Haus und Garten

Zwei Blumen, ein Name

Archivartikel

Die eine blüht intensiv rot, die andere strahlt im schönsten Gelb: Sonnenhut heißen zwei Sommergewächse, die sich zwar ähnlich sehen, in der Natur aber nicht einmal begegnen würden.

Es kann im Sommer nur einen Tipp für Gärtner geben, die eine Pflanze suchen, die besonders blühfreudig ist. Der Sonnenhut! Für Cassian Schmidt ist es der wichtigste Hoch- und Spätsommerblüher. Der Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof in Weinheim sagt: „Kaum eine Staude ist wirklich so lang blühend und zuverlässig wie der Sonnenhut.“

Der Name Sonnenhut kommt nicht von ungefähr: Die äußeren Zungenblüten der Pflanze bilden quasi eine umlaufende Hutkrempe, während sich die Röhrenblüten in der Mitte zu einem Kegel nach oben wölben. Doch: Der Sonnenhut ist nicht eine Staude, hinter dem Namen stecken mehrere sich ähnelnde Pflanzen.

Früher gehörten alle Sonnenhüte botanisch zu der Pflanzengattung Rudbeckia, inzwischen zählt man dazu nur noch die gelbblühenden Arten. Die rotblühenden werden als Echinacea bezeichnet – und sind außerdem bekannt als Roter Sonnenhut oder Roter Scheinsonnenhut. Aber man muss wissen: Vom Roten Scheinsonnenhut gibt es inzwischen auch Sorten mit weißen, orangen und gelben Blüten.

Verschiedene Vorlieben

Sicher unterscheiden lassen sich diese beiden Pflanzen aber dennoch voneinander: Die Röhrenblüten der Echinacea stechen leicht, die gelben Rudbeckia sind weich, erklärt Schmidt. Rudbeckia bildet darüber hinaus Ausläufer, während Echinacea eine rübenartige Wurzel hat. Außerdem besiedeln sie unterschiedliche Standorte: Die gelben Sonnenhüte bevorzugen feuchten bis frischen Boden und sogar halbschattige Lagen, der Rote Scheinsonnenhut mag eher einen trockenen, durchlässigen Boden in vollem Sonnenschein.

Für Anja Maubach, Gartenarchitektin und Staudengärtnerin aus Wuppertal, ist der Rote Scheinsonnenhut (Echinacea) die kleine, kraftvolle Apotheke im eigenen Garten. Fast alle Arten enthalten entzündungshemmende Stoffe, die auf der einen Seite das Immunsystem stärken und auf der anderen Seite Bakterien bekämpfen. „Diese Pflanze war schon bei den nordamerikanischen Indianern eine der wichtigsten Heilpflanzen“, sagt Maubach. Vor allem die Wurzeln liefern die stärkenden Inhaltsstoffe, aber auch die Blätter können für Tees verwendet werden.

Aber sie schwärmt auch wegen ihrer gestalterischen Eigenschaften von der Staude. „Am schönsten wirkt der Rote Sonnenhut in größeren Tuffs“, findet Maubach. „Wer dennoch etwas mehr Abwechslung wünscht, kann bei den Arten etwas variieren.“ So lässt sich zwischen den klassischen Roten Scheinsonnenhut (Echinacea purpurea) der Bleiche Scheinsonnenhut (Rudbeckia pallida) untermischen. Dessen Zungenblüten hängen deutlich nach unten – damit erinnern die Blütenstände an Federbälle.

„Bei der eigenen großen Strahlkraft passen nur wenige Pflanzen zu dem Roten Sonnenhut“, erklärt Maubach. Dazu gehört zum Beispiel das Patagonische Eisenkraut (Verbena bonariensis). Dessen pinkfarbene Blüten sitzen auf dünnen Stielen über den Sonnenhüten. Eine Alternative ist die Duftnessel (Agastache rugosa). Allerdings rät die Gartengestalterin hier zu einer Mischung aus zwei Drittel Echinacea und ein Drittel Duftnessel.

Der Gelbe Sonnenhut (Rudbeckia) zeichnet sich vor allem durch seine Zuverlässigkeit und Langlebigkeit aus – der Rote Scheinsonnenhut hat im Vergleich nur unter idealen Bedingungen eine gute Lebensdauer. Diese Eigenschaften erfüllt für Schmidt insbesondere der sogenannte Fallschirm-Sonnenhut (Rudbeckia nitida) der Sorte Herbstsonne. Er wird bis zu zwei Meter hoch. „Dabei ist er aber sehr standfest“, betont Schmidt.

Robuste Blütenwellen

Erwähnenswert ist auch die Sorte Goldsturm der Art Rudbeckia fulgida. Sie gilt als robust und ist weit verbreitet, sie bildet gelbe Blütenwellen und breitet sich durch Ausläufer aus. Nur etwa brusthoch wird der Schwachfilzige Sonnenhut (Rudbeckia subtomentosa Henry Eilers). Seine Besonderheit: Sein Duft erinnert an Lebkuchen, findet Schmidt.

Wer regelmäßig Abwechslung für sein Beet möchte, der sollte sich den Sonnenhut der Art Rudbeckia hirta aussuchen. Er lebt nur für eine Saison. Auch er gehört zu den Sonnenhüten, die in mehreren Farben blühen – in Gelb, Orange bis hin zu Rostrot und Braun. Schmidt schätzt die Art, weil die Blüten dem Regen sehr gut standhalten und sie ideal für Blumensträuße sind. Die Verwendung in der Vase bringt einen weiteren Vorteil: „Durch den Schnitt erscheint auch zuverlässig eine Nachblüte“, erklärt Schmidt.

Gut zu den Gelben Sonnenhüten passen „Heli“-Stauden. Unter diesem Begriff fasst Schmidt Stauden mit sonnenblumenartigen Blüten zusammen. „Das sind als die mehrjährigen Sonnenblumen (Helianthus), die Sonnenbraut (Helenium) und das Sonnenauge (Heliopsis)“, zählt der Buchautor auf. Außerdem macht sich das Mädchenauge (Coreopsis verticillata und C. tripteris) gut zu diesem Sonnenhut.

„Es handelt sich aber bei all diesen Präriestauden um Spätblüher“, ergänzt Schmidt. Daher ist es gut, wenn das Beet auch Bewohner erhält, die in den Monaten davor blühen. Er rät, an die im Frühling blühenden Tulpen und Narzissen zu denken. Der Gartenleiter empfiehlt darüber hinaus die blauen Prärielilien (Camassia leichtlinii) und den weißblühenden Zierlauch Mount Everest (Allium Hybride).