Handball

Auftaktspiel Deutschland besiegt die Niederlande erwartungsgemäß mit 34:23 / Rote Karte für Uwe Gensheimer

Genauso schlau wie vorher

Archivartikel

Trondheim.Der Auftakt in ein Turnier hat ja stets etwas vom ersten Schultag nach den Ferien. Alle sind entspannt und irgendwie optimistisch, aber ein wenig Ungewissheit gehört eben auch dazu. Man weiß ja nie, was einen erwartet, was da auf einen zukommt und wo man selbst steht. Das dürfte der deutschen Handball-Nationalmannschaft allerdings auch nach dem Auftaktspiel in die EM noch nicht ganz so klar sein. Die Auswahl von Bundestrainer Christian Prokop gewann zwar ihre Partie gegen den krassen Außenseiter Niederlande mit 34:23 (15:14), aber anders als im Fußball trennen im Handball die beiden Nationen Welten. Sprich: Der Erfolg vor 4057 Zuschauern in Trondheim war ein Muster ohne Wert – und lieferte entsprechend keinerlei Erkenntnisse darüber, wie gut diese deutsche Mannschaft denn nun wirklich ist.

Abwehr top, Probleme im Angriff

„Ich bin zufrieden“, sagte Prokop, wobei das Wort „zufrieden“ ja durchaus impliziert, dass da noch mehr möglich ist und der Bundestrainer auch eine Steigerung erwartet. Gegen Spanien am Samstag (18.15 Uhr) wird diese auf jeden Fall zwingend notwendig sein, wenn die Deutschen erneut gewinnen wollen. „Wir hatten ein paar Probleme im Angriff“, gab Prokop zu und wiederholte damit nur das, was ihn seit Monaten sorgt. Doch dafür stimmte die Abwehrleistung – auch das ist seit langer Zeit kein Geheimnis mehr.

Nach frühem 0:2-Rückstand (3.), einem Ballverlust von Julius Kühn und einem technischen Fehler von Paul Drux meldete sich die DHB-Auswahl im Turnier an und benötigte gerade einmal 55 Sekunden für den Ausgleich. Danach nahm die Begegnung zunächst ihren erwarteten Verlauf. Gegen die deutsche 3:2:1-Deckung fiel den international zweitklassigen Niederländern wenig ein, sie produzierten Ballverluste in Serie und wurden dafür vom WM-Vierten bestraft. In all diesen Momenten bündelte sich die Überlegenheit des Europameisters von 2016, bei einer 9:4-Führung (14.) und in der niederländischen Auszeit flachste DHB-Teammanager Oliver Roggisch bereits mit den Schiedsrichtern Bojan Lah und David Sok. Alles war in bester Ordnung – und es sah danach aus, als würden die Deutschen schon ganz früh für die Entscheidung sorgen.

Dann aber sah Uwe Gensheimer die Rote Karte (16.). Beim Siebenmeter traf er Oranje-Keeper Bart Ravensbergen im Gesicht, die Unparteiischen schauten sich die Szene auf dem Monitor an und verwiesen den Weltklasse-Linksaußen aus Mannheim regelkonform des Feldes. „Da gibt es nichts zu diskutieren, das war eine klare Rote Karte“, gab der Rechtshänder zu.

Der Kapitän nahm nach seiner Hinausstellung auf der Tribüne Platz, auf dem Feld wechselte Prokop ein wenig im Rückraum durch – und von nun an klappte bis zur Pause nur noch wenig. „Zehn Minuten lang hatte man das Gefühl, dass wir bei einer B-WM sind“, kritisierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. Der eingewechselte Marian Michalczik kam gegen die nun offensivere niederländische Deckung als Spielmacher nicht zurecht, zur Pause führte der WM-Vierte nur noch 15:13. Keine Frage: Handballspiele mit der DHB-Auswahl sind aufgrund der verletzungsbedingten Umstellungen momentan nicht immer einfach nur Handballspiele, sondern auch eine Wundertüte.

Nach dem Seitenwechsel setzte sich die deutsche Mannschaft zunächst nicht ab, dann aber fielen ihr immer bessere Lösungen gegen die Deckung des EM-Debütanten ein. „Da sind wir auch mit mehr Überzeugung auf das gegnerische Tor gegangen. Genau das brauchen wir gegen Spanien“, blickte Gensheimer bereits voraus.

Ab der 40. Minute war es allen voran Kai Häfner, der dem deutschen Offensivspiel Schwung verlieh, während bei den Niederländern die Kräfte nachließen und das Ergebnis immer deutlicher wurde. „Die Richtung stimmt. Aber diese Partie ist nicht vergleichbar mit dem, was uns am Samstag gegen Spanien erwartet“, sagte Hanning.

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