Haus und Garten

Nachhaltigen Anbau erkennen

Archivartikel

Bei Möbeln aus Massivholz sollte man wissen, was man bekommt: ein Stück aus Naturmaterial, über viele Jahre gewachsen, frei von Schadstoffen. Doch ist das wirklich so? Wann schont der Möbelkauf die Ressourcen? Ein Besuch im Wald.

Es ist ein Wald wie jeder andere. Bis auf diese Buchstaben, die Förster zu Demonstrationszwecken auf ein paar gefällte Stämme gesprüht haben: PEFC. Die Buchstaben stehen für das „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, das heißt, das Programm befasst sich mit der Anerkennung für Waldzertifizierung, und zeigt an, dass dieser Wald nahe Paderborn nachhaltig ist.

Das PEFC-Zeichen gilt gemeinsam mit dem des „Forest Stewardship Council“ (FSC) – also Rat der Wald-Verwaltung – als das wichtigste Kennzeichen für Verbraucher in diesem Bereich. Die Labels befinden sich an vielen Produkten: an Grillkohle und Zahnstochern sowie an Schulheften und auf Kochlöffeln.

Begriffe wie biologisch, fair, natürlich sind nicht nur für Lebensmittel und Kleidung in aller Munde, sondern auch für solche Holzprodukte. Der Werkstoff war zwar nie out, aber er erlebt eine neue Beliebtheit unter dem Stichwort Nachhaltigkeit. Doch: Wann ist Holz eigentlich gesichert nachhaltig produziert?

In dem Wald bei Warburg-Scherfede nahe Paderborn verraten viele Details, dass seine Struktur durchdachter ist als die anderer Wälder. Denn Waldbesitzer müssen auf bestimmte Punkte achten, um im Zertifizierungssystem PEFC zu bestehen.

Lebensraum für Insekten

„Wenn wir einen Baum herausnehmen, verbleiben die Krone und das Wurzelwerk im Bestand“, nennt Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer von PEFC Deutschland, beim Besuch ein Kriterium des Siegels. „Denn es ist wichtig, dass wir Totholz im Wald belassen, damit Insekten Lebensräume finden.“ Außerdem gibt das verrottende Holz Nährstoffe an den Boden ab – und versorgt damit den neuen Bestand. Damit bei der Pflege und beim Fällen Schäden an den anderen Bäumen vermieden werden, hat dieser Wald auch alle 20 Meter Schneisen für Fahrzeuge, erklärt der Förster Florian Bitter vom Landesbetrieb Wald und Holz Nord-Rheinwestfalen.

Auch wenn manche dieser Aspekte nur in zertifizierten Wäldern Anwendung finden müssen, sind in Deutschland nachhaltig bewirtschaftete Wälder die Regel. Denn Gesetze sehen unter anderem eine langfristige Bestandsplanung für öffentliche Wälder und größere Privatwälder vor.

Grundsätzlich lasse sich daher sagen, dass die deutschen Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden – auch ohne ein freiwilliges Siegel zu tragen, erläutert Ulrich Bick vom Thünen-Institut für internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie in Hamburg. Er verantwortet Entwicklung und Prüfung von Zertifizierungssystemen. „Der Wald in Deutschland wird alle zehn Jahre inventarisiert, und dann wird eine Planung bezüglich der künftigen Bewirtschaftung gemacht“, sagt Bick.

Die Planung sieht in der Regel vor, dass nicht mehr Holz entnommen werden darf, als die Menge, die der Wald an Zuwachs bringen kann. Außerdem wird erhoben, welche Baumart oder welche Mischung sich an diesem Standort langfristig selbst einstellen würde. „Das ist aus ökologischen Überlegungen sehr sinnvoll und wichtig, aber auch aus ökonomischen. Denn ein so geplanter Wald ist am besten gewappnet gegen Sturm- und Käferschäden“, erläutert Bick.

Illegale Quellen verboten

Allerdings gibt es im deutschen Holz- und Möbelhandel nicht nur Hölzer aus Deutschland. Ob diese nachhaltig sind, lässt sich am Endprodukt für den Laien nicht erkennen. Immerhin: Innerhalb der EU ist Holz aus illegalen Quellen verboten. Wer den Rohstoff oder Holzprodukte erstmals auf den EU-Markt bringt, muss den Nachweis erbringen, dass das Holz nicht aus illegalen Quellen stammt.

Die nachhaltige Bewirtschaftung von Holz aus internationalen Wäldern lässt sich aber nur mit den freiwilligen Siegeln PEFC und FSC gesichert erkennen, sagt Bick. Beide gehen teilweise über die Regulierungsmaßnahmen der EU-Gesetze hinaus – vor allem aber über die Vorschriften vieler anderer Länder. Die Siegel garantieren auch eine gute Behandlung der Menschen, die mit dem Wald zu tun haben.

Und die Regeln halten die Sorgfaltskette im Blick: Wollen Firmen das PEFC-Siegel am Endprodukt wie dem Möbel aufbringen, müssen sie sich kontrollieren lassen. Das gilt auch für die dazwischengeschalteten Betriebe. Das FSC-Siegel differenziert hier: Das Label „100%“ steht für Material, das komplett aus zertifizierten Wäldern kommt, beim „MIX“- Label ist ein Anteil nicht zertifizierter Holz-Bestandteile möglich. Aus Sicht des Branchenexperten Ulrich Bick ist weder PEFC noch FSC besser. „Auch wenn sie sich noch in kleinen Details unterscheiden, mittlerweile haben sich die beiden Systeme auf einem Niveau eingespielt. Der Verbraucher kann beim Kauf von Holz oder Holzprodukten PEFC und FSC gleichsetzen.“