Handball

Finanzen Turnier für IHF und auch DHB von großer Bedeutung

Es geht um mehrere Millionen

Mannheim.Zu den Grundeigenschaften eines Sportfunktionärs gehört es bisweilen, seine Meinung radikal zu ändern. Solch ein Amt hat ja immer auch etwas von Politik. Es geht darum, Stimmen und Stimmungen abzuwägen, Strömungen zu erkennen – und nicht selten spielt es auch eine übergeordnete Rolle, sein eigenes Dasein zu sichern. Stichwort: Machterhalt. Beispiele dafür gibt es zu Genüge. Es reicht ein Blick zum Deutschen Fußball-Bund, wo Fritz Keller es in seiner gar nicht einmal so langen Amtszeit als Präsident geschafft hat, gegenteilige Positionen zum gleichen Thema zu vertreten. Gewiss, auch das ist eine Kunst, die beherrscht sein will. Sie hilft nur wenig mit Blick auf die Glaubwürdigkeit.

Sponsoren zahlen nach Reichweite

Insofern ist die inhaltliche Stringenz und Geschlossenheit, die der Deutsche Handballbund (DHB) bei seiner Position zur umstrittenen WM 2021 präsentierte, eine Ausnahme. Sogar eine löbliche, völlig unabhängig davon, ob man die Meinung der Bosse nun gut oder schlecht findet. Sie ließen aber nie einen Zweifel an ihrem Vertrauen in den ägyptischen WM-Gastgeber und den Weltverband IHF aufkommen. Der DHB war immer für das Turnier – wenn auch nicht nur wegen der Nächstenliebe in der gern beschworenen „Handball-Familie“, sondern auch aus egoistischen, rein wirtschaftlichen Motiven.

Sprich: Nicht nur für den Weltverband, dem bei einer WM-Absage etwa 25 Millionen Schweizer Franken (etwa 23 Millionen Euro) fehlen würden, geht es um viel Geld. Bei einer Turnier-Absage hätten auch dem DHB Millionenverluste gedroht, wie das Fach-Magazin „Handball Inside“ berichtete. Der Grund: Die Sponsorenverträge sind an Fernsehquoten gekoppelt. Bedeutet konkret: keine WM, keine Sichtbarkeit, keine Einnahmen. Für den DHB ist die Weltmeisterschaft unter monetären Gesichtspunkten sogar wichtiger als die Olympischen Spiele, weil bei einer WM die verbandseigenen Werbepartner sichtbar sind. Bei Olympia gilt das für den Ausrüster.

Finanziell wichtiger als Olympia

Der DHB-Vorstandsvorsitzende Mark Schober verwies in der „FAZ“ außerdem auf die Gesamtverantwortung und das große Ganze. „Wir haben die Olympia-Qualifikation in Berlin, wir haben 2027 die WM in Deutschland – wir können da nicht isoliert Entscheidungen treffen, ohne massiven Schaden zu verursachen“, sagte der 48-Jährige und dürfte dabei auch im Hinterkopf gehabt haben, dass sein Verband zuletzt sehr großzügig von der IHF bedacht wurde. Denn nicht nur die Männer-WM 2027, sondern auch die Frauen-WM 2025 und die Junioren-WM 2023 finden in Deutschland statt. Ob man will oder nicht. Da ist man auch ein wenig zu Dank und Loyalität verpflichtet.