Heddesheim

Heddesheim Willy-Brandt-Medaille an Leonhard Schneider verliehen / Binding zu Nahles-Rücktritt: „Verliert die Mannschaft, muss der Trainer gehen“

Ehrung für 70 Jahre gelebter Solidarität

Archivartikel

„Wir sind zusammengekommen, um Leonhard Schneider für seine 70-jährige Mitgliedschaft in der SPD mit einer besonderen Ehrung zu danken“, begrüßte Ortsvereins-Vorsitzender Michael Holler, die Besucher im St. Remigiushaus und präzisierte: „70 Jahre des persönlichen Eintretens für Freiheit und Demokratie.“

Unter den Gästen, Weggefährten und Freunden des Jubilars waren zu der Feierstunde auch Bundestagsabgeordneter Lothar Binding und der Ladenburger Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck. Holler stellte fest: „Die Grundwerte der SPD, Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit, gelten immer noch, und daran wird sich nichts ändern“. In den letzten 70 Jahren hätten sich immer wieder die Mittel geändert, mit denen die SPD versucht habe, diese Werte in der politischen Wirklichkeit umzusetzen.

Höchste Auszeichnung der Partei

„Du hast die Partei immer begleitet, auch wenn sie bei den Umsetzungsprozessen Fehler gemacht hat“, erklärte Holler und fügte hinzu: „Du bekommst heute die höchste Auszeichnung der SPD überreicht: Die Willy-Brandt-Medaille“.

Das Vermächtnis des einstigen Bundeskanzlers zeige, was die Sozialdemokratie in der Nachkriegszeit außen- und innenpolitisch bewegte, um Deutschland zu einem besseren Nachbarn zu machen.

„Keine Partei hätte über eine so lange Zeit erfolgreich sein können, wenn Mitglieder wie du nicht bereit gewesen wären, neue Antworten auf neue Fragen zu geben,“ dankte Holler für Schneiders Engagement in sieben Jahrzehnten. Binding würdigte den Weg des Geehrten, der 1948 den Weg zur SPD fand. Bei den Motorenwerken Mannheim arbeitete Schneider als Maschinenschlosser, war Vertrauensmann, Betriebsrat und kandidierte auch für den Gemeinderat. „Soziale Gerechtigkeit hat dich in praktischer Anwendung zur SPD geführt“, lobte Binding den Einsatz Schneiders für seine Arbeitskollegen. Aktiv am Heddesheimer Vereinsleben beteiligt, war er zudem aktiver Handballer und auch noch im Rentenalter als Sportkegler beim Arbeiter-Turnerbund ein fairer und angesehener Sportfreund.

Bei allem Lob konnte Binding aber doch die Tagespolitik und den Rücktritt der Bundesvorsitzenden Andrea Nahles nicht unerwähnt lassen. „Es ist ähnlich wie bei den Fußballern: Verliert die Mannschaft, muss der Trainer gehen. Eine spannende Zeit liegt vor uns“. Binding beklagte, dass die Zersplitterung zunimmt; das habe sich auch bei den Kommunalwahlen gezeigt. „Solidarität war ein Begriff, der lange Zeit in der SPD gelebt wurde“,wandte sich der Abgeordnete an Schneider und dankte ihm, dass er diesen Wert stets praktizierte.

Kleinböck griff den Faden auf und konnte sich eine Kritik nicht verkneifen: „Wie die Partei mit Männern wie Helmut Schmidt, Willy Brandt, Martin Schulz und Gerhard Schröder umgeht, ist erstaunlich. Erst feiert man sie, dann lässt man sie fallen.“ Allerdings stellte er auch fest: „Wir sind nicht in der SPD wegen eines Vorsitzenden, sondern wegen der Idee der Partei.“ Er dankte Schneider ebenfalls, der sich über die Ehrung freute, aber auch feststellte: „Es ist nicht immer leicht gewesen, Sozialdemokrat zu sein“.