Haus und Garten

Immobilien Spesen, automatische Vertragsverlängerung, Provision – nicht alle Forderungen sind berechtigt

Wann der Makler kassieren darf

Archivartikel

Bonn.Wer eine Immobilie kaufen oder verkaufen will, kann einen Makler beauftragen. Für ihre Dienste fallen Provisionen an – bundesweit bis zu 7,14 Prozent des Kaufpreises, sagt der Verbraucherschutzverband „Wohnen im Eigentum“. Nicht alle Forderungen von Maklern sind aber berechtigt. Dazu wichtige Fragen und Antworten:

Wie kommt überhaupt ein Maklervertrag zustande?

Es gibt keine Vorschriften zur Form. „Er kann schriftlich, mündlich, per E-Mail oder am Telefon abgeschlossen werden“, sagt Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Beide Partner müssen aber Bedingungen und Konsequenzen kennen. Wurde der Vertrag online oder am Telefon geschlossen, darf der Auftraggeber innerhalb von 14 Tagen zurücktreten.

Darf ich mehrere Makler gleichzeitig beauftragen?

Grundsätzlich können Verkäufer mehrere Makler beauftragen. Aber meist sei es keine gute Idee, sagt Wagner. „Es macht keinen guten Eindruck, wenn ein Objekt mehrfach auf dem Markt angeboten wird, vielleicht auch noch zu unterschiedlichen Preisen.“ Der Eigentümer muss aber nicht jeden Interessenten, der an ihn herantritt, an den Makler verweisen. Auch für Geschäfte, die ohne Zutun des Maklers entstanden sind, muss man häufig Provision zahlen. „Für solche Direktabschlüsse wird in der Regel eine individuelle Vereinbarung benötigt“, erklärt Wagner.

Manche Verträge verlängern sich automatisch – ist das zulässig?

Grundsätzlich ist ein Maklervertrag jederzeit kündbar. Häufig gibt es aber Alleinaufträge mit einer Mindestlaufzeit und einer automatischen Verlängerung. Sollte der Makler die Immobilie nicht verkaufen, müssen Verkäufer reagieren. „Kunden sind auf der sicheren Seite, wenn sie den Alleinauftrag vor Ablauf fristgerecht kündigen“, sagt Wagner. Dann ist die automatische Verlängerung ausgeschlossen und sie können selbst tätig werden oder einen anderen Makler beauftragen.

Was muss der Makler dem Interessenten über die Immobilie sagen?

Er muss umfassend und nach bestem Wissen über die Immobilie informieren – auch über Mängel. Dabei darf er nichts beschönigen oder falsch darstellen. „Macht ein Makler wissentlich falsche Angaben zu einer Immobilie, verwirkt er seinen Anspruch auf das Honorar“, sagt Jürgen Hillmayer von der Arbeitsgemeinschaft Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein. Es können der Verlust der Provision und Schadenersatz drohen.

Welche Partei bezahlt die Provision?

Das sei zwischen den Vertragspartnern frei verhandelbar – ebenso die Höhe der Provision, sagt Wagner. Es gibt regionale Gewohnheiten, die nicht bindend sind. In Bayern und NRW zahlen Käufer und Verkäufer oft jeweils die Hälfte. In anderen Bundesländern wie Berlin, Hamburg oder Brandenburg zahlen die Käufer meist vollständig. „Wie das im Einzelfall gehandhabt wird, hängt aber auch immer von den Marktbedingungen ab“, so Wagner. Bei einer schlecht verkäuflichen Immobilie lässt sich der Verkäufer wohl eher darauf ein, die Provision anteilig zu zahlen. Bei begehrten Objekten muss der Käufer die Zahlung oft vollständig übernehmen.

Dürfen Makler auch Spesen in Rechnung stellen?

Die Maklerprovision sollte alle Kosten abdecken. „Grundsätzlich muss der Käufer keine Auslagen erstatten, es sei denn, dies ist ausdrücklich im Vertrag vereinbart“, sagt Hillmayer. „Geld fließt erst im Erfolgsfall, also nach dem Kauf oder Verkauf“, erklärt Hillmayer. „Natürlich ist es für den Makler ärgerlich, wenn er in Vorleistung geht und es kommt kein Kaufvertrag zustande.“ dpa