Haus und Garten

Bunter Lichtblick im Winter

Wenn Kinder Blumen zeichnen, könnten es Primeln sein: Die Blüten sind farbenfroh mit einem strahlend gelben Auge in der Mitte. Die Pflanzen gehören zu den ersten des Jahres, die sich wieder in all ihrer Farbigkeit zeigen.

Irgendwann im langen und dunklen Winter kommt die Sehnsucht nach etwas Farbe im Garten. Da wünschen wir uns einen fröhlichen Anblick. Diese Wirkung haben Primeln, findet Martin Nickol, Kustos des Botanischen Gartens der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Für ihn ein Grund, warum die Winterblüher so beliebt sind.

Die Blüten der Kissenprimeln (Primula Vulgaris-Hybriden) sind farbenfroh, mit einem gelben Auge in der Mitte. „So entsteht ein klarer Kontrast zu der noch schlafenden Natur“, sagt Nickol.

Die Primel ist einer der ersten Frühblüher des Jahres – und das trägt sie auch im Namen: Primula heißt die Pflanze botanisch, die Erste. Ab Januar ist die Primel bereits im Handel zu finden, die Blütezeit beginnt im Februar und reicht bis ins Frühjahr hinein.

„Die im Handel angebotenen Pflanzen werden vorgetrieben“, erklärt der Gartenkustos. Das bedeutet, dass die Töpfe vor Frost geschützt in Gewächshäusern heranwachsen und beim Verkauf schon weiter entwickelt sind als eigentlich von Natur aus möglich. Das heißt aber auch: Sie sind frostempfindlich.

Die Gärtnerin Ingrid Franzen aus Herten in Nordrhein-Westfalen empfiehlt daher, Primeln an einen etwas geschützten Standort auf Balkon und Terrasse zu stellen. Bei starkem Frost muss man dann die Gefäße an die Hauswand rücken und mit Vlies abdecken.

Kühles Nordzimmer optimal

Das geheizte Wohnzimmer ist aber auch kein optimaler Standort für die Pflanzen. „Ein kühles Nordzimmer mit Temperaturen um 15 Grad ist wesentlich besser als ein Südzimmer mit 23 Grad“, rät Nickol. Vor allem in der Nacht sollte man die Pflanzen etwas kühler stellen, zum Beispiel in den Flur.

Bei der Standortwahl für die Primeln im Freien sollte man sich an den Bedingungen orientieren, die die natürlichen Standorte der Wildarten bieten. Das ist ein frischer Boden mit viel Humus, meist sonnige bis halbschattige Plätze im Wald oder am Waldrand.

Für die Kissenprimeln bedeutet das, dass sie auch ein lockeres, humoses und durchlässiges Substrat benötigen. „Für die Pflege ist es das A und O, dass die Kissenprimeln nicht austrocknen, aber auch keine Staunässe haben“, erklärt Nickol. Er rät deshalb auch, nach dem Gießen überschüssiges Wasser aus dem Übertopf zu entfernen.

Alternativ kann man die Pflanztöpfe in handwarmes Wasser tauchen, bis sich das Substrat vollgesaugt hat. Anschließend lässt man die Gefäße abtropfen und stellt sie zurück in den Übertopf.

Nickols extra Tipp: „Damit sich viele Blüten in der Mitte der Blattrosette bilden, knipst man die welken Blütenstände vorsichtig aus.“ Dabei sollte man aber vorbeugend Handschuhe tragen, denn die Blätter der Primeln enthalten Stoffe, die zu Reizungen führen können.

Als Partner für die Kissenprimeln empfiehlt die Gärtnerin Franzen die ebenfalls früh erblühenden Zwiebelpflanzen wie Tête-à-Tête-Narzissen, Traubenhyazinthen und Hyazinthen. „Im Frühling kann man die Farben bunt mischen, damit eine fröhliche Stimmung aufkommt“, lautet ihr Rat. Außerdem kombiniere sie gerne rote oder weiße Tausendschön sowie Hornveilchen mit den Primeln.

Ausgedehnter Blumenteppich

Eine Alternative für den Topf zu den Kissenprimeln sind die Aurikel (Primula auricula), von denen es ebenfalls eine Vielzahl an Hybriden gibt. Die Staude hat feste Blätter und reagiert empfindlich auf Nässe. Züchter kultivieren die Pflanzen daher meist in Tontöpfen an geschützten Orten. Die Gefäße sollten schmal und hoch sein, damit sich die Pfahlwurzel, aus der die Blattrosette und der Blütenstiel wachsen, gut entfalten kann.

Neben den bunten Topf-Varianten gibt es auch einige winterharte Hybriden der Kissenprimeln, die im Garten meist ausgedehnte Teppiche bilden können. Dieser Teppich entsteht und bleibt aber nur dauerhaft erhalten, wenn man diese Garten-Primeln alle drei bis vier Jahre nach der Blüte ausgräbt. Dann werden die Rosetten geteilt und mit etwas Abstand zueinander wieder eingesetzt.

Eine weitere Alternative direkt zum Einsetzen im Gartenboden ist die Rosenprimel (Primula rosea), die im März erblüht. Diese Art mit pinkfarbener Blüte, die auf einem bis zu 15 Zentimeter hohen Schaft vor den Blättern austreibt, stammt aus dem Himalaya, wo sie feuchte Wiesen besiedelt.

Eine erst spät von Juni bis Juli erblühende Primel ist die Orchideenprimel (Primula vialii) – und für Experte Nickol „die auffälligste“. Die Art aus China hat eine langgestreckte Blütenähre auf einem kräftigen Stiel, der an den Blütenstand der zu den Orchideen zählenden Knabenkräuter erinnert.

Ihr kegelförmiger Blütenkelch und die Tragblätter sind knallrot. Aufgeblüht sind die Blüten dann fliederfarben – was gerade bei einer teilweisen Blüte einen intensiven Kontrast ergibt. Die Staude ist eher kurzlebig und braucht einen feuchten, halbschattigen Standort.

Ebenfalls in den Sommermonaten zeigen sich die Etagenprimeln. „Primula beesiana und bulleyana blühen bis in den Juli mit purpurroten beziehungsweise orangegelben Blüten, die in Etagen an den kräftigen Stängeln angeordnet sind“, sagt Nickol. Im frischen Boden des Halbschattens passen sie gut zwischen das Blattspiel von Funkien, Taglilien und Frauenmantel. dpa-tmn