Haus und Garten

Finanzen Auf lange Sicht rechnet es sich unter Umständen, eine Immobilie zu erwerben / Experten geben Tipps zur Abwägung

Kaufen oder Mieten – was lohnt sich?

Berlin.Für die meisten Menschen ist der Kauf eines Eigenheims die größte Investition ihres Lebens. Das Projekt bedeutet Schulden über Jahrzehnte hinweg, auch wenn die Zinsen niedrig sind und der Baukredit von der Bank billig. Auf der anderen Seite stehen hohe Immobilienpreise. Vor dem Umzug ins Eigentum steht deshalb die Überlegung an, ob die Familie mit dem Traumhaus finanziell besser dasteht als mit dem Wohnen zur Miete.

Zu berücksichtigen sind unter anderem Einkommen, Kreditkonditionen, Eigenkapital und schließlich der mögliche Preis für die eigenen vier Wände sowie die bisherige Miete. Mit diesen Angaben arbeiten auch Immobilienprofis. Sie stellen Kaufpreis und Miete gegenüber, um das Kaufpreis-Miete-Verhältnis zu ermitteln.

Besondere Situation in Städten

Es liefert einen wichtigen Hinweis darauf, ob sich das beabsichtigte Investment rentiert. Selbstnutzern hilft die Kennziffer, die monatliche Belastung und damit die Erschwinglichkeit der Immobilie abzuschätzen. „Je kleiner das Verhältnis von Kaufpreis zu Miete, desto besser“, erläutert Jörg Sahr von der Zeitschrift „Finanztest“.

Die Berechnung basiert auf der Jahreskaltmiete, zum Beispiel 9600 Euro (zwölf mal 800 Euro). Der Kaufpreis, angenommen 200 000 Euro, wird durch die 9600 Euro geteilt. Im Beispiel ergibt sich ein Faktor von fast 21: Der angehende Eigentümer müsste nahezu 21 Jahre lang 9600 Euro Kaltmiete zahlen, bis der Kaufpreis für eine Wohnung erreicht ist. Verglichen werden Objekte ähnlicher Größe und Ausstattung. Miet- und Kaufnebenkosten bleiben außen vor. Faktoren um die 20 geben einen ersten Hinweis, dass Kaufen besser sein kann als Mieten. „Das 20- bis 22-fache der Jahresmiete ist für Selbstnutzer ein guter Indikator, dass sie sich die Immobilie leisten können“, sagt Sahr. Die finanzielle Belastung durch den Erwerb der eigenen vier Wände läge dann kaum oder wenig mehr über der Miete.

In Städten ist Sahr zufolge die Relation von Kaufpreis zu Miete vielfach schlechter als in ländlichen Regionen. Vor allem in Städten wie Berlin, Hamburg, München und Frankfurt sowie in Unistädten wird das 25-fache oder deutlich mehr verlangt. Für Selbstnutzer ist das kritisch, weil sie für Wohneigentum monatlich merklich tiefer in die Tasche greifen müssen. „Das lohnt dann fast nicht mehr“, sagt Sahr.

Mit festen Raten kalkulieren

Spätestens mit Rentenbeginn sollte der Wohnkredit getilgt sein. Dieses Ziel ist mit einem Faktor von beispielsweise 30 kaum zu schaffen. Wer mit 40 ein Haus erwirbt, hätte 30 Jahreskaltmieten aufzubringen und wäre 70 Jahre alt, bis die Immobilie schuldenfrei ist. „Ab einem gewissen Alter ist der Kauf zu einem hohen Faktor nicht mehr überschaubar“, meint Katja Meqdam, Projektleiterin Wohnen beim Immobilienberater Bulwiengesa in München. Ein besonders niedriger Faktor wiederum sollte misstrauisch machen. Er deutet auf Mängel des Objekts oder auf eine Abwanderungsgegend hin.

Langfristig stehen Käufer nach Sahrs Ansicht besser da. Sie könnten während der Kreditlaufzeit mit festen Raten kalkulieren und hätten Planungssicherheit, während Mieter mit Mieterhöhungen rechnen müssten. Ist die Immobilie abbezahlt, falle noch das Hausgeld an, das in der Regel unter den Ausgaben fürs Wohnen liegt. Dass Mieter erst einmal die Nase vorne haben, liegt an den Kaufnebenkosten. Diese müssen Erwerber aus Eigenmitteln stemmen. Das drückt auf das Budget.

Der Verband der Pfandbriefbanken legt die durchschnittliche Kreditsumme von 200 000 Euro für eine Eigentumswohnung zugrunde. Würde dieses Darlehen mit zwei Prozent verzinst und mit vier Prozent getilgt, käme pro Monat eine Belastung von 1000 Euro heraus (200 000 mal sechs Prozent = 12 000 Euro pro Jahr, geteilt durch zwölf Monate). Bei einer Kaltmiete in gleicher Höhe rechne sich das Erwerben unter dem Strich.