Heddesheim

Heddesheim Peter Löffelad als Referent bei Volkshochschule zu Gast

Flurnamen bleiben weiterhin rätselhaft

Archivartikel

Mehr als 40 Interessierte kamen in den „Pflug“ beim Bürgerhaus, um sich über die Heddesheimer Flurnamen zu informieren. Friedrich Graser, der Leiter der Volkshochschule, hatte die Veranstaltung mit Peter Löffelad vom Ellwanger Institut für Sprachforschung organisiert.

„Vor 30 Jahren hat mich das Thema Flurnamen angesprungen“, erklärte Löffelad. Seither forscht er auf diesem Gebiet. Als im vergangenen Jahr eine Darmstädter Schülerin bei ihm ein Praktikum anfragte, wollte er ihr weite Wege ersparen und nahm mit der Schülerin die Heddesheimer Flurnamen unter die Lupe.

Flurnamen sind Bezeichnungen für unbewohnte Landschaften, die aber immer mehr durch die Bebauung mit Straßen und Häusern an Bedeutung verlieren. „Alteingesessene Menschen, im Regelfall Landwirte, sind wichtige Gewährsleute. Sie erinnern sich an alte Namen und deren Herkunft“, informierte der Sprachforscher. Auch die Mundart ist ein Faktor, der sehr hilfreich ist. „Ohne gründliche, wissenschaftliche Erforschung der Flurnamen ist eine Deutung aber sehr ungenau und bleibt oft rätselhaft“, so Löffelad, der sich mit der Erstellung eines Atlas für Flurnamen in Baden-Württemberg beschäftigt.

Durch Spracheinflüsse verändert

Er verglich die Erkundung der Namen mit einem Kriminalfall. „Die Spurensicherung, Zeugenbefragung und auch die Beweisaufnahme sind ähnlich“, sagte er. Allerdings gebe es immer weniger aktive Landwirte, die Auskunft geben können. Auch die festgehaltenen Namen haben sich im Lauf der Jahrhunderte durch Spracheinflüsse verändert. „Die Namen haben Pest und Cholera überlebt, müssen aber zukünftig weiterbestehen“, forderte der Redner und schilderte damit seinen Antrieb.

Mit dem Landwirt Heinrich Heinz war der Wissenschaftler einen Tag in und um die Heddesheimer Gemarkung unterwegs. Anhand von qualitativ mangelhaften Tonaufnahmen während einer Autofahrt versuchte Löffelad, die Flurnamen zu ergründen. So erklärte Heinz, dass das Wort Lellebollem von Lehmboden stammt und im Becherbruch einst Lehm für die Herstellung von Ziegelsteinen abgebaut wurde. „Erbsewies“ ist das Stück, auf dem früher Erbsen geerntet wurden, soviel ist laut Heinz überliefert. Es war eine der wenigen Erklärungen, die unstrittig sind. Der Name „Harresberg“ ist hingegen verschieden deutbar. „Dort ist keine große Erhebung, also kein Berg. Vielleicht stammt er vom Namen eines ehemaligen Besitzers ab“, sagte Löffelad. Wo heute die „FUN Arena“ steht, war früher eine Wassergrube, die beim Bau des Badesees gefüllt wurde. Daraus könnte sich „Haresen“ ableiten lassen, aber auch dies ist nicht sicher. Der Name „Saumagen“ könnte durch die Geländeform entstanden sein, ebenso „Ponnekuche“ – wegen der Ähnlichkeit mit einem Pfannkuchen.

„So bleiben viele Namen rätselhaft und sollten wissenschaftlich erforscht werden“, meinte Löffelad, der diese Arbeiten gerne publizieren würde – wenn sich ein Auftraggeber findet, der dies auch finanziert. diko