Haus und Garten

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Die Beeren sind los

Die typischen immergrünen Hecken haben einen Vorteil, der zugleich ein Nachteil ist: Sie sehen fast immer gleich aus. Dabei ist der Wandel der Pflanzen im Verlauf der Jahreszeiten etwas Besonderes: Woche um Woche verändert sich die Optik ein wenig. Das lässt sich gerade an Wildobst-Gewächsen betrachten – die als Hecke gepflanzt nicht nur dem Menschen einen Mehrwert bieten. Sondern vor allem auch der heimischen Tierwelt. „Wildobsthecken sind ein guter Nistplatz und Unterschlupf für Insekten, Vögel, Kleinsäuger und Nagetiere“, erklärt Sandra von Rekowski vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde.

Für den Menschen ist eher die Ernte wichtig: Wildobst ist ein Sammelbegriff für die Früchte wild wachsender und oft, aber nicht ausschließlich heimischer Pflanzen. Viele davon sind essbar. Die Früchte liefern unter anderem wertvolle Mineralstoffe und Vitamine. Es gibt Naschfrüchte, die direkt vom Strauch im rohen Zustand verzehrt werden können – etwa Lenz- und Heidelbeeren sowie Korea-Kirsche. Die Früchte von Kornelkirsche, Schwarzer Holunder, Eberesche und Sanddorn müssen erst verarbeitet werden. Damit lange Zeit im Garten etwas blüht und später die Ernte entsprechend ausreichend ist, empfiehlt Marja Rottleb vom Naturschutzbund Deutschland etwa diese Pflanzkombination: „Den Anfang macht im Februar die Kornelkirsche, ihr folgen im März die Schlehe und im April die Vogelkirsche.“ Im Mai erblühen dann die Vogelbeere, der Eingriffelige Weißdorn und Himbeeren, im Juni folgt dann der Schwarze Holunder.

Da gerade in kleinen Gärten die Hecke nicht zu ausladend werden darf, ist die Schnittverträglichkeit der Pflanzen wichtig. Gut geeignet sind dafür Schwarzer Holunder und die Kornelkirsche. „Letztere können allerdings je nach Sorte bis zu sechs Meter hoch werden“, warnt Gartenbau-Ingenieurin von Rekowski. Darüber hinaus empfiehlt sie für kleine Grundstücke Lenz- oder Honigbeere , Schwarze Apfelbeere sowie die Korea- oder Filzkirsche. Auch die schwachwüchsige Japanische Zierquitte und die Vierbeere – eine anspruchslose Variante der Johannisbeere – bieten sich an. Schlehe, Holunder und Kornelkirsche hingegen eignen sich eher für große Gärten – und brauchen dann eigentlich keinen Schnitt. Trotzdem gibt Petra Müller von der Gesellschaft zur Förderung von Sanddorn und Wildobst grünes Licht für die Schere - denn „alle Wildobstgehölze sind schnittverträglich“. Es reiche aber, sie alle vier bis fünf Jahre ein wenig auszulichten. Diese Arbeit wird im Winter vorgenommen. Dabei wird kein klassischer Heckenschnitt zur Formung gemacht, vielmehr werden die älteren Triebe kurz über dem Boden entfernt, damit die jüngeren mehr Platz zum Wachsen haben. Darüber hinaus benötigen alle Wildobst-Gewächse keine spezielle Pflege. Gaben mit organischem Mehrnährstoff-Dünger seien jedoch sinnvoll, so Müller.

Die beste Pflanzzeit für eine neue Wildobsthecke ist der Herbst. „Die Sträucher können so die sommerliche Restwärme im Boden effektiv nutzen und setzen sogleich neue Wurzeln an“, erklärt Christoph Hau vom Bund deutscher Baumschulen. So kommen die Gehölze gut durch den Winter und können im Frühjahr einen idealen Start hinlegen. Natürlich sei auch im Frühjahr eine Pflanzung möglich, ergänzt Hau. Dann muss aber den Sommer über kontinuierlich gewässert werden, sonst kommt es zu Trockenschäden. „Eine Wildobsthecke wird, sofern sie beerntet werden soll, nicht wie eine klassische Hecke in Reihe gepflanzt“, erläutert Müller. Sie empfiehlt, jede zweite Pflanze etwas zu versetzen, so dass sich ein Art Zickzack-Muster ergibt. Der Pflanzabstand zwischen den Gehölzen richtet sich nach der Wuchsleistung der jeweiligen Wildobstart. Experte Hau rät grundsätzlich zu etwa einem Meter. Es gibt aber Ausnahmen: Müller empfiehlt für die Kornelkirsche immer rund zwei bis drei Meter Abstand zu anderen Gehölzen, da sie nach einer langsameren Anfangsphase ordentlich an Masse zulegt.