Haus und Garten

Die Strukturgeber

Immergrüne Sträucher und Bäume sorgen dafür, dass der Garten im Winter nicht zu kahl wird. Gestaltungsmöglichkeiten bieten sie jedoch das ganze Jahr über. Die Mehrzahl der Pflanzen blüht – und versorgt Insekten mit Nahrung.

Immergrüne Sträucher und Bäume sind das Gerüst eines Gartens – gerade im Winter. Aber auch in den anderen Jahreszeiten sind sie der Ankerpunkt für die komplette Gartengestaltung. Sie strukturieren, und sie verbinden.

Genauer gesagt: Immergrüne Gehölze mit einem klaren Wuchs geben dem Grundstück ordnende Linien und damit eine Grundstruktur – gerade auch jene, die sich gut in Formen schneiden lassen. Immergrüne Bodendecker als eine gleichmäßige Struktur sorgen zudem optisch im Garten für Ruhe.

Aber: „Zu viel Immergrünes lässt den Garten statisch wirken“, ergänzt die Gartenbau-Ingenieurin Corina Steffl aus Übersee in Bayern. Auch wenn man es mit den Prozentzahlen nicht so genau nehmen sollte, als Anhaltspunkt nennt sie einen Anteil von etwa zehn Prozent, den Stauden und Gehölze an der Gesamtbepflanzung im Garten einnehmen sollten. So erreicht man eine gute Mischung aus den strukturgebenden Elementen, die angereichert werden mit Farben und Formen der anderen Pflanzen.

Mehr als nur Kirschlorbeer

Aber auch die verschiedenen Immergrünen haben eine Vielfalt, die man als Gartenbesitzer nutzen sollte. Oft beschränkt sich die Auswahl auf die beliebten Vertreter Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus), Eibe (Taxus baccata) und Buchsbaum (Buxus sempervirens) – wenn auch letzterer wegen seiner Anfälligkeit für diverse Pilzkrankheiten und Schädlinge mittlerweile deutlich weniger gepflanzt wird.

Doch es gibt noch viel mehr Immergrüne: Landschaftsarchitektin Brigitte Röde aus Köln schwärmt beispielsweise von einem Berberitzengewächs mit dem poetischen Namen Heiliger Bambus (Nandina domestica).

„Im Frühjahr treibt er orangefarben aus, und aus den weißen Blüten werden rote Früchte“, beschreibt Röde diesen mit ein bis zwei Metern eher kleinbleibenden Strauch. Zum Herbst färbt der Heilige Bambus sein Blattwerk nochmals orange, lässt es aber nicht fallen.

„Bei der Auswahl muss man auch berücksichtigen, dass die immergrünen Laubstrukturen zueinander passen“, rät Röde. Es sollte eine Mischung aus gleichen Strukturen für den Zusammenhalt, aber zugleich auch mit ausreichenden Unterschieden für etwas Abwechslung geben.

Eine gute Kombination bildet für die Landschaftsarchitektin die Immergrüne Magnolie (Magnolia grandiflora) mit der Säuleneibe (Taxus baccata). Der jeweilige tief dunkelgrüne Ton ihres Laubes harmoniert miteinander – das schafft Gemeinsamkeit und Verbindung. Der Wuchs bildet hingegen einen spannenden Kontrast. „Die breite Krone der Magnolie schafft das Gefühl von Geborgenheit, während die säulenförmige Eibe eine architektonische Struktur ins Spiel bringt“, beschreibt Röde.

Auch mit den Blattfarben lässt sich spielen – denn nicht jeder Immergrüne ist wirklich grün: Der Heilige Bambus ist zeitweise orange, der Wollziest (Stachys) zum Beispiel ist silbrig-grün. Diese „bunten“ Formen erkennt man im Handel meist am Sortennamen: „Steckt ,Aureus’ oder ,Golden’ im Namen sind die Blätter goldgelb“, führt Steffl aus. Blaugraues Laub erkenne man an der Bezeichnung „Glauca“ und weiß-grün gemusterte Blätter an der Bezeichnung „Variegata“.

Die Wirkung der Immergrünen, ob sie dominanter oder zurückhaltender in Erscheinung treten, hängt gerade im Winter auch von der üblichen Gartenpflege ab. Denn viele Hobbygärtner schneiden zum Winteranfang die laubabwerfenden Gehölze stark zurück, sagt Röde. Dadurch treten die Immergrünen deutlich in den Vordergrund. Wird das Astgerüst mit etwas mehr Fingerspitzengefühl nur ausgelichtet und verjüngt, bekommt das Grün einen dezenteren Auftritt. Auch das kann schön wirken.

Blüten und Früchte

Immergrüne haben – außer im Winter – oft einen schweren Stand bei Gartenbesitzern, denn ihr Blattkleid erfährt kaum bis keine Veränderungen über den Jahresverlauf. Es wäre jedoch falsch, die Pflanzen auch nur darauf zu reduzieren: „Die Mehrzahl der immergrünen Pflanzen blüht und bildet Früchte“, sagt Steffl.

„Die meisten Immergrünen blühen sogar früh im Jahr“, ergänzt Röde. Ein Beispiel ist die Duft-Fleischbeere (Sarcococca humilis), die die Gartenarchitektin als Alternative zum Buchs empfiehlt: „Der kniehohe Strauch blüht im Winter und verbreitet einen enormen Duft.“ Solche frühen Blühzeiten machen Immergrüne auch so wertvoll für die Natur, denn das schließt Versorgungslücken für Insekten. Beispiele dafür sind das Kleine Immergrün (Vinca minor), die Christ- beziehungsweise Lenzrosen (Helleborus niger, H. x hybridus) und auch eine mit dem Borretsch verwandte Staude, der Rauling (Trachystemon orientalis).

Gerade letzterer hat es Steffl auch aus einem weiteren Grund angetan: „Wenn man im Winter mal das Laub anhebt, stellt man schnell fest, dass es die Bettdecke für Insekten ist, die sich darunter in großer Zahl zurückgezogen haben.“

Auch ein alt bekannter Immergrüner ist übrigens besonders wertvoll für die Natur: Etwas ältere Efeu-Pflanzen (Hedera helix) blühen im Spätherbst und bilden anschließend blauschwarze Beeren. Im Herbst summt es dann auch mächtig im dichten Grün, weil die Insekten dort noch spät reichlich Pollen angeboten bekommen. dpa-tmn