Heddesheim

Heddesheim Kunstverein zeigt Werke des verstorbenen Malers heute und morgen in der Dorfplatzscheune

"Entdeckungen" von Hans Müller

Seine Zeichnungen haben Heddesheim durchs Jubiläumsjahr begleitet, obwohl er schon 30 Jahre nicht mehr lebt: Hans Müller. Bei den Vorbereitungen der Festivitäten tauchte ein riesiges Panorama auf, das den Ortskern der einstigen Tabakgemeinde zeigt. Daneben gibt es unzählige Motive, die markante Punkte in Heddesheim abbilden, wie sie vor 30 oder mehr Jahren ausgesehen haben.

Der Kunstverein widmet dem Maler jetzt eine Ausstellung namens "Entdeckungen". Der Titel weist nach den Worten des Vorsitzenden Bernd Gerstner zum einen darauf hin, dass die Arbeiten jahrelang (seit 1987) im Dornröschenschlaf lagen und jetzt wiederentdeckt wurden. Zum anderen geht es darum, dass man in den Bildern von Hans Müller viel entdecken kann: Gebäude, Straßenzüge und Landschafen aus vergangenen Zeiten, hauptsächlich in und um Heddesheim.

Den Ausschlag zu der Ausstellung gab die Restaurierung jenes riesigen Panoramas von der Ortsmitte. Gerstner, selbst Künstler, hat sich dieser Aufgabe angenommen: "Wenn man einem Bild so nah kommt, stellt man sich natürlich auch die Frage, wer war der Maler, der ein so großes Bild so perspektivisch genau gemalt hat." Die Nichte, Luise Würthwein, war in der Folge Ansprechpartnerin und versorgte den Kunstverein mit den Bildern und den "Lebensdaten" von Hans Müller, die sie mit dessen Tochter, Cornelia, zusammengetragen hat.

Hans Müller wurde 1921 in Heddesheim geboren und besuchte dort die Schule. Von 1936 bis 1939 machte er eine Lehre als Maschinenbauer bei BBC. Danach ging er auf die Ingenieurschule in Mannheim. Ab 1940 war er Soldat, war im Afrikakorps, kam in Kriegsgefangenschaft nach Kanada und England. 1947 kehrte er zurück und setzte das Studium fort. Von 1949 bis 1982 arbeitete er als Ingenieur bei BBC. 1953 heiratete er seine Frau Hannelore, mit der er zwei Kinder hatte.

1982 ging er in den Ruhestand. Ab dieser Zeit sind dann auch die meisten seiner Arbeiten mit Heddesheimer Motiven entstanden. Er war aktives Mitglied im Männergesangverein, wie schon sein Vater Fritz. Für das 140. Jubiläum des Vereins malte er 1987 das große Bühnenbild, das 30 Jahre später noch einmal zu neuen Ehren kam. "In die beiden Bilder vom Straßenfest in der Vorstadtstraße kann man fast eintauchen", schwärmt Gerstner: "Man folgt den interessierten Blicken der Besucher und erkennt die Details wie den wegfliegenden Luftballon."

"Leider sind keine Aufzeichnungen zur künstlerischen Tätigkeit von Hans Müller vorhanden", bedauert Gerstner. Auch Bildtitel sind keine bekannt. Schon das Bild von 1951 - ein Aquarell nach Franz Marc - zeigt nach den Worten des Kunstvereinsvorsitzenden "eine Qualität, die darauf schließen lässt, dass es nicht das erste Bild war, das er gemalt hat."

In der Ausstellung dominieren solche Bilder, die perspektivisch genaue Ortsansichten zeigen. "Die Genauigkeit ist wohl auch auf seine Ausbildung und Tätigkeit als Ingenieur zurückzuführen", vermutet Gerstner. Seinen Motiven gab Müller mit sicher gesetztem Aquarellieren oder mit getöntem Papier eine besondere Tiefenwirkung.

Die Vernissage findet heute um 18 Uhr in der Dorfplatzscheune statt. Morgen, am Rande der 7. Heddesheimer Weinbörse, ist die Ausstellung dann in der Zeit von 11 bis 18 Uhr geöffnet.