Handball

Handball Das Präsidium des Landesverbands setzt letzte Fristen zum Neustart einer Saison, die von den meisten ohnehin schon zu den Akten gelegt worden ist

Schlussstrich auf Raten

Groß-Rohrheim/Frankfurt.Der Abbruch der Handball-Saison 2020/21 rückt immer näher. Am Montagabend beschloss das Präsidium des Hessischen Handball-Verbands (HHV) einen letzten Termin, bis zu dem der Wiedereinstieg ins Training unter Wettkampfbedingungen gelingen muss und setzte den Spielbetrieb gleichzeitig bis zu genau diesem Zeitpunkt auch aus: Am 25. Februar wird sich entscheiden, ob noch ein Versuch unternommen werden kann, eine Saison durchzuführen – wenn nicht die Politik bis dahin schon für Klarheit gesorgt hat und den Sportbetrieb wegen Corona weiter auf Eis legt.

„Wenn wir nicht bis zum 15. März in den Spielbetrieb starten können, dann wird die Runde nicht gewertet“, erklärte HHV-Präsident Gunter Eckart auf Nachfrage dieser Redaktion. „Gleichzeitig bleiben wir dabei, dass vor einem Wiedereintritt in den Spielbetrieb drei Wochen Training das Minimum sind und damit kommen wir zum 25. Februar. Da wird man sehen, ob noch etwas möglich ist. Wenn nicht, wird es aber auch in allen hessischen Ligen keine Auf- und Absteiger geben“, so Eckart, der dabei nicht sonderlich optimistisch klingt. Er berichtet zwar von einigen Vereinen, die nach wie vor große Ambitionen haben und unbedingt spielen wollen, aber die Mehrzahl der Teams – auch in Südhessen – haben sich inzwischen mit einer Absage der Saison abgefunden.

„Wir hatten eigentlich von Beginn an gefordert, die Runde abzusagen. Die jetzige Entscheidung ist entsprechend auch in unserem Sinne“, findet Tim Borger, Trainer des Landesligisten TV Groß-Rohrheim.

Bereits endgültig beendet ist die Saison in der Jugend. Hier wurde der Spielbetrieb formal bis zum 8. März ausgesetzt, da dies aber zugleich der letzte geplante Spieltag war, kommt diese Entscheidung einem Abbruch gleich. „Wir legen unseren Fokus auf die Qualifikationsrunde zur nächsten Saison. Hier wollen wir versuchen, nach den Osterferien einen möglichst geordneten Spielbetrieb für die Jugend zu organisieren“, erläutert Gunter Eckart.

Um den Vereinen unter die Arme zu greifen, will der Verband zudem Veranstaltungen in den Sommermonaten für die jüngsten Handballer organisieren. „Dabei wird es ganz klar um das Thema Mitgliedergewinnung und auch Werbung für den Handballsport gehen“, so der Präsident, der sich verschiedene Formate vorstellen kann. Federführend bei der Gestaltung ist das neu ins Leben gerufene HHV-Juniorteam mit dem Jugendwart David Delp aus Brensbach im Odenwald an der Spitze. „Das zurückliegende Jahr war für die Vereine nicht einfach und wir versuchen sobald es möglich ist, zu unterstützen“, erklärt Eckart, der dem Handball wichtige Präsenz geben möchte.

Dies begrüßen auch die Vereine in der Region und sehen dies als wichtigen Schritt an, nachdem in den vergangenen Monaten ohne Training auch keine neuen Handballer gewonnen werden konnten. Selbst die vielerorts aufgebaute und äußerst fruchtbare Kooperation mit den Schulen liegt durch Corona brach und darf nicht gelebt werden. „Unsere Mitgliederzahlen sind zwar weitestgehend stabil geblieben, aber es fehlen die neuen Kinder in den jungen Jahrgängen“, sagt Groß-Rohrheims Handball-Abteilungsleiter Hans-Peter Erlemann. „All das, war wir in normalen Jahren an Aktivitäten in Kindergärten und Schulen machen, liegt auf Eis. das wird uns und dem Handball insgesamt sicherlich auch noch lange Zeit, wohl Jahre nachhängen“, erwartet Erlemann große Probleme im Nachwuchsbereich: „Da ist jetzt von allen Seiten Kreativität gefragt.“

Bei den Aktivenmannschaften hofft der Verband, das noch das eine oder andere Spiel vor dem Sommer absolviert werden kann und auch hier möchte der HHV unterstützen: „Selbst wenn die Saison abgebrochen wird, wollen wir Spiele ermöglichen, sobald es geht. Wir können auch noch im April die vorhandenen Spielpläne nehmen und noch Partien absolvieren – natürlich ohne Wertung“, erklärt Gunter Eckart und spricht vom höchstmöglichen Maß an Flexibilität. „Das würden wir auch begrüßen“, so TVG-Coach Borger, der allerdings zu bedenken gibt: „Ohne vernünftiges Training davor wäre es unverantwortlich zu spielen. Daher muss man schauen, was der Zeitplan hergibt. Schließlich startet im Juni normalerweise schon die Vorbereitung auf die nächste Saison.“

Bei Handballern, die vor ihrem Karriereende stehen oder den Verein wechseln wollen, kommt die Aussicht auf Freundschaftsspiele vor den Sommerferien indes gut an: „Ich hoffe sehr, dass wir noch ein paar Spiele zusammen machen können – auch wenn es ohne Wertung wäre“, erklärt Dennis Rybakov, Spielertrainer des Bezirksoberligisten Tvgg Lorsch, der in der nächsten Saison beim Liga-Konkurrenten HSG Weschnitztal auf der Kommandobrücke stehen wird. „Wenn wir vor Ostern wieder ins Training einsteigen könnten und dann auch wieder ein paar Freundschaftsspiele absolvieren dürften, wäre das klasse. Uns allen fehlt schon etwas“, spricht Rybakov vielen Handballern aus dem Herzen. me