Haus und Garten

Eigentümergemeinschaften Reformiertes Gesetz bringt wichtige Änderungen für Wohnungsbesitzer mit sich

Mehr Befugnisse für Verwalter

Archivartikel

Bonn.Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) haben jetzt die gesamte Verantwortung für die Verwaltung des Gemeinschaftseigentums. Verwalter bekommen von einer WEG mehr Befugnisse, können aber auch leichter abberufen werden. Das sind zwei wichtige Neuerungen, die das reformierte Wohnungseigentümergesetz mit sich bringt. Ein Überblick über wichtige Änderungen:

Modernisierung mit einfacher Mehrheit: „Über alle baulichen Veränderungen des Gemeinschaftseigentums entscheidet jetzt die einfache Mehrheit der in der Eigentümerversammlung anwesenden und vertretenen Stimmen“, erklärt Gabriele Heinrich, Vorstand des Verbandes Wohnen im Eigentum. Damit sollen Modernisierungsstaus verhindert werden. Und: Jeder Wohnungseigentümer kann bauliche Veränderungen des Gemeinschaftseigentums verlangen, die der Barrierefreiheit, der E-Mobilität, dem Einbruchschutz oder dem Zugang zu schnellem Internet dienen. Allerdings muss er dann die Kosten selbst tragen. Um Eigentümer nicht finanziell zu überfordern, müssen sich nun nur noch diejenigen an den Kosten von baulichen Veränderungen beteiligen, die der Maßnahme zugestimmt haben.

Es gibt zwei Ausnahmen: Alle Eigentümer müssen entsprechend ihrem Miteigentumsanteil zahlen, wenn sich die Maßnahme amortisiert. Das gilt auch, wenn die Eigentümerversammlung eine Maßnahme mit einer Mehrheit von mehr als zwei Dritteln der Stimmen und der Hälfte aller Miteigentumsanteile beschließt und die Kosten nicht unverhältnismäßig hoch sind.

Anspruch auf einen zertifizierten Verwalter: Nach einer längeren Übergangsfrist von etwa zwei Jahren wird jeder Eigentümer in einer WEG mit mehr als acht Sondereigentumseinheiten verlangen dürfen, dass ein von der IHK zertifizierter Dienstleister als Verwalter bestellt wird. Prinzipiell können Eigentümer ab dem 1. Juni 2024 den Nachweis einer Zertifizierung vom Verwalter verlangen, sofern dieser keine adäquate Ausbildung oder eine höhere Qualifikation vorweisen kann.

Mehr Befugnisse für den Verwalter: Der Verwalter kann künftig im Innenverhältnis der Wohnungseigentümergemeinschaft in eigener Verantwortung ohne Beschlussfassung über Maßnahmen entscheiden, die von untergeordneter Bedeutung sind und nicht zu erheblichen Verpflichtungen führen. Neben kleineren Reparaturen gehören dazu auch der Abschluss von Versorgungs- und Dienstleistungsverträgen in beschränktem Umfang.

Im Außenverhältnis gegenüber Dritten, also Geschäftspartnern wie Banken, Versicherungen oder Handwerkern vertritt der Verwalter die WEG sogar unbeschränkt. „Das heißt, alle Verträge, die ein Verwalter abschließt, und alle Aufträge, die er vergibt, sind für die WEG bindend“, sagt Gabriele Heinrich. „Der Verwalter darf nur keine Grundstücksgeschäfte tätigen und keine Kredite aufnehmen.“

Verwalter kann leichter abberufen werden: WEG können sich künftig einfacher von einem Verwalter trennen. Die Abberufung des Verwalters ist nicht mehr vom Vorliegen eines wichtigen Grundes abhängig. Die Eigentümer können den Verwalter jederzeit abberufen.

Eigentümerversammlungen werden einfacher: Eine Eigentümerversammlung ist unabhängig von der Zahl der anwesenden oder vertretenen Eigentümer beziehungsweise Miteigentumsanteile beschlussfähig. Eigentümer können beschließen, dass Eigentümer online an der Eigentümerversammlung teilnehmen dürfen.