Haus und Garten

Saat keimt in der Kälte

Dicke Bohnen gehören zu den wenigen Gemüsesorten, die früh im Jahr schon im Beet ausgesät werden können. Und je früher, desto besser: Hobbygärtner schlagen so nicht nur Schädlingen ein Schnippchen, sie haben auch eine lohnende Vorfrucht im Garten.

In der kalten Jahreszeit denken viele Gärtner noch nicht an die Aussaat von Gemüse im Freiland. Und doch gilt gerade diese Zeit als ideal, um Dicke Bohnen zu legen. „Wer früh pflanzt, verhindert, dass die Pflanzen massiv von Schädlingen befallen werden“, erklärt Mechtild Ahlers von der Niedersächsischen Gartenakademie.

Die Hülsenfrucht mit dem botanischen Namen Vicia faba ist eine der ältesten Nahrungspflanzen. Sie soll schon vor 5000 Jahren angebaut worden sein. „Die alten Ägypter und die Römer kannten die Dicke Bohne als Nutzpflanze. Im arabischen Raum bereitet man heute noch Falafel damit zu“, sagt Cornelia Lehmann, Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg, kurz VERN.

Auch im deutschsprachigen Raum war die Hülsenfrucht lange Zeit ein wichtiges Lebensmittel. Dafür sprechen die vielen lokal unterschiedlichen Bezeichnungen wie Große Bohne, Faberbohne oder Puffbohne. „Wenn eine Pflanze so viele Namen hat, kann man davon ausgehen, dass sie wichtig und sehr verbreitet war“, sagt Matthias Schuh, Gärtner im Freilichtmuseum am Kiekeberg bei Hamburg.

Anbau alter Sorten

Entsprechend groß ist die Sortenzahl. Es gibt Dicke Bohnen mit grünem, hellem, beigefarbenem, rotem und schwarzem Korn. Klassiker sind die Dreifach Weiße mit schneeweißen Blüten und die Hangdown mit schwarz-gefleckten Blüten. Die Sorte Karmesin wiederum besticht durch leuchtend rote Blüten. Ahlers rät, alte regionale Sorten anzubauen. „Sie haben sich am besten an die jeweiligen Bodenverhältnisse und klimatischen Verhältnisse angepasst.“

Trotz ihrer Vielseitigkeit ist die Dicke Bohne heutzutage meist nur noch als regionale Spezialität bekannt – und als Viehfutter. Das liegt an vielem – unter anderem wird sie von manchen Menschen nicht vertragen. „Bei einem G6PD-Mangel (Favismus) können Dicke Bohnen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hervorrufen und im schlimmsten Fall zum Tode führen“, sagt Lehmann. Allerdings tritt Favismus hierzulande selten auf, sondern vornehmlich im Mittelmeerraum, im Mittleren Osten, Afrika und Südostasien.

Der Hauptgrund für das Verschwinden der Dicken Bohne aus dem Gemüsegarten ist aber wohl ein anderer: „Die Stangen- und Feuerbohnen aus Amerika haben die Dicken Bohnen aus den Gärten verdrängt. Seit dem 19. Jahrhundert spielen sie praktisch keine Rolle mehr für unsere Ernährung“, sagt Schuh.

Dabei gibt es ein paar Gründe, sie wieder häufiger zu nutzen: Dicke Bohnen gelten als nahrhaft und eiweißreich. Und während Gartenbohnen äußerst frostempfindlich sind und erst Mitte Mai ins Beet kommen, macht den Dicken Bohnen Kälte nichts aus. „Dicke Bohnen keimen, wenn der Boden gerade zwei Grad warm ist und vertragen Temperaturen bis zu minus fünf Grad. Ist es ihnen zu kalt, stellen sie lediglich das Wachstum ein, erfrieren aber nicht“, so Lehmann.

Aber Dicke Bohnen benötigen einen sonnigen bis maximal halbschattigen Standort, um zu gedeihen. Der Boden sollte humos, tiefgründig und feucht sein. Trockenheit bekommt ihnen nicht. „Gerade während der Blüte und dem Fruchtansatz sollten die Pflanzen ausreichend gewässert werden“, rät Lehmann. Expertin Ahlers empfiehlt, Spinat breitflächig mit einzusäen: „Die Spinatpflanzen beschatten den Boden und halten die Feuchtigkeit.“

Im Freiland können die Samen sechs bis zehn Zentimeter tief gelegt werden – entweder in Horsten mit je vier Samen oder bei leichten Böden einzeln in einem Abstand von 15 Zentimetern. Als optimal gilt ein Reihenabstand von 40 Zentimetern. Ahlers’ Tipp: Die Pflanzen in Tontöpfen vorziehen, idealerweise an einem hellen, aber geschützten Ort wie unter einer Remise oder im kühlen Hausflur. „Durch den Kulturvorsprung kann man die Dicken Bohnen bereits abernten, bevor sie im Juni von der Schwarzen Blattlaus befallen werden.“

Weit verzweigte Verwurzelung

Der Schädling befällt insbesondere die jungen Triebspitzen. Daher sollten diese bei einer späteren Kultur unbedingt herausgebrochen werden, sobald die Pflanzen Früchte angesetzt haben und diese beginnen, auszureifen. Davon abgesehen gilt die Dicke Bohne als sehr robust: „Brennfleckenkrankheit, Grauschimmel und Mehltau machen ihr wegen der frühen Kulturzeit keine Probleme“, so Ahlers.

Und auch sonst sind Puffbohnen recht pflegeleicht. Matthias Schuh empfiehlt, um die Pflanzen etwas Erde aufzuschütten, wenn sie etwa zehn Zentimeter hoch sind. „Durch das Anhäufeln werden die Pflanzen dazu angeregt, mehr Wurzeln zu bilden. Das macht sie standfester und unempfindlicher gegenüber Trockenheit“, so der Gärtner.

Eine weit verzweigte Verwurzelung hat einen weiteren Vorteil: Dicke Bohnen können Stickstoff aus der Luft im Boden binden und zur Bodenverbesserung beitragen. Das macht sie zu einer idealen Vorkultur für starkzehrendes Gemüse wie Kohl, der viele Nährstoffe benötigt und direkt im Anschluss am die Bohnenernte Ende Juni ins Beet kommt. Dennoch: Ganz ohne Dünger kommt auch die Dicke Bohne nicht aus. „Wenn man im Herbst fünf Liter Kompost und 100 Gramm Hornspäne pro Quadratmeter ins Beet einarbeitet, verschafft man ihnen gute Startbedingungen“, sagt Ahlers.