Handball

Interview der Woche Marco Dubois und Björn Erny sind die neuen Trainer des Handball-Badenligisten TV Friedrichsfeld

"Wollten für eine Zäsur sorgen"

Mannheim.So hatte man sich die Badenligasaison 2017/18 in Friedrichsfeld nicht vorgestellt. Mit jungen und talentierten Neuzugängen wollte der Club oben mitspielen. Gekommen ist es ganz anders: Dem Sieg gegen die bis heute punktlose HSG St. Leon/Reilingen folgten sechs teils heftige Pleiten. Trainer Frank Schmiedel zog die Notbremse, stellte seinen Posten zur Verfügung. Die Co-Trainer Marco Dubois und Björn Erny übernahmen - und das mit Erfolg: Keine Woche später feierten die beiden einen 28:26-Sieg in Eggenstein. Im Interview erläutert das Trainer-Duo seine Ziele und Vorstellungen.

Herr Dubois, der Verein hat sich nach Frank Schmiedels Rücktritt für eine interne Lösung entschieden. Wann ist der Club an Sie herangetreten?

Marco Dubois: Nach Franks Rücktritt hat sich die Abteilungsleitung kurz intern beraten, uns dann aber auch zügig zu den Gesprächen hinzugezogen. Als man dann an uns mit der Bitte herangetreten ist, die Mannschaft zu übernehmen, haben wir nicht gezögert. Das in uns gesetzte Vertrauen wollen wir nun auch durch Erfolge zurückzahlen.

Herr Enry, es waren gerade einmal drei Trainingseinheiten bis zum ersten Spieler. Wie ist es in dieser kurzen Zeit gelungen, die Mannschaft wieder aufzurichten?

Björn Erny: Uns war vor allem wichtig, nach der Niederlagenserie für eine Zäsur zu sorgen. Andere Trainingsinhalte, mehr Wettkampfformen innerhalb der Einheiten und auch handballerisch haben wir Kleinigkeiten angepasst. Die Spieler sollten einfach merken, dass sich etwas verändert hat.

Mit Nicolas Schembera hat dann in Eggenstein ein Spieler im Rückraum groß aufgespielt, der in den letzten Wochen zumeist auf Linksaußen agierte.

Erny: Die Entscheidung war für uns nur logisch. Nicolas ist gelernter Rückraumspieler und hat eine enorme Wurfkraft. Wir wollten ihm die Möglichkeit geben, auf seiner Position zu zeigen, was in ihm steckt. Natürlich war da gerade in der Anfangsphase noch der eine oder andere technische Fehler zu viel, aber mit jeder Minute wurde er sicherer.

Etwas, das häufig fehlte, war der Gegenstoß. In Eggenstein waren es sechs Kontertore und auch die Außen haben wieder getroffen. Wurde dafür besonders trainiert?

Dubois: Nein. Ich denke, dass das Konterspiel in erster Linie mit einer geistigen Frische, die Situation zu erkennen, zusammenhängt. Wir hatten die letzten Wochen einfach eine Blockade im Kopf.

Überraschend war auch, dass der A-Jugendspieler Marco Hindenberger zum ersten Mal im Rückraum eingesetzt wurde.

Dubois: Marco bringt trotz seiner Jugend ein hohes Maß an Handballintelligenz mit und ist enorm ballsicher. Er spielt in der A-Jugend-Badenliga auf der Mitte und braucht auch im Herrenbereich Einsatzzeiten, um sich zu entwickeln.

Der Verein hat Sie beide als Trainergespann vorgestellt. Wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Erny: Wir sehen uns als absolut gleichberechtigt. Wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam nach dem Vier-Augen-Prinzip. Wir hatten in Frank Schmiedels Trainerteam einen ähnlichen Status und es wäre schwierig gewesen, hier eine Hierarchie festzulegen. So etwas muss sich entwickeln. Ich bin mir sicher, wir werden uns diesbezüglich einig sein.

Herr Dubois, Sie sind noch als Spieler aktiv, standen aber zuletzt nicht auf dem Feld. Wie wird sich das entwickeln?

Dubois: Ich gehöre noch nicht zum alten Eisen. Die letzten Wochen konnte ich wegen einer Verletzung und einer Bronchitis nicht trainieren und dementsprechend auch nicht spielen. Wie ich die Rolle als spielender Trainer umsetzen werde, werden wir in den nächsten Wochen sehen. Ich denke aber, dass man mich vermehrt auf der Mitte sehen wird.

Der Verein sprach davon, dass es sich nicht um eine Interimslösung handelt. Wurden schon Gespräche über die Zukunft mit Ihnen geführt?

Erny: Wir konzentrieren uns auf das nächste Spiel. Der Klassenerhalt hat absolute Priorität. Über die nächste Runde werden wir uns vor der Weihnachtspause definitiv keine Gedanken machen. Machen wir unsere Aufgabe gut, wird der Verein von selbst auf uns zukommen.