Heddesheim

Heddesheim Brauch lebt „mittendrin“ auf / Lob für neuen „Pfarrer“ Henrik Fütterer / 150 Euro Schlumpel-Lösegeld geht an Mini-Club

„Die Kerwe losse mer net sterwe“

Archivartikel

Für kurze Zeit gab es Hoffnung auf ein glückliches Ende: Das war der Moment, als die von Fortuna-Fußballern entführte Kerweschlumpel Gretel am Montagabend im Heddesheimer Bürgerhaus wieder auftauchte. In der Freude über das Wiedersehen handelten Heimat- und Traditionsverein (HTV) sowie Kerweborscht mit dem Alte-Herren-Team der Kicker eine schöne Auslösesumme für die entführte Gretel aus, von dem der örtliche Mini-Club zur Betreuung von Kleinkindern profitieren soll, wie die Fortunen anregten.

Untröstlicher Bräutigam . . .

Wie untröstlich wirkte Kerwebräutigam Steven Benzler, als „seine“ Gretel einen oder zwei Schlucke später auf dem Rathausvorplatz das Zeitliche segnete. Den Fackelzug mit der abgedeckten Puppe im Schubkarren begleiteten die Guggemusiker der Heddesema Zahlekracher diesmal wieder zurück in Heddesheims gute Stube, wo der Karnevalsverein Hellesema Grumbe Gläser füllte. Kerweparre Henrik Fütterer gelang es als Neuling im Amt hervorragend, die versammelte Trauergemeinde zu trösten: „Die Kerwe, die losse mer net sterwe.“ Die 40-jährige Jasmin Schmitt zeigte sich begeistert: „Er hat es super gemacht und sollte unbedingt dabei bleiben.“ Da war die Schlumpel zum Gesang des Kerwechorals „Bludworschd unn Sauerkraut“ bereits buchstäblich unter der Erde verschwunden – ein versenkbarer Bühnenteil machte es möglich.

Welch große Bedeutung dieser Brauch für die Heddesheimer Akteure hat, kam bei der Feier unter dem Motto „mittendrin“ klar zum Ausdruck, auch bei der traditionell abschließenden Beerdigung mit Verlosung der Kerwesau. Diese gewann Dominic Brenneisen, wie ein hochzufriedener HTV-Chef und Lösegeld-Unterhändler Klaus Gerstner mitteilte.

. . . hofft auf „Einbürgerung“

„Es war mir eine große Ehre, das Amt zu bekleiden“, erklärte Kerwebräutigam Benzler. Als alter Schulfreund von Kerweborscht Marcus Koller war er bei der rauschenden „Blaulichtparty“ der Freiwilligen Feuerwehr gerne in den wie angegossen passenden Mantel dieser Traditionsfigur der Kerwe geschlüpft. „Das bringt mich als gebürtigen Neckarauer in die richtige Spur, um endlich als Hellesema akzeptiert zu werden“, erklärte Benzler schmunzelnd. Auch der neue Kerwepfarrer fühlte sich wohl: „Super“ sei die Premiere gewesen, so der 41-jährige Heddesheimer Feuerwehrmann. „Dabei war ich nie so der Kerwegänger, sondern bin eher Fasnachter“, sagte der Elferrat des Mannheimer Carneval-Clubs (CC) Waldhof. Ob er „Kerweparre“ bleibt, ließ Fütterer offen. Doch sagte er: „Ich bin begeistert von der Reaktion der Leute.“

Zufrieden zeigte sich auch Ober-Kerweborscht Koller: „Mit der Kerwe mittendrin ist es leichter, die Bewohner mitzureißen.“ Hintergrund: Bis 2017 wurden die vier tollen Tage sowohl am Badesee als auch im Ortskern gefeiert. Dass sich Anwohner rund ums Rathaus nun über die Fahrgeschäfte in der Nachbarschaft beklagt haben sollen, versteht Grumbe-Chef Franz-Josef Mayer nicht: „Waren diese Leute niemals jung?“ Er erinnert sich noch gut an frühere Zeiten: „Da war richtig Halligalli und selbst die Kerwe-Beerdigung in der Scheuer am heutigen Seniorentreff ein Feiertag.“

Neben Fußballern, Karnevalsverein, HTV und Feuerwehr trugen auch Schützen und SG-Handballer zum Gelingen der jüngsten Auflage bei. Robin Maier hob das „überragende Ergebnis für Heddesheims Nachwuchs“ hervor, weil „seine“ Fortunen 50 Euro für den Mini-Club ausgehandelt hatten, die der HTV um 100 Euro aufstockte. Gretel 2019 starb also nicht umsonst.