Grün-Weiss Mannheim

Interview GW-Teamchef Gerald Marzenell nennt den Teamgeist und die überragende Bilanz in den Einzeln als entscheidende Erfolgsfaktoren

„Ein ganz besonderer Titel“

Mannheim.Nach dem Meistercoup von Krefeld gab es für Gerald Marzenell am Samstag eine Bierdusche, gestern bei der Pokalübergabe am heimischen Neckarplatt auch jede Menge Beifall. Der Teamchef von Grün-Weiss Mannheim genoss den siebten Bundesliga-Titel der Vereinsgeschichte in vollen Zügen. Im Interview sprach der 54-Jährige von „einer genialen Saison mit einem ganz besonderen Meistertitel“.

Herr Marzenell, welchen Stellenwert hat diese Meisterschaft für Sie?

Gerald Marzenell: Es ist ein ganz besonderer Titel. So einen Teamgeist habe ich mit Ausnahme von 1993, als ich selbst noch Spieler war, noch nie erlebt. Von Anfang an hat alles gestimmt. Das war einfach Wahnsinn.

Wie hat sich dieser besondere Spirit gezeigt?

Marzenell: Maximilian Marterer, Peter Gojowczyk und Federico Delbonis haben alle mehr gespielt, als ausgemacht. Radu Albot hat für uns seine Abreise in die USA extra verschoben. Er hat für uns in Krefeld mit seinem Einzel- und Doppelsieg den Meistertitel gewonnen. Ohne ihn hätte das nicht geklappt.

Kamen schon Gratulationen von den Spielern, die am letzten Ligawochenende aufgrund von Turnierteilnahmen nicht dabei sein konnten?

Marzenell: Marterer hat in der Nacht zum Sonntag als Erster aus den USA geschrieben. Alle anderen danach. Ich habe insgesamt 140 Glückwunsch-SMS bekommen – so viele wie noch nie.

Was hat den Ausschlag für Grün-Weiss in dieser Saison gegeben?

Marzenell: Unsere starke Einzelbilanz. Die war nicht zu toppen. Wir haben 30 von 36 Duellen gewonnen. Das war ein entscheidender Titelfaktor. Tobias Kamke, Daniel Brands, Andreas Beck und Gerald Melzer haben ihre Einzel an Punkt drei und vier fast immer gewonnen – das erzeugt eine unheimliche Eigendynamik und bringt wichtige Energie in die Kabine.

In Krefeld haben aber ausgerechnet die Doppel den Ausschlag gegeben?

Marzenell: Wir waren nach dem 1:3-Rückstand nicht sicher, was passieren würde. Doch dann hat sich alles gedreht. Wir waren in den Doppeln total überlegen, nachdem wir zuvor in dieser Saison immer ein bisschen gewackelt haben. Allerdings waren die Partien ja meistens nach den Einzeln schon für uns entschieden.

Wird es nach diesem Höhepunkt Veränderungen im Grün-Weiss-Kader geben?

Marzenell: Ich sehe keinen Grund, ein Meisterteam groß zu verändern. Wir werden versuchen, den Kader zusammenzuhalten. Dieser Pokal gehört vor allem Spielern wie Beck, Brands und Kamke. Damir Dzumhur hatte aufgrund seiner Verletzung keinen Einsatz – das ist eine offene Position. Auch müssen wir sehen, ob Marc Lopez noch Doppel spielen wird.

Trauen Sie Beck eine weitere Bundesliga-Saison zu, obwohl er nicht mehr auf der ATP-Tour spielt?

Marzenell: Auf jeden Fall. Wir planen mit Andi. Er gehört in diese Mannschaft. Er lebt den Teamgeist vor.

Was waren für Sie persönlich die Höhepunkte dieser Meistersaison?

Marzenell: Ich hätte nie gedacht, dass wir so durch die Saison fegen. Bis zum letzten Spieltag ungeschlagen zu sein, ist ein unglaubliches Gefühl. Es war eine geniale Runde. Ein Höhepunkt war sicher das Derby gegen Weinheim mit Dominic Thiem. Es hat mit seinem Einzelerfolg gegen John Millman einen wichtigen Beitrag zum Titel geleistet. Es ist schön, dass Weinheim die Klasse gehalten hat. Das wird nächstes Jahr wieder ein schönes Derby.