Handball

Handball Vor acht Jahren wurde bei Patrick Berbner Leukämie diagnostiziert / In dieser Saison wollte er neu angreifen

Corona bremst Comeback

Archivartikel

Heppenheim.Ein Kontaktsportverbot, wie es gerade wegen Corona ausgesprochen wurde, ist für Patrick Berbner nichts Neues. Der heute 26-Jährige erkrankte im Jahr 2012 an Leukämie, gerade als er im Handball durchstarten und aus der Jugend kommend in der Bezirksoberliga-Mannschaft des SV Erbach Fuß fassen wollte. Für dieses Jahr hatte Berbner sein Comeback geplant. Dazu heuerte er beim A-Ligisten HC VfL Heppenheim an, aber Corona machte ihm jetzt einen Strich durch die Rechnung.

„Ganz ehrlich: Ich bin froh, dass aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens der Saisonstart verschoben wurde“, erklärt der Bankkaufmann. „Ich gelte wegen meiner Vorerkrankung als Risikopatient und muss aufpassen“, so Berbner, der in der Vorbereitung zeigte, dass er kaum etwas verlernt hat. „Es ist ja nicht so, dass ich gar keinen Sport in den letzten Jahren gemacht habe. Ich war regelmäßig im Fitnessstudio, habe für mich trainiert. Aber irgendwie hat mir der Handball schon gefehlt“, erzählt der Spieler, der in der Jugend beim SV Erbach und auch bei der SG Leutershausen am Ball war und als sehr talentiert galt.

Dankbar für Hilfsaktion

Als bei ihm Leukämie diagnostiziert wurde, lief eine riesengroße Welle der Solidarität an: Handballer aus der ganzen Region und viele andere nahmen an einer großangelegten Typisierungsaktion teil. Auch der SV Erbach und der Sebastian-Vettel-Fanclub aus Heppenheim unterstützten Berbner, der Rennstall des Formel-1-Weltmeisters stiftete Preise für Verlosungen. „Es war beeindruckend“, ist Berbner noch heute dankbar, wenn er an das Frühjahr 2013 zurückdenkt. 969 potenzielle Rückenmarkspender ließen sich registrieren. Patrick Berbner selbst war schließlich nicht mehr darauf angewiesen. Bei ihm schlug der Behandlungsplan aus Chemotherapie und Medikamentierung sehr gut an, die Krebszellen konnten besiegt werden, wie regelmäßige Blut- und Knochenmarktests zeigten. „Aber alle, die sich bei der Typisierungsaktion haben registrieren lassen, sind potenzielle Lebensretter für andere Menschen“, macht er deutlich, dass der Einsatz keinesfalls vergebens war.

Noch während seiner Therapie begann der sportverrückte Handballer mit dem Training im Fitnessstudio, „zumindest wenn es die Therapie zugelassen hat“. Ein paar Mal war er sogar in Erbach in der Halle, hat leicht mit dem Team trainiert. „Aber so richtig ging das nicht“, so Berbner.

Ende 2013 ging es dann in die Reha, dort wurde die Muskulatur neu aufgebaut und vor allem auch das Selbstvertrauen des jungen Mannes. „Das war für mich der Neustart“, konnte er dort einen Schlussstrich unter die heimtückische Krankheit ziehen.

Covid-19? Nur Schnupfen!

2014 wollte er wieder erste Schritte im Handball wagen, aber es passte nicht so recht. Daher entschied er erst einmal, sich anderweitig fit zu halten. „Im letzten Winter habe ich dann aber doch gemerkt, dass ich es noch einmal probieren will. Ich bin jetzt 26, fühle mich fit“, hat Berbner in der Folge einige Mannschaften in der Region besucht. „Ich habe unter anderem in Birkenau und in Bensheim mittrainiert, aber als ich dann in Heppenheim mitgemacht habe, wusste ich direkt, dass das passt“, wuchs die Vorfreude auf eine packende Saison. „Jetzt sind wir alle gespannt, wie es im Januar weitergeht. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Runde noch gespielt wird“, könnte sich Berbner vorstellen, dass es nur noch zu Freundschaftsspielen kommt. Ob er dann mitspielen würde? „Das hängt von der Infektionslage ab“, schränkt er ein.

Wie nah Corona ist, musste er erst letzte Woche erleben. Er hat sich irgendwo eine Erkältung eingefangen, aber weil er Risikopatient ist, schrillten gleich die Alarmglocken: „Ich habe mich testen lassen. Alles in Ordnung“, konnte Berbner schnell Entwarnung geben. Solange Kontaktsport wegen Corona verboten ist, wird er sich auf alle Fälle daran halten, das ist für den Handballer keine Frage und nichts Neues, auch wenn er es sehr bedauert.