Haus und Garten

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Kleine Kissen als große Stars

Archivartikel

Nicht der große Esstisch oder das Sofa setzen in diesem Jahr die Trends. Es sind die KLEINEN KISSEN auf der Couch, die schon jetzt ankündigen, was auf die heimische Gemütlichkeit zukommt. Eckige Kanten sind weniger gefragt, und die Kissen liegen auf großen, weichen Sofas - Formen, die für ENTSCHLEUNIGUNG statt Hektik und Stress stehen.

Die Messesaison der Einrichtungsbranche hat begonnen. Hersteller zeigten vor einigen Wochen bereits in Köln auf einer der wichtigsten Leitmessen, der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne, ihre neuesten Ideen für Möbel, Küchengeräte, aber auch Teppichböden, Vorhänge und Tapeten.

Man könnte nach dem Comeback der Gemütlichkeit im vergangenen Jahr nun schon von der Gemütlichkeit 2.1 sprechen. Aber man kann auch einfach sagen, hierbei handelt es sich nicht um einen Trend, der nach einer Saison wieder weg ist. Sondern um einen Megatrend, wie das Messesprecher Markus Majerus ausdrückt. Und um etwas, das uns noch eine Weile erhalten bleiben wird.

Wenn Einrichtungsexperten wie Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie von Gemütlichkeit sprechen, meinen sie ein Lebensgefühl. Der Mensch wolle zu Hause durchatmen können, sich zurückziehen von Stress und Hektik des Alltags, von einer Außenwelt, die sich durch die Kommunikation im Internet immer schneller zu drehen scheint, erklärt Geismann. "Man sagt sich: Ich will eine Welt, die anders ist als die da draußen." Entschleunigung zu Hause ist das Zauberwort.

Und das schafft sich der Mensch, indem er sich nicht einfach nur so einrichtet, wie er es gerne mag. Sondern er legt betont Wert auf Details bei Möbelformen und -eigenschaften, die nicht für Härte, schweren Alltag und Hektik stehen. Farben und Stoffe verstärken das Gemütlichkeitsgefühl. Wie das aussieht? Statt Möbel mit eckigen Kanten sind nun eher runde Formen gefragt. Kuschelige, warme Stoffe wie Strick sind wichtig, Holz auch. Und ganz wichtig sind dicke, große, weiche Sofas und darauf möglichst viele, viele Kissen, berichtet Geismann.

Aber wenn sich auf Messen Trends etablieren, kündigen sich immer schon die nächsten an. Erste Anzeichen dafür zeigen sich zum Beispiel auf den gemütlichen Sofakissen, erklärt Farbenexperte Prof. Axel Venn aus Berlin. Die neuen Stoffmuster sehen gar nicht gemütlich aus. Statt runder Formen gibt es scharfkantige Dreiecke oder Vielecke. "Bald ist es vorbei mit der biederen Gemütlichkeit", schließt Venn daraus.

So bleibe zwar die kuschelige, gemütliche Einrichtung, aber ihre Farben und Muster zeigten an, man soll darin nicht einschlafen. Es soll sich auch was bewegen. "Wir wollen nicht nur vor der Glotze sitzen, nett was knabbern und Rotwein schlürfen", erklärt der emeritierte Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule für Kunst in Hildesheim. "Wir sind heute wieder mehr auf Spannung aus, auf Diskussionen." Und daraus ergibt sich: "Wir beginnen derzeit, uns von der puristischen Einfachheit loszusagen." tmn