Heddesheim

Heddesheim Inklusionsklasse 5a der Karl-Drais-Gemeinschaftsschule nimmt im Studio den Namika-Song „Je ne parle pas francais“ auf

Ein Lied drückt alles aus

Von unserem Mitarbeiter

Stephan De Maria

Die Aufregung ist groß, und sie ist klar zu spüren und zu hören. Die moderne, umfangreiche Technik, die Profis, bei denen jeder Handgriff sitzt, das hinterlässt Eindruck. Aber kaum läuft die Musik, ist fast alles vergessen, und sie singen, bewegen sich dazu unwillkürlich, grooven sich mit dem zweiten, dritten Versuch ein. Die Klasse 5a der Heddesheimer Karl-Drais-Gemeinschaftsschule steht im Tonstudio Anixe im Mannheimer Musikpark, gleich neben der Pop-Akademie, und nimmt gemeinschaftlich einen Song auf. Die Aufnahme im Profistudio ist Höhepunkt aber noch nicht Schlusspunkt eines Projekts, das im April eher zufällig geboren wurde.

„Wir waren auf Klassenfahrt und feierten einen Karaoke-Abend, als eine der Gruppen den Song „Je ne parle pas francais“ von Namika gesungen hatte. Das hat uns alle total bewegt“, erzählt Lennard, der nicht mitsingt, sondern zum Technikteam des Projektes gehört. Manuel Bach, betreuender Lehrer der 28-köpfigen Inklusionsklasse, erstellte damals als Erinnerung an die Klassenfahrt eine Videocollage – inklusive dieses Songs. „Und als wir den hörten, mussten ein paar von uns weinen“, sagt Lennard. Bach ergänzt: „Einige Schüler der Klasse können nur schwer mit Worten kommunizieren.

Aus Kaffee wird Eisbecher

Mit der Situation, die Namika besingt, konnte sich die Klasse sofort und sehr intensiv identifizieren. Darin geht es nämlich darum, sich einem Menschen trotz fehlender gemeinsamer Sprache nahe zu fühlen.“ Woraufhin Bach gemeinsam mit seinen Kolleginnen Elena Rothfuß und Kirsten Lang den Songtext anpassten. Aus den Champs-Elysée wurde in Heddesse am See, aus den Tassen Kaffee wurden Eisbecher: „Ich verstehe nicht alles, aber bitte red’ weiter. Alles, was du so erzählst, hört sich irgendwie nice an. Und die Zeit bleibt einfach stehen, ich wünscht’, ich könnt’ dich verstehen.“

Die Freude darüber war riesig in der Klasse, jetzt hatte die 5a tatsächlich ihren eigenen Song, und alle können ihn mittlerweile in- und auswendig singen, selbstredend fand er Eingang in den Musikunterricht. Überhaupt spielt Musik eine große Rolle im Klassenleben, wie Lennard hinzufügt: „Wir hören auch in manchen anderen Fächern Musik im Unterricht, wir haben gemerkt, dass uns das ein gutes Gefühl gibt, wir sind mehr bei der Sache und besser drauf.“ Acht der 28 Kinder in der Klasse benötigen besondere Förderung, weshalb stets zwei Lehrer in der Klasse tätig sind - die Fachlehrer sowie ein Lehrer zur besonderen Unterstützung. „Der Klassenzusammenhalt ist großartig, deshalb haben wir überlegt, wie wir noch mehr aus dem Lied machen können“, sagt Bach. Die besondere Bedeutung genau dieses Songs sollte nicht mit dem Singen im Unterricht enden, irgendwann kam jemand auf die Idee ins Studio zu gehen und eine professionelle Aufnahme erstellen zu lassen.

Aufführung beim Schulfest

In Gruppen zu fünf bis sechs singen die Kinder je eine Strophe und einmal den Refrain, in zwei bis drei Anläufen sitzt jede Strophe. Textsicher und auch gut aufeinander abgestimmt lassen sie sich auf das Abenteuer ein.

Der Schlusspunkt des Projektes soll auf dem Schulfest folgen, wenn die Klasse das Lied nicht nur auf der Bühne live singt, sondern auch in einer eigenen Choreografie aufführt. Doch das ist noch Zukunftsmusik, hier und jetzt genießen sie in heiterem Geplapper das Abenteuer Aufnahmestudio, ihren eigenen Song und ihren ganz besonderen Zusammenhalt.