Handball

Halbfinal-Gegner Löwen-Kontrahent ist auf nationaler Ebene seit November ungeschlagen und hat sich nach schwierigen Jahren in der Spitze etabliert

Mythos Magdeburg – Aufschwung im Osten

Archivartikel

Magdeburg.Handball ist in Magdeburg nicht nur eine Sportart, sondern eher eine Religion. Die Menschen in der Stadt vergöttern ihren heimischen SCM, die Symbiose zwischen den Fans und der Mannschaft ist wahrscheinlich sogar einzigartig in Deutschland. „Auf der Straße sind wir immer ein Thema“, sagt Linksaußen Matthias Musche, der es wissen muss. Denn der 25-Jährige wuchs in der Elbmetropole auf, durchlief die bundesweit bewunderte Nachwuchsschmiede des Clubs und steht nun für seinen Heimatverein in der Bundesliga auf der Platte. 2016 war er dabei, als der SCM den DHB-Pokal zum letzten Mal gewann, seine fanatischen Fans in Ekstase versetzte und den ersten nationalen Titel seit 2001 holte. Musche erinnert sich gerne an den Augenblick, als der ersehnte Triumph perfekt war: „Das Gefühl hatte ich davor noch nie. Das war für mich der erste Titel und deswegen kann ich das gar nicht in Worte fassen.“

Keine Frage: Mit dem damaligen Erfolg meldete sich der SCM, seit der Wiedervereinigung bislang einziger Bundesliga-Meister aus den neuen Bundesländern und 2002 erster deutscher Champions-League-Sieger, endgültig auf der großen Bühne zurück, nachdem der Verein schwere Jahre mit finanziellen Sorgen durchgemacht hatte. Und der Aufschwung ist eng mit einem Namen verbunden: Bennet Wiegert. Der Trainer stammt auch aus Magdeburg, ist der Sohn der lebenden Vereinslegende Ingolf Wiegert und steht seit November 2015 an der Seitenlinie des Traditionsvereins, der im Final Four um den EHF-Pokal noch eine zweite Titeloption hat, in der Bundesliga als Tabellendritter um die Champions-League-Teilnahme spielt und in der Liga seit 15 Partien nicht mehr verloren hat. „Wir nehmen unsere Euphorie mit nach Hamburg und haben uns Selbstvertrauen erarbeitet. Ich hoffe, dass man uns das dann auch anmerkt. Wir werden den Löwen einen gnadenlosen Kampf liefern“, kündigt der Coach an.

„Unsere Chancen sind groß“

Fürs Final Four qualifizierten sich die Bördeländer durch einen Sieg beim Bundesliga-Vierten Füchse Berlin – und unterstrichen in diesem Duell einmal mehr ihre bestechende Form. „Das war natürlich unglaublich. Wir haben in den letzten neun Jahren nie in Berlin gewonnen. Und dann gerade in solch einem wichtigen Duell diese Serie beenden zu können und diesen Coup zu landen, das war einfach ein Riesengefühl“, sagt Musche, der selbstbewusst nach Hamburg reist: „Unsere Chancen sind groß.“

Das glaubt auch Rechtsaußen Robert Weber, der für seine Sprüche bekannt ist und sich eine kleine verbale Spitze in Richtung der Löwen nicht verkneifen kann: „Hamburg hat seine eigenen Gesetze. Die Löwen sind als Meister und Bundesliga-Spitzenreiter klarer Favorit auf den Titel. Aber sie haben es schon fast ein dutzend Mal versucht und ihn noch nie geholt. Wir hatten den DHB-Pokal 2016 – und wollen ihn 2018 wieder.“

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