Haus und Garten

Immojournal

Wie genau läuft das jetzt?

Archivartikel

Corona Spezial: Auswirkungen der Pandemie auf die Immobilienbranche – Was ist noch möglich?

Die aktuelle Corona-Krise stellt die gesamte Wirtschaft täglich vor neue Herausforderungen. Einige Sektoren laufen auf Hochtouren, andere sind zwangsweise lahmgelegt. In manchen Branchen ändert sich die Vorgehensweise durch die angeordneten Vorsichtsmaßnahmen grundlegend. So macht auch die Pandemie nicht vor der Immobilienbranche halt. Viele Wohnungssuchende, Vermieter oder Verkäufer sind jetzt orientierungslos – dürfen Objektbesichtigungen noch durchgeführt werden? Darf ich aktuell umziehen? Dürfen Käufer und Verkäufer noch zum Notar? Berechtigte Fragen, mit deren Beantwortung wir gerne Licht ins Dunkel bringen möchten.

Wird noch besichtigt?

Das passende Objekt wurde gesichtet und der Anbieter oder der Immobilienmakler wurde kontaktiert, um einen Begehungstermin zu vereinbaren. Aber ist es denn aktuell rechtens, eine Immobilie zu besichtigen? Viele Wohnungssuchende finden sich aktuell in dieser Situation wieder. Zur Aufklärung: Einzelbesichtigungen sind weiterhin erlaubt, müssen aber einige Schutzmaßnahmen erfüllen. Zunächst sollte sichergestellt sein, dass die Beteiligten gesund sind. Bei der Begehung selbst ist der von der Regierung festgelegte Sicherheitsabstand von mindestens eineinhalb, besser aber zwei Metern einzuhalten. Makler oder Vermieter müssen außerdem dafür sorgen, dass Kontaktflächen wie etwa Türgriffe regelmäßig desinfiziert werden. Als Alternative werden bereits vermehrt 360-Grad-Touren oder aufgenommene Video-Touren, die durch die Immobilien führen, eingesetzt.

Kaufen oder besser abwarten?

Potentielle Käufer sehen in der Corona-Krise die gefahr, das Virus und die einhergehende wirtschaftliche Situation könne sich konkret auf die Immobilienpreise auswirken. Tatsächlich ist es so, dass im Augenblick Entwarnung gegeben werden kann. Bislang konnten keine Preisschwankungen durch die Pandemie festgestellt werden. Es wird im Gegenteil eher angenommen, dass die Preise für Verkaufsobjekte künftig sogar leicht fallen könnten. Die Annahme stützt sich darauf, dass Bundesanleihen für Anleger künftig unattraktiver werden, da der Staat zunehmend in Hilfsprogramme investiert. Umso mehr Menschen ihre Immobilie auf den Markt bringen, desto höher ist die Chance auf eine Stagnation oder sogar auf einen Rückgang der Immobilienpreise.

Wer sich bereits für den Kauf einer Immobilie entschieden hat, fragt sich vielleicht, ob der Gang zum Notar überhaupt noch erlaubt ist. Da dies einen triftigen Grund darstellt, das Haus zu verlassen, ist es Käufern und Verkäufern auch während der Ausgangsbeschränkungen erlaubt, den Termin beim Notar gemeinsam wahrzunehmen.

Lohnt es sich jetzt zu Bauen?

Der Hausbau bleibt durch die Pandemie weitestgehend unbeeinflusst. Im Gegenteil, die Zeit, die viele jetzt vermehrt zuhause verbringen, kann für Planungen genutzt werden. Zudem arbeiten die meisten Bauunternehmen weiter und nehmen neue Aufträge an. Bei einigen Banken können Baufinanzierungen online beantragt und Beratungsgespräche per Videochat durchgeführt werden. Die Unterlagen werden dann per Post versandt. Da die Bauzinsen aktuell noch einmal gefallen sind, werden die entsprechenden Darlehen noch günstiger. Wie wirkt sich die Krise auf die Zinsbindung aus? In der aktuellen Niedrigzinsphase gilt auch weiterhin die Grundregel, je niedriger das Zinsniveau, desto länger sollte die Zinsbindung sein. Eine lange Bindung verspricht viel Planungssicherheit.

Wer von wegfallendem Einkommen betroffen ist und seine Raten nicht mehr zahlen kann, sollte umgehend seine Bank informieren. Eine Stundung oder Ratenreduzierung sind Möglichkeiten, durch den finanziellen Engpass zu kommen. Dadurch sollen vor allem Mahnungen vermieden werden. Wenn die finanzielle Situation länger anhält, ist es ratsam, sich an entsprechende Beratungsstellen zu wenden.

Der Umzug steht bevor – geht das noch?

Mit professioneller Hilfe steht auch dem Umzug nichts im Weg. Prinzipiell gilt, wer Teil des Hausstandes ist, darf helfen. Damit alles reibungslos abläuft ist es deshalb ratsam, auf ein Umzugsunternehmen zurückzugreifen. Aufgrund der aktuellen Auflagen steigt gerade die Nachfrage nach Fachkräften, weshalb es besser ist, frühzeitig viele Unternehmen zu kontaktieren, um den Wunschtermin des Umzugs einhalten zu können.

Notwendige Arbeiten in der neuen oder alten Immobilie dürfen zum Beispiel durch Heizungs- und Klimahandwerker oder Elektriker durchgeführt werden. Auch hier müssen aber die staatlichen Sicherheitsvorgaben beachtet werden.

Kein Einkommen – keine Miete?

Mietausfälle, die zwischen 1. April und 30. Juni aufgrund der Corona-Krise entstehen, können bis 30. Juni 2022 nachgezahlt werden. Belegt werden sollte dies durch einen Nachweis von Verdienstausfällen, einer eidstaatlichen Versicherung oder einer Antragstellung beziehungsweise der Gewährung staatlicher Hilfen. Erfolgt die Nachzahlung nicht, ist der Vermieter zu dem genannten Zeitpunkt zu einer fristlosen Kündigung berechtigt.

Verträge und Kündigungen zurückziehen?

Um als Mieter einen unterschriebenen Mietvertrag zurückziehen zu können, müssen zwei Tatsachen gegeben sein: Der Vermieter muss Unternehmer sein, also mindestens zwei Immobilien vermieten. Ebenso muss der Vertrag per Brief, E-Mail oder ähnliches abgeschlossen worden sein. Die Widerrufungsfrist beträgt in der Regel 14 Tage. Eine Kündigung darf nicht zurückgenommen werden, außer der Vermieter akzeptiert die Widerrufung.

Was gilt im Falle einer Erkrankung?

Ist der Mieter an Covid-19 erkrankt, obwohl der Umzug schon feststeht, gilt das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Der Mieter kann so zum Schutz anderer nicht zur Räumung verpflichtet werden. soz