Heddesheim

Heddesheim Oliver Zink holt den Veteranen-Weltmeister-Titel im Kickboxen / Trainer will Selbstvertrauen und Respekt an Schüler weitergeben

„Der Sport hat mir immer Halt gegeben“

Archivartikel

„Ich habe im Alter alles erreicht, wovon ich in jungen Jahren geträumt habe“, sagt Oliver Zink und strahlt. „Alter“ ist relativ. Zink ist 44 Jahre. Vor 20, 25 Jahren begann er mit dem Kickboxen, gelangte bald zum Muay Thai, dem Thaiboxen. „Ich war immer sehr ehrgeizig und habe hart trainiert“, blickt er zurück. Und doch stand er sich selbst im Weg: „Ich war ein Hitzkopf.“ Heute ist er um zwei Jahrzehnte Lebenserfahrung reicher – und Weltmeister in der Veteranenklasse seiner Sportart.

Hinter Zink liegen erfolgreiche Monate. Dabei hatte der Heddesheimer die eigene sportliche Karriere bereits vor Jahren an den Nagel gehängt. Das Engagement als Trainer nahm ihn stattdessen voll ein. „In den letzten Jahren haben ich mich nur noch um den Nachwuchs gekümmert“, erzählt er. Als er merkte, dass er „mit den Jungen noch gut mithalten kann“, habe es ihn doch „wieder gejuckt“. Er holte die Boxhandschuhe aus dem Schrank – und im vergangenen Jahr prompt den Deutschen Meistertitel. Damit gelang ihm nicht nur der Sprung in die Nationalmannschaft, sondern er qualifizierte sich obendrein für die Europameisterschaft in Kiew im Mai dieses Jahres. Drei Mal schaffte er es dort aufs Treppchen, holte unter anderem Gold in der Veteranenklasse bis 80 Kilogramm.

Dank Ehefrau zum Erfolg

Mit dem Erfolg in der Tasche „war klar, dass ich mich für die WM qualifiziert habe“, sagt Zink. Die International Sport Kickboxing Association ISKA – Weltverband dieser Sportart – richtet das Turnier für Amateure aus. Gekämpft wird nach dem sogenannten Regelwerk K1, das Techniken verschiedener Kampfsportarten kombiniert und so eine größere Zahl an Kampfsportlern erreicht, wie Zink erklärt. Um seine Chancen zu erhöhen, speckte der 44-Jährige innerhalb von drei Monaten acht Kilo ab. Dann flog er Mitte September mit seiner Frau Katharina nach Montego Bay auf Jamaika.

Dass er mit dem WM-Titel („Der absolute Mega-Hammer“) aus der Karibik zurückkam, verdanke er nicht zuletzt ihrem Beistand, blickt der Sportler zu seiner Frau. „Sie hat mir als Betreuerin jeden Wunsch von den Lippen abgelesen.“ Und ihm den sprichwörtlichen Tritt in den Hintern verpasst, als ihn am Morgen vor den Wettkämpfen Selbstzweifel quälten. „Sie hat mich dann wieder eingenordet und gesagt: ,Du ziehst das jetzt durch.’“

Zink und seine drei Jahre jüngere Frau sind auch beruflich ein Team. Seit 2012 betreiben die beiden ihr „Studio 68“ in der Heddesheimer Lessingstraße. Während er werktags von 6 bis 14 Uhr als Verwalter beim Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg arbeitet („seit 18 Jahren“), steht die dreifache Mutter im Laden, gibt außerdem selbst Fitness-Kurse. Nachmittags geht der Arbeitstag auch für Trainer Oliver Zink im Studio weiter: „Sieben Tage die Woche bis 21 Uhr“, sagt er. Nächsten Monat wollen die Zinks expandieren und ein weiteres Studio in Mörlenbach eröffnen.

Thaiboxen als Lebenseinstellung

„Für mich ist das Thaiboxen mehr als ,nur’ ein Sport, es ist eine Leidenschaft und Lebenseinstellung“, erklärt der Familienvater. Zwei oder dreimal im Jahr reisen die Zinks nach Thailand, wo das Muay Thai als Kampfkunst eine Jahrhunderte alte Tradition hat. „Die Thais identifizieren sich damit in etwa so wie die Engländer mit dem Fußball“, erklärt Zink. Wo andere Badeurlaub machen, bildet er sich als Trainer fort: „In Thailand kann ich mich weiterentwickeln und neue Techniken lernen.“

Dass Kampfsport generell nicht in erster Linie positiv assoziiert wird, ist ihm bewusst. „Als ich anfing, war das Kickboxen eine Randsportart, bei der die Leute an tätowierte Schläger, Türsteher oder Zuhälter gedacht haben“, räumt er ein. „Ich habe ja selbst einige der Klischees erfüllt“, ergänzt er und lacht.

Aber die Sicht auf den Sport habe sich geändert. „Viele gute Trainer haben ihn gesellschaftsfähig gemacht“, ist Zink überzeugt und betont: „Hinter der Kampfkunst Thaiboxen steckt eben mehr, als sich – salopp gesagt – gegenseitig auf die Murmel zu hauen.“ Die ganze Zeremonie um den eigentlichen Kampf herum, der Tanz zum Aufwärmen und die Musik – „das alles dient dazu, dem Trainer und der Familie Respekt zu zollen“, erklärt er.

Über den Kampfsport Selbstvertrauen und gegenseitigen Respekt gerade bei Kindern und Jugendlichen zu stärken – genau darum gehe es ihm in seiner Arbeit als Trainer. Nicht zuletzt aus der eigenen Erfahrung als „Hitzkopf“. „Mich selbst hat der Sport immer wieder auf den geraden Weg gebracht und mir Halt gegeben“, sagt er. „Und genau das versuche ich heute, auch meinen Schülern zu vermitteln.“