Heddesheim

Neckar-Bergstraße Jugendliche missachten Spiel- und Bolzplatzverbote / Teilweise Absperrungen aufgebrochen

„Absolut verantwortungslos“

Archivartikel

Heddesheims Bürgermeister Michael Kessler kann es kaum fassen. „Manche Eltern haben offenbar kein Verantwortungsbewusstsein“, ärgert er sich im Telefongespräch mit dieser Redaktion. In ihrer Verordnung vom Dienstag hatte die Landesregierung ausdrücklich die Schließung von öffentlichen Bolzplätzen und Spielplätzen angeordnet, die Gemeinden waren dem nachgekommen. Aber nicht jeden scheint das zu interessieren.

„Alle Plätze wurden mit einem Verbotsschild versehen und wenn möglich auch verschlossen“, erklärt die Gemeinde Heddesheim am Donnerstag in einer Pressemitteilung, die sie auch auf ihrer Internetseite veröffentlicht hat. „Leider müssen wir feststellen, dass dieses Verbot an vielen Plätzen missachtet wird“, heißt es weiter. Kinder und Jugendliche hatten sich demnach zuvor „unrechtmäßig Zutritt“ zu den Anlagen verschafft und dabei zum Teil sogar die Absperrung zerstört. „Dies ist ein absolut verantwortungsloses Handeln.“

Der Bürgermeister appelliert daher ausdrücklich an die Eltern, „ihre Kinder auf die momentan herrschende Situation hinzuweisen, diese zu erklären und ein Verbot auszusprechen“. Bei Verstößen gegen die geltende Rechtsverordnung handele es sich ausdrücklich um eine Straftat, die „nun auch entsprechend geahndet und verfolgt“ werde. Die Bolzplätze am Minigolf und in der Nähe von Lessing/Uhlandstraße seien daraufhin mit neuen Schlössern wieder zugesperrt worden.

Auch das Verbot von Ansammlungen oder das Abstandhalten werde von vielen Jugendlichen nicht beachtet. „Bitte versuchen Sie, auch die Treffen der Kinder mit anderen auf ein Minimum zu beschränken“, fordert die Gemeinde daher die Erziehungsberechtigten auf. „Diese Abwägung kann man nicht den Kindern überlassen.“

Drei Kontrollgänge pro Tag

Auch in Ilvesheim haben sich vereinzelt Menschen nicht an die neuen Regelungen gehalten. Am Mittwoch befanden sich mehrere Leute trotz Verbot auf dem als „Spargelacker“ bezeichneten Bolzplatz südlich des Damms. Auch vereinzelte Gruppen von Jugendlichen waren zu sehen. Bürgermeister Andreas Metz suchte vor Ort persönlich das Gespräch und versuchte, die Menschen zu überzeugen, größere Ansammlungen zu vermeiden. Am Donnerstagvormittag habe die Lage aber bereits anders ausgesehen, berichtet er. „Unsere Mitarbeiter haben nur eine Mutter mit Kind auf dem Spargelacker angetroffen.“ Man habe sie schnell davon überzeugen können, den Ort zu verlassen. Auch am Nachmittag habe man auf den Spielplätzen keine Menschen angetroffen.

Wie die Verwaltung mitteilt, gibt es in Ilvesheim mittlerweile drei Kontrollgänge pro Tag. Sie umfassen unter anderem die alla-Hopp-Anlage, alle Spielplätze und Bolzplätze sowie zahlreiche Grünanlagen. Bei den Kontrollgängen sind Mitarbeiter des Ordnungsamtes und Polizisten dabei. Insgesamt hielten sich die Menschen recht gut an die neuen Vorgaben, so Rathauschef Metz. Er stellt aber auch klar: „Sollten Probleme nicht in den Griff zu bekommen sein, halte ich es für möglich, dass es eine Verschärfung der Maßnahmen geben wird.“ Das könnte zum Beispiel eine Ausgangssperre sein. In einem auf Facebook veröffentlichten Video appellierte der Verwaltungschef eindringlich, mit besonnenem Verhalten die älteren und schwächeren Bürger zu schützen.

In Edingen-Neckarhausen gibt es nach Einschätzung von Bürgermeister Simon Michler bislang keine größeren Probleme. „Das funktioniert ganz gut“, sagt er. „Ich bin am Dienstagabend durch Edingen gejoggt und habe mich selbst davon überzeugt“, erklärt er weiter. Das Sport- und Freizeitzentrum und die Spielplätze seien leer gewesen. Die verschärfte Regelung bei den Gaststätten sei inzwischen ebenfalls angekommen. Eine Eisdiele hatte zunächst noch den Straßenverkauf geöffnet, dann aber nach einem Besuch der Ordnungshüter das Eis verschenkt. Ähnlich erging es der Ladenburger „Kartoffel“. Sie musste auch schließen.

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