Heddesheim

Heddesheim Evangelischer Kindergarten in der Beindstraße feiert seinen neuen Namen / Symbol für Offenheit, Toleranz und Vielfalt

„Die Schäfchen“ gehen schon voll in ihrer Rolle auf

Archivartikel

Ob in einem Kindergarten schon jemals so viel geblökt wurde? Mit großer Begeisterung sind die Kleinen bei der Sache und rufen immer lauter „Mäh!“, wenn Pfarrerin Franziska Stoellger mit Kirchenmaus Hieronymus in der Hand eine Pause macht. Gemeinsam mit den beiden Kirchengemeinderätinnen Marion Wiedemuth und Britta John setzt die Pfarrerin die Botschaften des Psalms 23 kindgerecht in Szene – und freut sich über den „tierischen“ Chor.

Der gute Hirte, er gehört zu jeder Schafherde, und als ebendiese versteht sich der evangelische Kindergarten in der Heddesheimer Beindstraße – und nennt sich fortan auch so: „Die Schäfchen“. Kinder, Eltern, Großeltern, Geschwister und Erzieherinnen feiern die Namensgebung bei Getränken, Kuchen und Sonnenschein gemeinsam. Für den Förderverein überreicht Vorsitzende Sina Zeiß dem Kindergarten-Team um Jasmin Rashidi ein kleines Präsent.

Idee der Kinder

„Der Name war eine Idee der Kinder“, erklärt Rashidi, die den Kindergarten seit zwei Jahren leitet, am Rande der Feier. Als die Kleinen beim großen Jubiläumsumzug 2017 als Schäfchen verkleidet durch die Straßen von Heddesheim zogen, blieb das süße Bild vielen Bürgern noch lange vor Augen. „Die Kinder haben selbst immer wieder davon gesprochen, dass sie die ,Schäfchen’ seien, und auch im Ort wurde das sehr gut aufgenommen“, erklärt Rashidi. Mit ihrem Team spielte sie da schon ein Weilchen mit dem Gedanken, den eher nüchternen Namen Beindstraße durch etwas Passenderes zu ersetzen. Und sie fand viele Gründe, die für die „Schäfchen“ sprachen. „Das Schaf spielt in der Bibel eine große Rolle“, erklärt sie und nennt eben jenen Hirtenpsalm als Beispiel. „Und eine Schafherde besteht wie unser Kindergarten aus vielen ganz verschiedenen Individuen. Jedes davon bereichert unsere Gruppe“, sieht Rashidi Offenheit und Toleranz in dem Namen schön versinnbildlicht.

„Wir sind ein evangelischer Kindergarten und stehen hinter diesem Profil, aber natürlich wollen wir auch zeigen, dass wir gegenüber anderen Religionen offen sind“, betont sie. Nicht zuletzt recherchierte die Erzieherin ein wenig im Internet und fand heraus: Kindergärten mit demselben Namen lassen sich im ganzen Land wohl an einer Hand abzählen. „Das ist zusätzlich ein schönes Alleinstellungsmerkmal.“

Bezüge zur Bibel

„Frau Rashidi hat uns mit ihren Argumenten sehr gut überzeugt“, bestätigen übereinstimmend Pfarrerin Stoellger sowie die Kirchengemeinderätinnen John und Wiedemuth, die bei der Entscheidung schließlich ein Wörtchen mitzureden hatten. Besonders der Gedanke der Vielfalt, die auch eine Schafherde prägt, gefällt der Pfarrerin: „Auch die Kinder sind ja nicht alle gleich.“ Mit dem Zeichenstift gekonnt eingefangen hat ihr Pfarrer-Kollege Dierk Rafflewski diesen Aspekt in dem bunten Logo mit den putzigen Schäfchen, das auf dem neuen Schild am Kindergarten prangt.

„Man kann sehen, die Kinder identifizieren sich mit ihrer Rolle“, sagt Pfarrerin Stoellger angesichts der fröhlichen „Mäh“-Rufe bei ihrem Segen. Das Lied von den wilden Schäfchen geht den Kleinen jedenfalls schon so gut über die Lippen, als wäre es in der Beindstraße schon eine lange Tradition.