Heddesheim

Heddesheim DRK schließt Sammel- und Ausgabestelle in der Beindstraße / Kooperation mit kommunalem Entsorger AVR

Container ersetzen die Kleiderkammer

Etwas Wehmut schwingt mit, wenn Monika Polet zurückblickt. 26 Jahre lang war die DRK-Kleiderkammer neben der Alten Schule in Heddesheim ihr Reich. „Es war ein schönes Schaffen“, sagt die 74-Jährige. Jetzt ist Feierabend. Die Kammer schließt, Neues kommt. An fünf öffentlichen Plätzen im Ort haben Gemeinde, DRK und die Entsorgungsgesellschaft AVR des Rhein-Neckar-Kreises dieser Tage Container aufgestellt. Dort können Bürger künftig loswerden, was sie im Kleiderschrank nicht mehr benötigen.

Einer der neuen roten Behälter steht auf dem Parkplatz am Friedhof. „Wir haben Standorte gewählt, die sich gut anfahren lassen“, erklärt Bürgermeister Michael Kessler beim Ortstermin mit Vertretern der AVR. Das kommunale Unternehmen wird sich um die regelmäßige Leerung kümmern – und notfalls um das, was neben den Containern landet.

Erlös fließt an Ortsverein

„Wir haben eine Rahmenvereinbarung mit den DRK Kreisverbänden Mannheim und Heidelberg“, erklärt Gerhard Barthel, der bei der AVR den Bereich Entsorgungslogistik leitet. „Die Erlöse aus der Verwertung der Altkleider geben wir eins zu eins an das DRK weiter“, verspricht er. Nur die reinen Logistikkosten würden abgezogen. „Das Geld fließt also auch weiter in unseren Ortsverein“, betont Thomas Tuschner, DRK-Vorsitzender in Heddesheim. „Umso mehr werden wir darauf achten, dass wir wilde Sammelstellen auf öffentlichen Plätzen zügig entfernen“, sichern Kessler und Ordnungsamtschefin Silke Schmidt zu.

„Wildfremde Firmen, die wahllos Altkleider-Container auf öffentliche oder private Flächen stellen“: Dieses Problem hat nicht nur Heddesheim, sagt der Bürgermeister. „Denen geht es aber in aller Regel nicht um den guten Zweck, sondern um den Profit“, nennt er einen wesentlichen Unterschied zum AVR-Modell. Hinzu komme, dass sich an den wilden Sammelstellen oft der Müll häufe, weil sich keiner darum kümmere. „Am Ende macht es dann die Gemeinde weg.“

Viele langjährige Mitstreiter

Das Problem mit dem Müll kennt auch Monika Polet. In zweieinhalb Jahrzehnten haben sie und ihre wechselnden Mitstreiter schon so ziemlich alles in und vor den Containern an der Kleiderkammer gefunden. Tote Tiere inklusive. Mit DRK-Sozialleiterin Polet halfen zuletzt Ingrid Matthes und Karin Elfenthal, die Spreu vom Weizen zu trennen. Brauchbares gaben sie an Bedürftige weiter. Alles andere wanderte, wenn es kein Müll war, ins Recycling. „Eine wichtige Einnahmequelle“, sagt Tuschner. Aber eben auch eine, die viel ehrenamtliche Arbeitskraft erforderte. „Es haben immer viele in der Kammer mitgeholfen“, lobt der Vorsitzende seine Vereinsmitglieder. Gerade beim Abtransport der schweren Säcke waren zupackende Hände willkommen. Einige wichtige Unterstützer seien freilich bereits gestorben, fügt er an. Etwa der frühere Gemeinderat und DRK-Chef Heinz Seeger. „Er und der damalige Sozialleiter Steffen Seib haben die Kammer aufgebaut“, erinnert sich Polet an die Herrichtung der kleinen, gemeindeeigenen Scheune. Oft war es hier für all die guten Taten zu eng – und im Winter fast immer zu kalt. „Die Bedingungen waren nicht optimal“, räumen Tuschner und sein Vorstandskollege Klaus Schuhmann im Gespräch zwischen den wenigen Restbeständen ein. Doch die Suche nach einer räumlichen Alternative sei erfolglos verlaufen. Vorerst soll der Raum dem gegenüberliegenden Ratskeller als kleines Lager dienen, berichtet Gemeinderat Schuhmann. „Mittelfristig haben wir die Fläche beziehungsweise die Scheune als Platz für Lüftung und Heizung für die Alte Schule im Blick“, informiert Bürgermeister Kessler.

DRK-Chef Tuschner ist einerseits froh über die praktische Lösung mit den neuen Containern. Dass diese nicht die Anlaufstelle ersetzen, die Bedürftige in der Kleiderkammer hatten, ist ihm gleichwohl bewusst. „So eine Einrichtung schließen zu müssen, ist schade“, bedauert er. „Wir haben deshalb schon überlegt, ob wir vielleicht einen Fahrdienst zu den Tafelläden in der Umgebung einrichten. Aber das muss sich noch entwickeln.“ Fest steht für ihn: Der Bedarf wäre da, Armut gebe es schließlich auch in Heddesheim.

Polet und ihre Helfer wissen das nur zu gut. „Die Kleiderkammer hat in den letzten 26 Jahren viel Gutes für die Bevölkerung getan“, stellt die 74-Jährige zum Abschied fest. „Ich hab’s gern gemacht“, sagt sie.