Handball

Schweden: Neuer Löwen-Trainer Kristján Andrésson setzt auf den Spaß-Faktor und führt die Skandinavier zurück in die Weltspitze  

Der Möglichmacher

Die Rückkehr der schwedischen Handball-Nationalmannschaft in die Weltspitze erklärt ihr isländischer Trainer Kristján Andrésson ganz gerne ganz einfach. Er verweist auf die außergewöhnlichen Qualitäten seines Teams, auf den Zusammenhalt aller sowie die Fähigkeiten Einzelner. In der Tat stehen da mit Mikael Appelgren (Rhein-Neckar Löwen), Jim Gottfridsson (SG Flensburg-Handewitt) oder Kim Ekdahl du Rietz (Paris Saint-Germain) ein paar Ausnahmekönner im Kader des Vize-Europameisters. Doch es sind nicht nur die besonderen Fähigkeiten der Stars, die diese Mannschaft auszeichnen. Dieses Team, es ist vor allem ein harmonisches Gebilde, das mit Spielfreude agiert und letztendlich sein Inneres nach außen ehrt. Denn Spaß, das sagen die Spieler unisono, haben sie alle mit Andrésson, der in der nächsten Saison bei den Löwen auf Nikolaj Jacobsen folgt.

Kopenhagen.Lange Liste der Lobenden

Der gerade einmal 37 Jahre alte Trainer ist so etwas wie der Möglichmacher der schwedischen Auferstehung, nachdem die Skandinavier Ende des vergangenen und Anfang dieses Jahrtausends den Welt-Handball dominiert hatten. „Kristján ein sehr guter Typ und super für das Zusammenleben einer Mannschaft. Der Übergang von Nikolaj zu ihm wird gut klappen, weil beide ihre Teams ähnlich führen“, sagt einer, der es wissen muss, weil er beide Trainer kennt: Jesper Nielsen, schwedischer Nationalspieler und Kreisläufer der Löwen.

Die Liste der Lobenden ließe sich problemlos fortsetzen: Praktisch mit niemanden kann man über den Vize-Europameister sprechen, ohne dass die Verdienste des Trainers genannt werden. Früher oder später fallen die Worte Zusammenhalt, Freude und Teamgeist. Meistens früher. Harmonie, Vertrauen und gegenseitiges Verständnis prägen das intensive Verhältnis zwischen Trainer und Team. Alle Spieler stehen hinter ihrem Coach. Sie folgen diesem Mann, der seine aktive Karriere wegen einer schweren Verletzung als 24-Jähriger beenden musste und bei den Löwen mit Mikael Appelgren, Andreas Palicka und Jerry Tollbring noch drei weitere Schweden neben Nielsen antreffen wird.

„Ich hoffe nicht, dass ich den Job deshalb bekommen habe“, scherzt Andrésson im Gespräch mit dieser Zeitung. Er kann sich sicher sein: Dem ist gewiss nicht so. Vielmehr hat seine Arbeit die Löwen überzeugt. Das weiß auch Jacobsen, der im vergangenen Jahr mit den Dänen das EM-Halbfinale gegen Andréssons Team verlor. „Die Entwicklung der schwedischen Mannschaft unter Kristjáns Führung spricht für ihn. Er hat alles, was die Löwen brauchen, um oben mitzuspielen“, glaubt Jacobsen, dass der badische Bundesligist eine „gute Entscheidung“ bei der Regelung seiner Nachfolge gefunden hat und betont ebenso wie Nielsen die menschliche Komponente: „Das Verhältnis des Trainers zur Mannschaft ist bei den Löwen sehr wichtig, hier bei uns geht es familiär zu – und ich glaube, dass Kristján der richtige Mann ist, um das weiterzuführen, was wir aufgebaut haben.“

Andrésson steht bereits in regelmäßigem Kontakt mit dem Verein, um die Saisonvorbereitung und verschiedene Personalentscheidungen abzusprechen, möchte ansonsten aber nicht viel über seinen künftigen Job reden. Er begründet das recht einfach, aber vor allem nachvollziehbar: Der Anstand spielt für ihn schlichtweg eine große Rolle. „Im Moment ist Nikolaj Jacobsen der Trainer. Ich habe großen Respekt vor ihm und das, was er in diese Aufgabe investiert. Mein Fokus liegt momentan auf der WM“, sagt der 37-Jährige, dem es vor dem Turnier gelang, zwei absolute Ausnahmespieler zu einer Rückkehr ins Nationalteam zu bewegen.

„Können alle Teams schlagen“

Der langjährige Kieler Kim Andersson ist wieder dabei – und eben Ex-Löwe Ekdahl du Rietz, der vor einigen Jahren aus der schwedischen Auswahl zurückgetreten war, seine Karriere 2017 sogar für komplett beendet erklärt hatte und nun nach dem Ende seiner Pause nicht nur für Paris, sondern auch wieder für sein Heimatland spielt, was allen voran an Andrésson liegt. „Er war ein großer Faktor für mein Comeback“, sagt der Ex-Löwe und macht das am überragenden Binnenklima fest: „Es ist mehr Spaß als früher dabei.“

Die Rückkehr der zwei Routiniers macht aus dem einstigen Geheimfavoriten indes mehr denn je einen ernsthaften Titelanwärter – auch wenn Andrésson nichts von einer neuen Rolle wissen will und lieber auf die Leistungsdichte in der Weltspitze verweist: „Wir können alle Teams schlagen, aber gleichzeitig auch gegen die meisten verlieren, wenn wir nicht zu 100 Prozent fokussiert sind. Es können viele Nationen um die Medaillen spielen.“ Eine davon werden aber ziemlich sicher die Schweden sein.

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