Heddesheim

Heddesheim Kabarettist Michl Müller sorgt für gute Stimmung in der Nordbadenhalle

„Das war alles zum Lachen – die Seele braucht das jetzt“

Archivartikel

„Müller... nicht Shakespeare“ stand an diesem Abend auf der Bühne der Nordbadenhalle in Heddesheim. Zum Glück! Denn die 240 Fans des fränkischen Kabarettisten Michl Müller waren nicht gekommen, um salbungsvolle Verse zu hören. Sie wollten – trotz Corona – mal wieder richtig lachen. Und der urige Franke sorgte denn auch mit seinem Programm aus lustigen Geschichten, witzigen Kalauern und flottem Gesang für Lachsalven im Saal.

„Wo Worte selten sind, da haben sie Gewicht“, heißt es bei Shakespeare im Drama Richard III. (1592). „Halt die Klapp’“, bei Michl Müller. Und die Julia in Verona sei in ihrer Liebesbeziehung zu Romeo „auch nicht gerade das hellste Licht auf der Torte“ gewesen. Das kommt an beim Publikum, die Mischung aus Comedy, Fasnacht-Büttenrede und fröhlich-schlüpfrigen Liedern, die auch an Karneval erinnern. Schließlich ist Michl Müller (48) ein Urgestein des fränkischen Faschings. Am Schluss klatschen und singen sie fast alle in der Halle stehend zum Kult-Song über die Fleischerei-Fachverkäuferin, die dem Michl wie immer zum Abschied ‘ne Scheibe Gelbwurst über die Theke reicht: „Das gibt meinem Leben wieder Sinn!“

Running Gag hält bis zum Schluss

Von Heddesheim habe er zuvor niemals etwas gesehen, aber drei Entscheidungskreisel hätten ihn tatsächlich zur Nordbadenhalle geführt, gesteht der Kabarettist gleich zu Beginn. Und dass hier ein Hinweisschild nach Muckensturm führt, hat ihn regelrecht begeistert. Karlheinz aus Hemsbach in der ersten Reihe wird sogleich ins Programm mit aufgenommen. Der „Running Gag“ hält bis zum Schluss, obwohl Michl Müller eigentlich gar nicht auf so eine Publikumsnummer steht, wie er versichert.

Frische Unterhosen, das Fernsehprogramm mit Tatort und Rosamunde Pilcher, die Liebesbeziehungen von Adam und Eva über Romeo und Julia bis zu Florian Silbereisen und Helene Fischer, fitte Rentner, die noch Sex haben und Marathon laufen, Berater in Telekom-Callcentern und im Baumarkt, Rauchmelder im Schlafzimmer, von den Globuli bis zu den Vegetariern, und natürlich über Frauen beim Shoppen und Männer-Hygiene, das sind die Themen, über die Michl Müller sich auslässt und die bei seinen Fans ankommen. Das hat Witz, auch wenn er erzählt: „Ich war so besoffen, dass ich sogar Brot ins Klo geschmissen habe für die WC-Ente!“

„Das war alles zum Lachen, das ist die Hauptsache. Die Seele braucht das jetzt“, freut sich die Weinheimerin Doris von Arndt im Publikum. Und es sei ganz toll, dass der Heddesheimer Bürgermeister dem Michl Müller die Nordbadenhalle für seinen Auftritt zur Verfügung gestellt habe, nachdem die Veranstaltung in der Weinheimer Stadthalle habe abgesagt werden müssen. „Sehr lustig, ich wollt mal wieder fränkischen Humor genießen, beim Michl Müller gibt’s immer was zu lachen“, lautete das Fazit von Hermann Miller aus Heddesheim am Ende des Abends.

Franz Kain: Einen Anfang gemacht

Auch Veranstalter Franz Kain mit seiner Agentur VoiceArt war nicht unzufrieden mit „meiner ersten Veranstaltung in dieser Größenordnung mit mehr als 100 Leuten seit über einem halben Jahr“. 350 Besucher hätten unter Corona-Bedingungen in die Halle gepasst, 240 hatten auf den streng aufgeteilten Stuhlreihen Platz genommen. Groß Geld verdienen werde er damit nicht, aber ein Anfang sei gemacht, betont Kain. Und das sei wichtig für Künstler, Techniker und Veranstalter. Auch bei den Besuchern sieht er „Nachholbedarf“, trotz Abstandsgebot und Maskenpflicht habe das Publikum wohl viel Spaß mit Michl Müller gehabt.

Auch Kains Dank galt Bürgermeister Michael Kessler, der das Kulturprogramm in der Pandemie erst möglich gemacht habe. Am 10. Oktober gibt’s hoffentlich wieder was zu lachen in der Nordbadenhalle. Dann kommt das Comedy-Duo „Mundstuhl“ mit dem Programm „Flamongos“ nach Heddesheim. Und die beiden Komiker Lars Niedereichholz und Ande Werner finden dann sicher auch den Weg über die drei „Entscheidungskreisel“.