Haus und Garten

Das Schwergewicht im Garten

Archivartikel

Es heißt, nichts wächst so schnell und so stark wie Unkraut. Das stimmt nicht! Eines dieser Wunder an besonderer Wuchskraft ist eine der schönsten Zierpflanzen im Garten: der Blauregen. Das macht die Schlingpflanze jedoch zur Gefahr für Häuser.

Auch wer den Blauregen bisher noch nie gesehen hat, kann ihn im Frühling mühelos ausmachen: Die Kletterpflanze schiebt aus den zunächst wenige Zentimeter großen Knospen traubige Blütenstände, die wie fließende Kaskaden in strahlendem Blau nach unten hängen. Es hängt von der Art und der Sorte ab, wie lang diese Blütentrauben werden. „Die längsten Blütentrauben bildet die Sorte Macrobotrys“, erklärt Oliver Fink, Vorsitzender des Verbands der Garten-Baumschulen in Haan in Nordrhein-Westfalen. Ihre Blütentrauben werden bis zu einem halben Meter lang.

Diese Sorte gehört zu der Art Wisteria floribunda, bekannt als Japanischer Blauregen. Die zweite im Handel erhältliche Art ist der Chinesische Blauregen (Wisteria sinensis). „Häufig unterscheidet man die beiden Arten danach, wie sich die Sprossachsen schlingen“, erläutert Fink. Die aus China stammende Art windet sich links herum, die aus Japan dagegen rechts herum.

Der Japanische Blauregen hat außerdem längere Blütenstände und größere Einzelblüten. „Sie blüht auch früher“, sagt Gärtnermeister Fink. Das ist zunächst einmal schön, denn der Garten ist in dieser Zeit in der Regel noch recht kahl. Da es im Frühling aber immer mal wieder starke Witterungsschwankungen gibt und Spätfröste keine Seltenheit sind, sollte auf eine geschützte Lage geachtet werden. Der Japanische Blauregen klettert bis zu zehn Meter hoch, der Chinesische kann gut und gerne bis zu 30 Meter in die Höhe wachsen.

Viele japanische Sorten

Die meisten Sorten werden dem Japanischen Blauregen zugeordnet. Sie erblühen nicht immer blau: Die Sorte Alba ist zum Beispiel weiß, Rosea trägt rosafarbene Blüten. Neben der prächtigen Sorte Macrobotrys empfiehlt Fink unter den blau blühenden auch noch Issai. Mitunter finde sie sich im Handel auch unter dem Namen Issai Perfect, ergänzt der Baumschulmeister. Seine Tipps für den Chinesischen Wisteria: die blau blühende Prolific.

Grundsätzlich braucht Blauregen einen sonnigen, geschützten Standort auf nährstoffreichem, durchlässigem Boden. Vor allem aber braucht er einen stabilen Partner an seiner Seite: „Wisterien zählen zu den größten und schwersten Kletterpflanzen“, erklärt Thorwald Brandwein von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) und Hersteller von Kletterhilfen für Fassadenbegrünung.

Die FLL hat in ihren Regelwerken und Richtlinien für den Blauregen sogar eine eigene Lastklasse, da sie erheblich schwerer ist als andere Pflanzen zur Fassadenbegrünung. „Zum einen wachsen Wisterien besonders hoch, und zum anderen bilden sie dickes Holz“, so Brandwein.

Bei der Pflanzung sollte daher auch beachtet werden, dass die Kletterhilfe ausreichend Abstand zur Wand hat – er sollte nicht kleiner als 15 Zentimeter sein. Die Pflanze selbst sollte mindestens 50 bis 60 Zentimeter von der Wand gesetzt werden, damit der Stamm nicht gegen diese drücken wird. Außerdem steht der Blauregen so auch nicht im Regenschatten des Dachüberstands und wird ausreichend mit Niederschlag versorgt.

„Auf den ersten zwei Metern über dem Boden sollte Wisteria keine Kletterhilfe haben“, ergänzt Brandwein. Dieser untere Bereich sollte im Jugendstadium auch in S- oder Spiral-Form geführt werden. „So kann die im Laufe des Wachstums entstehende Zugspannung zwischen Boden und Kletterhilfe abgefedert werden.“

Auf die Statik achten

Ein weiterer Tipp: Die Pflanze wächst besser nicht in der Nähe von sensiblen Bauteilen wie Dachrinnen, Fallrohren und in Seilen geführten Außenjalousien. Da die Schlingpflanze bevorzugt senkrecht in die Höhe wächst, rät Brandwein: „Es ist vorteilhaft, wenn man dafür sorgt, dass sich die Triebe horizontal ausbreiten können.“ Außerdem bilden sich die Blüten vorwiegend an den horizontalen Trieben. Leiten sollte man die Triebe in den ersten Jahren auch so, dass sie sich nicht wirr ineinander verwachsen. Das würde die Statik der Pflanze beeinflussen, sagt Gehölzexperte Fink.

Das starke Wachstum macht den Blauregen zu einer pflegeintensiven Gartenpflanze. Sie muss von ihrem Besitzer umsorgt und unter Umständen geschnitten werden: „Wenn man die Pflanzen einfach wachsen lässt und sie nicht beobachtet, richten die Pflanzen erhebliche Schäden an Kletterhilfen, Gebäuden und Pergolen an“, betont Brandwein. Diese Schäden seien aber immer Probleme der Verwahrlosung, da sie erst nach Jahren auftreten.

Wer es richtig machen will, muss die langen Triebe mehrfach im Jahr bis auf wenige Knospen zurückschneiden, idealerweise vor der Blüte das erste Mal. „Man erkennt die Blütenknospen leicht, weil sie bereits deutlich dicker sind als die reinen Blattknospen“, erklärt Fink. Anschließend wird bis August zweimal die Schere angesetzt, es bleiben dann immer nur wenige Starktriebe stehen. „Im Herbst, wenn das gefiederte Laub abgefallen ist, muss die Pflanze komplett kontrolliert werden“, so Brandwein. Er rät, dann in Problembereichen entweder die Schere anzusetzen oder die Triebe abzuwickeln und neu aufzuleiten.