Heddesheim

Heddesheim Autor Peter Prange stellte im Bürgerhaus seinen neuen Roman „Eine Familie in Deutschland“ vor / Große Resonanz

Den Nationalsozialismus „im Stinknormalen“ darstellen

Archivartikel

Der „Pflug“ im Heddesheimer Bürgerhaus füllte sich, immer mehr Stühle wurden zu den schon aufgereihten dazustellt. Bevor die Lesung begann, wurden die Besucher von Bücherei-Leiterin Annette Eyckmann und Patrick Palm von der Bücherecke zur ersten offiziellen Kooperationsveranstaltung zwischen Bücherecke und Gemeindebücherei willkommen geheißen. Zur Freude der beiden kam kein Geringerer als Peter Prange, um aus seinem neuesten Roman „Eine Familie in Deutschland: Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“ zu lesen. Insgesamt, so Palm, gebe es zweieinhalb Millionen Auflagen seiner Bücher auf der Welt, die in 24 Sprachen übersetzt wurden: „Wir haben wirklich Glück, dass er heute hier ist. Er wurde sogar schon von unserer Bundeskanzlerin zitiert!“ Prange konterte lässig: „Darauf habe ich das ganze Leben hingearbeitet“. Und hatte die Lacher auf seiner Seite.

„Lebensthema“ Nazizeit

Auf der Autobahn lese er immer das Hinweisschild für Heddesheim: „Das musste doch mal kennenlernen, dachte ich mir.“ Und schon stieg er ein und gab eine erste literarische Kostprobe seiner Auseinandersetzung mit der deutschen Jahrhunderttragödie. Sein zweiteiliger Roman beginnt mit dem Tag von Hitlers Machtergreifung 1933 und endet mit dem Tag der deutschen Kapitulation 1945.

„Die Nazizeit“, bekannte er, „ist ein Lebensthema von mir.“ Zu dem auch die Überlegung gehörte, was er wohl für ein Mensch geworden wäre, „hätte ich nicht einen A... voll Glück gehabt und wäre vor 1955 geboren worden.“ Er wolle verstehen, wieso die Menschen damals so gehandelt hätten. Im Mittelpunkt seines Werks steht das Schicksal einer Familie, deren Mitglieder sich auf unterschiedliche Art und Weise bewähren und entscheiden müssen, ob sie sich dem Regime beugen und mitmachen, oder sich widersetzen sollen.

Anhand einer Familie, also einer überschaubaren kleinen Welt, versuche er „den Nationalsozialismus im Alltäglichen, im Stinknormalen“ zu zeigen.

Es sei ein Glückstreffer gewesen, als er sich für die Stadt Wolfsburg entschied, in der die Geschichte stattfindet. Prange hatte viel zu erzählen, über historisch verbürgte, aber nicht jedem geläufige Fakten. Etwa, dass Wolfsburg bis 1945 „Stadt des Kdf-Wagens bei Fallersleben“ hieß und als Musterstadt Hitlers gebaut werden sollte. Die Besucher staunten und lauschten gebannt. „Man sieht, wie blind die Leute damals waren“, sagte der Autor, während er schockierende Parallelen zur heutigen Zeit aufzeigte.

Verfilmung geplant

Nicht nur mit dem geschriebenen, sondern auch mit dem gesprochenen Wort zog der Schriftsteller sein Publikum im Laufe des Abends in seinen Bann, tat es mal mit Witz und Charme, mal mit einer gewissen Strenge und der harten Realität.

„Wirklich sehr beeindruckend, welche Recherchen wie exakt in die historischen Verhältnisse miteingebunden sind“, schwärmte Zuhörer Friedel Wagener : „Auch, wie die persönlichen Charaktere miteinander verknüpft sind, finde ich klasse.“

Nicht nur er: Prange verriet, dass bereits Gespräche mit Filmproduzenten geführt wurden, um die Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Pranges letzter Roman, „Unsere wunderbaren Jahre“, wurde bereits verfilmt - er wird nächstes Jahr als Mehrteiler im Fernsehen ausgestrahlt. kata