Haus und Garten

Senioren Eine Wohngemeinschaft kann den Lebensabend angenehmer gestalten – allerdings sollten Interessierte bereit sein, Zeit und Arbeit zu investieren

Zusammen altert es sich leichter

Ludwigshafen.Rita Stahl hat geschafft, wovor sich viele ältere Menschen fürchten. Mit 68 Jahren ist sie aus „ihrem“ Stadtteil Ludwigshafen-Oppau, in dem sie seit der Geburt wohnte, weggezogen, um mit anderen Senioren in einer Gemeinschaft zu leben. Vor zehn Jahren hat sich die heute 78-Jährige in „Haus Noah“ im Stadtteil Pfingstweide niedergelassen. „Am Anfang war es nicht leicht für mich, ich kannte niemanden, und mein Mann war gerade gestorben“, erzählt Stahl. „Aber dann muss man eben auf die Menschen zugehen und den Kontakt suchen.“

„Haus Noah“ ist eine Mischung aus „normalen“ Wohnungen, betreutem Wohnen und Senioren-Wohngemeinschaft. Das Konzept hat das Wohnungsunternehmen der BASF entwickelt. 24 Einheiten im ersten und zweiten Stock des Hochhauses sind barrierefrei. Außerdem gibt es hier einen Gemeinschaftsraum mit einer Küche, wie in jeder WG. Zusätzlich haben die Wohnungen eine eigene kleine Küche.

Täglich besucht die Bewohner eine Fachkraft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Sie steht für persönliche Gespräche zur Verfügung und bietet Aktivitäten wie Sitzgymnastik oder Ausflüge an“, erklärt Tanja Hahn, Projektleiterin der BASF Wohnen und Bauen.

„Baut euch keine Luftschlösser“

Rita Stahl wohnt im neunten Stock. Ihre Wohnung ist barrierefrei. Für Spiele-Abende oder zum gemeinsamen Essen gibt es hier ebenfalls einen Gemeinschaftraum. Alle Angebote sind freiwillig. „Man muss nicht einsam sein, wenn man es nicht will“, sagt Stahl. Für ihre Wohnung kann sie den DRK-Betreuungsdienst dazu buchen, darüber hinaus sind ein Hausnotruf oder eine Putzhilfe möglich.

Mit den Nachbarn alt werden – unter diesem Motto wohnen mehrere Generationen auf „Hof Eiche“ in Emsdetten im Münsterland. 2007 hörte Elisabeth Albrecht von dem Projekt. Die heute 80-Jährige verkaufte ihr Haus und schloss sich der Gruppe an. Mittlerweile sind 40 Menschen zwischen einem und 80 Jahren in einem quadratisch angeordneten Wohnkomplex mit 25 Wohnungen angesiedelt.

Albrecht bügelt für ihre Nachbarn, andere kümmern sich um die Kleinen oder versorgen Haustiere. Wird jemand krank, ist ihm die Hilfe der Mitbewohner sicher. Im Sommer lockt ein großes Grillfest, im Winter geht’s zum gemütlichen Glühweintrinken, sonntags organisiert die Gemeinschaft Ausflüge. Will Albrecht Gesellschaft, muss sie nur vor die Tür treten und sich im grünen Innenhof niederlassen. „Wer hier sitzt, bleibt nicht allein.“

„Ein solches Konzept bedeutet Arbeit“, gibt Johannes Bergmann zu bedenken, der ebenfalls auf „Hof Eiche“ lebt. „Man muss bereit sein, seine Zeit zu opfern und andere zum Mitmachen motivieren.“ Der 58-Jährige empfiehlt potenziellen Nachahmern: „Baut euch keine Luftschlösser!“ Bei dieser Form des Wohnens gebe es auch mal Krach.

Beratung finden Interessierte unter anderem bei den Regionalstellen des Forums gemeinschaftliches Wohnen. Die Mitarbeiter kennen bereits bestehende oder geplante Projekte und können mit Info-Broschüren weiterhelfen. „Wir bekommen immer mehr Anfragen“, sagt Bura. „Das ist nicht mehr nur ein Trend, es wird immer bedeutsamer.“ Nur selten könnten die Kinder ihre Eltern noch unterstützen, außerdem werde es auf dem Wohnungsmarkt immer enger.

Alexander Grünenwald ist Geschäftsführer der BauWohnberatung Karlsruhe, die die Planung von „Haus Noah“ unterstützt hat. Zu ihm kommen diejenigen, die noch ganz am Anfang stehen. „Wir erörtern die Rechtsformen, die bei einer Wohngemeinschaft möglich sind, bieten Tipps für Kommunen oder suchen Grundstücke“, sagt der Architekt.

Früh mit Planung beginnen

Grünenwald rät, rechtzeitig mit der Planung eines Wohnprojekts anzufangen und so früh wie möglich professionelle Unterstützung zu suchen. „Ideal ist der Zeitpunkt, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder das Arbeitsende absehbar ist“, meint Grünenwald. Mit drei Jahren Laufzeit müsse man dabei rechnen.

Viele Projekte scheitern schon in der Planungsphase. Die Gruppe diskutiert lieber über die Bodenbeläge als über den Ort des Projekts, es fehlt das fachliche Wissen, manchmal schlicht der Mut. Dabei lohnt es sich, wie die Beispiele Albrecht und Stahl zeigen. Sie wollen aus ihrer Wohnung nicht mehr ausziehen. „Man muss das wirklich wollen und den Sprung machen“, sagt Stahl.