Handball

Handball Nach dem 33:25-Sieg in Mannheim über Island zeigt das DHB-Team beim 32:28 in Österreich bekannte Schwächen

Die Defizite werden deutlich

Mannheim/Wien.Es lief nicht alles rund, doch das war Christian Prokop eigentlich sogar ganz recht. „Wir haben Stress bekommen, das ist sehr gut“, meinte der Handball-Bundestrainer nach dem 32:28 (16:15)-Sieg der deutschen Nationalmannschaft am Montag im letzten EM-Test in Österreich. Anders als am Samstag beim 33:25 über Island in Mannheim musste der WM-Vierte diesmal einige Drucksituationen und Schwächephasen überstehen, auch die Defizite im gebundenen Offensivspiel wurden deutlich.

„Es waren in Abwehr und Angriff Konzentrationsschwächen dabei“, sagte Torwart Andreas Wolff in der Wiener Stadthalle, in die das Team des Deutschen Handball-Bundes (DHB) in der nächsten Woche zurückkehren will. Dann wird in der österreichischen Hauptstadt die Hauptrunde ausgetragen, in die EM startet der WM-Vierte am Donnerstag (18.15 Uhr/ZDF) gegen Außenseiter Niederlande. Weitere Vorrundengegner beim Turnier in Norwegen, Schweden und Österreich sind Titelverteidiger Spanien und Lettland.

Schmidt mit feinen Anspielen

Bei der Generalprobe in Wien erwischten die Deutschen zunächst einen guten Start und führten 6:3 (9.), weil sie genau so spielten, wie sie es angesichts der bekannten Probleme im Positionsangriff auch müssen und wie es Bundestrainer Prokop fordert: „Abwehr und Torwart sind unser Grundelement, um ins Tempospiel zu kommen.“

Der Weltmeister von 2007 verteidigte gegen die Mannschaft des EM-Mitausrichters zunächst auch stark, schaltete schnell um und kam zu einfachen Toren. So machte es der WM-Vierte schon am Samstag beim überzeugenden 33:25-Erfolg über Island in Mannheim. „Es ist unser Hauptangriffsmittel, über Tempo zum Erfolg zu kommen“, sagte da bereits Rückraummann Fabian Böhm.

In Österreich kam die DHB-Auswahl aber nach der guten Startphase nicht mehr wie gewünscht in den Gegenstoß, prompt stockte das Offensivspiel, in dem sich die Ballverluste häuften. Österreich bestrafte mit viel Geschwindigkeit die deutschen Nachlässigkeiten im Rückzug und drehte die Begegnung mit einem 4:0-Lauf in 92 Sekunden zum 8:7 (12.). Danach stabilisierten sich die Deutschen zwar, auch weil der eingewechselte und in der Jugend der Rhein-Neckar Löwen ausgebildete David Schmidt vom TVB Stuttgart die Kollegen mit feinen Anspielen in Szene setzte, aber insgesamt ließ die Prokop-Sieben viel zu viele klare Chancen aus und nahm deshalb nur ein 15:14 mit in die Pause. „Wir sind super ins Spiel gestartet, hatten alles im Griff. Aber wir müssen besser zurücklaufen und die Chancen besser nutzen“, sagte Teammanager Oliver Roggisch in der Pause.

Nach dem Seitenwechsel mehrten sich erst einmal wieder die Fehler im Angriff, trotz vieler Überzahlsituationen setzte sich die DHB-Auswahl zunächst nicht ab. Erst nach einer Auszeit gewannen die Deutschen die Spielkontrolle, sie legten ein 24:19 (44.) vor und kamen dank starker Abwehrleistung immer wieder in den Gegenstoß.

In der Schlussviertelstunde wechselte Prokop viel durch, die gesetzten Mittelblockspieler Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek ersetzte er durch Johannes Golla und Marian Michalczik, der erneut einige Pluspunkte sammelte. Der Mindener ist sowohl im Abwehrzentrum als auch als Spielgestalter einsetzbar, was ihn besonders wertvoll macht. „Es ist enorm wichtig, dass wir Alternativen haben“, sagte Wiencek: „Vor uns liegen viele Spiele in wenigen Tagen, dazu kommen die Reisen.“

Kurzum: Die Deutschen wollen die anstehenden Prüfungen als Kollektiv lösen, die Gegner mit ständigen Spielerwechseln vor immer neue Aufgaben stellen. „Ohne Breite haben wir keine Chance“, stellte DHB-Vizepräsident Bob Hanning klar – und das Vertrauen in die eigene Stärke ist trotz der Personalsorgen unverändert groß. „Wir wollen nach Stockholm“, sagte Kreisläufer Jannik Kohlbacher von den Rhein-Neckar Löwen mit Blick auf das Finalwochenende in der schwedischen Hauptstadt und schaute ein wenig verdutzt bei dem Hinweis, dass dort auch das Spiel um Rang fünf ausgetragen wird: „Das meine ich natürlich nicht.“