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Handball In der EM-Qualifikation reichen dem deutschen Team 15 starke Minuten zum 25:21-Sieg über Bosnien

Viertelstunde Vollgas: Deutsche Handballer qualifizieren sich für EM

Archivartikel

Düsseldorf.Der kleine Funkenregen ließ vermuten, dass da etwas Großes ansteht, als die deutsche Handball-Nationalmannschaft in die Düsseldorfer Arena einmarschierte. Doch als in der verdunkelten Halle das Licht anging, gesellte sich zur gespenstischen Stille recht schnell die große Leere. Tristesse statt Turbulenzen auf den Tribünen – und das setzte sich dann auch noch auf dem Feld fort. Kurzum: Was die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) da zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Bosnien bot, war nun wirklich alles andere als ein Feuerwerk. Der EM-Fünfte gewann zwar nach erschreckender erster Halbzeit noch mit 25:21 (9:13), doch der neue Bundestrainer Alfred Gislason wird sich sein Debüt gegen den personell arg geschwächten Gegner sicherlich ganz anders vorgestellt haben. Wegen einiger Corona-Fälle traten die Bosnier statt der erlaubten 16 nur mit elf Spielern an, darunter lediglich ein Torwart.

Entscheidung durch Gensheimer

„Wir haben in der Halbzeitpause schon bedröppelt in der Kabine gesessen und waren total unzufrieden mit unserer Leistung“, verriet Kapitän Uwe Gensheimer. Der waschechte Mannheimer in Diensten der Rhein-Neckar Löwen besorgte drei Minuten vor Spielende das 23:20, beendete damit das große Zittern und war nach dem Schlusspfiff entsprechend erleichtert – allerdings nicht ohne Kritik zu üben: „Wir haben nicht unser bestes Spiel gemacht, waren in der ersten Halbzeit viel zu hektisch und haben nach fünf Sekunden abgeschlossen.“

Von Beginn an lief die deutsche Mannschaft einem Rückstand hinterher, weil sie vor allem keine Lösungen im Angriff fand. Juri Knorr feierte sein Debüt auf der Spielmacherposition, musste aber Mitte der ersten Halbzeit seinen Posten für Marian Michalczik räumen. „Ich finde, Juri hat das für sein erstes Spiel gut gemacht, auch wenn ihm Fehler unterlaufen sind“, übte sich Gislason in Nachsicht mit dem Mindener.

Dennoch: Mit Michalczik lief der Ball zumindest etwas flüssiger, alles wirkte ein wenig strukturierter – aber von einem kreativen Spielaufbau oder gar Überraschungen waren die Deutschen weiterhin so weit entfernt wie von klaren Möglichkeiten. „Wir haben uns zu viele Halbchancen genommen“, monierte Gislason, dessen Debüt im März gegen die Niederlande wegen der Pandemie kurzfristig ausgefallen war.

In dieser Woche drohte zwischenzeitlich eine Absage der Begegnung gegen Bosnien, ehe der Europäische Verband auf eine Austragung der Partie drängte. Beim Bundestrainer führte das in der Nacht vor dem Spiel zu einem „Albtraum“, wie er lachend zugab: „Ich habe mich gefragt, was eigentlich los ist, wenn ich morgen als Einziger positiv auf Corona getestet werde.“ Das passierte bekanntlich aber nicht, weshalb Gislason dann auch froh war, nach achtmonatiger Wartezeit zu seinem Debüt als Bundestrainer zu kommen. Doch ob er solch eine Leistung erwartet hatte? Gewiss: Nach dem Lehrgang im März hatten sich Team und Coach lange nicht gesehen. 30 Minuten schien es aber bisweilen so, als hätten sich alle Spieler kurz vor dem Anpfiff erst kennengelernt. Denn im Prinzip lief gar nichts zusammen.

Das änderte sich erst nach dem Seitenwechsel, weil sich die Deutschen Sicherheit über die Deckung holten. Finn Lemke verteidigte fortan zusammen mit Hendrik Pekeler im Mittelblock der 6:0-Formation, blockte und gewann Bälle, erzielte einen Treffer und schwang sich zum emotionalen Anführer auf. „In der Abwehr wurde es mit Finn richtig gut. Er war sehr beweglich und hat der Mannschaft einen Push gegeben“, lobte Gislason den Melsunger.

Eine Viertelstunde lang gab der WM-Vierte Vollgas – und das reichte, um die Begegnung zu drehen. „Wir haben den zweiten Durchgang mit acht Treffern Differenz gewonnen. Darüber können wir uns freuen“, meinte Gensheimer. 19:16 stand es nach 45 Minuten, vornehmlich erzielten die Deutschen ihre Tore gegen immer müder werdende Bosnier über den Gegenstoß und die zweite Welle.

Abschütteln ließ sich der Gegner aber nicht, weshalb bis zu Gensheimers Treffer zum 23:20 immer noch eine Blamage möglich war. Die Deutschen wackelten, blieben aber stehen – und genau für seine Ruhe in diesen Situationen hatte der Verband ja Gislason geholt. Dass genau dies allerdings gleich in seinem ersten Spiel gefordert ist, hätte der Isländer wohl kaum geglaubt.

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