Haus und Garten

Alle Jahre wieder

Archivartikel

Blattläuse treten gerade im Frühling vermehrt auf. Vielen Gärtnern sind sie ein Graus. Die winzigen Läuse zu vernichten, ist ein schier unmögliches Vorhaben – und auch erst einmal gar nicht empfehlenswert. Denn die Natur reguliert sich oft selbst.

Sprießt das erste Grün wieder im Garten, schlüpfen sie aus ihren Verstecken und aus den Eiern: Blattläuse machen Pflanzen vor allem im Frühling zu schaffen. Doch Blattlaus ist nicht gleich Blattlaus. „In Deutschland bilden die Röhrenläuse mit mehr als 600 Arten die größte Gruppe. Sie unterscheiden sich beispielsweise in der Farbe oder Wirtschaftspflanze“, sagt Marja Rottleb, Gartenexpertin beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). „Aber auch Schildläuse, Wollläuse und Blattflöhe gehören zur Gruppe der Pflanzenläuse.“

Blattläuse gibt es in Grün, Gelb, Rot und Schwarz. Sie saugen den Pflanzensaft aus Petersilie und Erbsen, Rosen und Apfelbäumen. Hinter der Wahllosigkeit steckt ein Muster: „Läuse sind immer ein Zeichen dafür, dass eine Pflanze schwächelt“, erklärt Olaf Beier vom Bundesverband Einzelhandelsgärtner.

Der Grund dafür kann vielfältig sein: Die Pflanze steht zu dunkel, zu warm oder zu trocken. Die Folge: Die Zellstruktur wird weich, und die Blattläuse können die Pflanzenhaut leicht durchstechen. Auch Düngung kann eine Ursache dafür sein, dass eine Pflanze schlapp macht – insbesondere, wenn sie zu viel Stickstoff und zu wenig Kalium bekommt. „Kalium kräftigt die Zellwände und macht sie widerstandsfähiger. Zu viel Stickstoff ist eher kontraproduktiv und macht die Zellen weich“, erläutert Beier.

Im Frühjahr genauer hinsehen

Da weiche Pflanzenteile ihnen einen einfachen Zugang zum Pflanzensaft bieten, sind Blattläuse im Frühjahr besonders an jungen Trieben und Blättern, aber auch auf Knospen und Blüten zu finden. Krümmen sie sich oder sehen verkrüppelt aus, gilt es genauer hinzusehen. Auch eine klebrige, silbrig glänzende Schicht auf der Blattoberfläche ist verdächtig.

„Den Honigtau scheiden die Blattläuse aus, nachdem sie den Pflanzensaft durch ihren Körper gefiltert haben“, sagt Beier. Durch das Aussaugen des Pflanzensaftes schwächen Blattläuse die Pflanzen nicht nur, sondern können auch Krankheiten übertragen. „Blattläuse sind Überträger Nummer eins, wenn es um Viren und Krankheiten geht“, sagt Gärtnermeister René Wadas, der sich selbst als „Pflanzenarzt“ betitelt. Je nach Wirtspflanze können bestimmte Arten beispielsweise den Tomatenmosikvirus oder Baumkrebs übertragen.

Ruß- oder Schwarzpilze gehören zu den am weitesten verbreiteten Problemen, die Blattläuse verursachen können. Die Pilze siedeln sich auf dem Honigtau an, zersetzen den darin enthaltenen Zucker und überziehen nach und nach das Blatt mit einer schwarzen Schicht, die an Kohlestaub erinnert. „Breitet sich diese Schicht über alle Blätter aus, kann die Pflanze keine Photosynthese mehr betreiben, wodurch sie zusätzlich geschwächt wird“, erklärt Beier.

Dennoch empfehlen die Fachleute, nicht gleich bei der ersten Blattlaus in Panik zu verfallen. „Meisen, Marienkäfer, Florfliegen und viele andere Tiere ernähren sich von Blattläusen. Daher sollte man zunächst abwarten, ob die Fressfeinde den Bestand regulieren“, sagt Rottleb. Auch Wadas rät dazu, erst einzuschreiten, wenn die Läuse so sehr überhand nehmen, dass sie der Pflanze offensichtlich schaden. „Die Pflanze zeigt einem an, wenn man einschreiten muss“, ist er überzeugt.

Lässt sie die Blätter hängen, verfärben sich diese schwarz oder ist das Gewächs vor lauter Blattläusen kaum noch zu erkennen – das sind für Wadas entscheidende Kriterien. „Die Blattläuse sollte man dann aber nicht mit der chemischen Keule vollständig vernichten. Auch eher harmlose Hausmittel wie Milch oder Rapsöl können helfen, Blattläuse zu reduzieren.“ Sein Tipp: Zehn Milliliter Rapsöl und einem Spritzer Spülmittel mit warmen Wasser vermischen und aufsprühen.

Olaf Beier setzt ebenfalls auf natürliche Ölpräparate, wenn die Pflanze diese verträgt. „Unter der Ölschicht ersticken Blattläuse, und auch Schildläuse und Wollläuse wird man damit los“, erklärt der Vorsitzende des Bundesverbands Einzelhandelsgärtner. Bei grünen Blattläusen kann auch Seifenlauge helfen. „Die Lauge wäscht den Läusen die Fettschicht vom Körper, wodurch sie in der Sonne austrocknen.“

Rottleb empfiehlt, Seifenlauge eher sparsam einzusetzen. „Seifenlauge schädigt auch Nützlinge wie Florfliegen und zerstört irgendwann auch den Boden.“ Ihr Tipp: die Blattläuse zunächst mit Hilfe eines Pinsels, einer Zahnbürste oder Wasser entfernen. Später kann man neben Pflanzenöl auch einen Sud aus Rainfarn oder Efeu ansetzen und diesen aufbringen. „Eine Brühe aus Ackerschachtelhalm und ein Sud aus Brennnesseln stärken die Pflanzen zusätzlich“, erklärt die Expertin.

„Man muss Geduld haben“

Damit die natürlichen Mittel auch ihre Wirkung entfalten, gilt es, sie mehr als einmal einzusetzen. „Man muss Geduld haben“, sagt Wadas. „Je häufiger man sie anwendet, desto besser helfen sie.“ Auch Mischkultur im Garten kann sich in einigen Fällen als nützlich erweisen. So gibt es Pflanzen wie Schneeball oder Kapuzinerkresse, die Blattläuse besonders anziehen. „Diese Eigenschaft kann man sich zunutze machen, indem man zum Beispiel den Fuß eines Apfelbaumes mit Kapuzinerkresse bepflanzt. Die Blattläuse befallen dann zwar die Kapuzinerkresse, lassen dafür aber den Apfel in Ruhe.“ Es gibt aber auch Hausmittel, von denen der Pflanzenarzt entschieden abrät. Einen Tabaksud zum Beispiel. „Nikotin ist hochgiftig und schadet den Pflanzen.“ Auch von Spiritus sollte man seiner Ansicht nach die Finger lassen. „Das ist, wie mit Kanonen auf Spatzen schießen“, sagt Wadas.