betroffen sein“, sagt ein GKM-Sprecher. Er betont jedoch: „Es wird niemand entlassen.“ Im Fall der Fälle gäbe es „sozialverträgliche Lösungen“. Betriebsratschef Ümit Lehimci erwartet, dass Block 7 systemrelevant ist und die Arbeitsplätze in den nächsten Jahren erhalten werden können. Diese Zeit müsse genutzt werden, um „Sozialverträglichkeit hinzubekommen“. Er sagt aber auch: „Es ist ein schleichender Tod.“

Wie geht es insgesamt mit dem GKM weiter?

Das steht nach wie vor noch nicht fest. Die Aktionäre des Grosskraftwerks – RWE (40 Prozent), EnBW (32) und MVV (28) – fällen vermutlich erst eine Entscheidung über dessen Zukunft, wenn der Bundestag das Kohleausstiegsgesetz endgültig verabschiedet hat, das von der Corona-Pandemie auf der politischen Agenda überschattet worden ist. Eine Möglichkeit ist weiterhin, dass einer oder mehrere GKM-Blöcke durch ein Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerk ersetzt werden.

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