Heddesheim

Heddesheim IG Heimatgeschichte eröffnet Ausstellung "Mehr als 1100 Jahre ... Archäologie in Heddesheim" im Alten Rathaus

"Bedeutender Beitrag zum Ortsjubiläum"

Würden alle Archäologen solch eine Begeisterung für ihr Fach versprühen wie Dr. Klaus Wirth - die Welt wäre voller Museen und die Museen voller Menschen. Einmal mehr schwärmte der Experte der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim am Freitagabend bei der Ausstellungseröffnung der IG Heimatgeschichte von den Funden, die nun in den Vitrinen des Alten Rathauses davon zeugen, dass die Siedlungsgeschichte Heddesheims sehr viel weiter zurückreicht als die urkundliche Ersterwähnung vor 1100 Jahren.

Rund 40 Exponate haben Wirth und seine Kollegen zusammengestellt, um der IG im Jubiläumsjahr den Wunsch nach einer besonderen Ausstellung zu erfüllen. Auch, weil IG-Koordinatorin Edith Sollich den Archäologen "immer wieder genervt hat", wie Wirth in seiner launigen Einführung bemerkte - natürlich nicht, ohne der Koordinatorin des kleinen Kreises der IG-Aktiven letztendlich für ihre Hartnäckigkeit zu danken. Und - mit einem Augenzwinkern - auch dafür, den ehemals "plüschigen Laden" im Alten Rathaus derart umgestaltet zu haben, dass die Artefakte aus dem Heddesheimer Boden in den weiß ausgekleideten Vitrinen nun bestens zur Geltung kommen.

"Ein toller und bedeutender Beitrag zum Ortsjubiläum", freute sich auch Bürgermeister Michael Kessler bei der Eröffnung über die "kleine, aber feine Ausstellung in einem der ältesten Gebäude im Ort". Bei allen Ereignissen des Jubeljahres gehöre ein Blick auf die historischen Schätze dazu - zumal der Ort "zumindest in Teilen zur archäologischen Champions League gehört", wie der Bürgermeister gern den Archäologen Wirth zitierte. "Das hört man doch als Heddesheimer immer wieder gern", schmunzelte Fußballfan Kessler. Beeindruckt zeigte er sich auch davon, wie die ehrenamtlichen Helfer der Ausgräber, allen voran Georg Trapp und Gerhard Heimsch, "bei Wind und Wetter Schätze aus dem Boden geholt" hatten. "Nie für möglich gehalten" habe er auch die Resonanz auf die Vorträge von Klaus Wirth: "Das zeigt, das Thema stößt im Ort auf großes Interesse."

Neue Schätze am Bürgerhaus?

Die Archäologen werden es gern vernommen haben, sind sie doch öfter mal auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen. Aktuell etwa hoffen Wirth und sein Team, dass der Boden rund ums Bürgerhaus, wo das neue Görtz-Café entstehen soll, Siedlungsspuren aus der Karolinger oder Merowinger Zeit bergen könnte. Entsprechend wolle man ein Auge auf die Baustelle haben, so Wirth.

Auch warb der Archäologe für den Erhalt der "Villa Rustica von Heddesheim", die die Experten in einer Ackerfläche am Ortsausgang Richtung Viernheim vermuten. Georg Trapp sammele dort "massenweise" Fundstücke, etwa römischen Mörtel ("nach 2000 Jahren noch so hart wie Beton") oder bemalten Putz. Da Fundberichte aus Baden-Württemberg an Interessierte in der ganzen Welt ausgeliefert würden, wisse man inzwischen "auch im letzten Dorf in Australien von der Brotfabrik in Heddesheim", erinnerte er humorvoll an die Ausgrabungen im Neubaugebiet Mitten im Feld.

Für die IG Heimatgeschichte ist die Schau die inzwischen fünfte Ausstellung im Alten Rathaus und die achte insgesamt, erinnerte Edith Sollich in ihrer kurzen Begrüßung an die Anfangsjahre 2003 bis 2005, als die Interessengemeinschaft Heimatgeschichte zu solchen Gelegenheiten noch in die Museumsscheune einlud.

Traditionell legt die IG auch im Alten Rathaus wieder ein Gästebuch aus (Sollich: "Für uns eine schöne Erinnerung"), in das sich die Besucher der Eröffnung bereits fleißig eintrugen. "Die Ausstattung der Ausstellung hat ein großes Loch in unser Budget gerissen", verwies Sollich zudem auf den aufgestellten Spendenkrug, der in den kommenden Wochen von möglichst vielen Besuchern im Alten Rathaus gefüllt werden will.

Geöffnet ist die Ausstellung "Mehr als 1100 Jahre ... Archäologie in Heddesheim" jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr. Die Mitarbeiter der Reiss-Engelhorn-Museen werden an ausgewählten Vormittagen Führungen anbieten. Termine werden noch bekanntgegeben.

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