Heddesheim

Heddesheim Neue Landtagsabgeordnete 100 Tage im Amt / Empfang mit Wolfgang Reinhart

Fraktionschef prophezeit Julia Philippi vier Amtszeiten

Im großen Saal des Heddesheimer Bürgerhauses schüttelt sie an diesem Abend viele Hände, begrüßt etliche Gäste mit Namen. „Hallo Julia“, grüßen einige zurück, man kennt sich eben. Julia Philippi, CDU-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Weinheim, hat als langjährige Dossenheimer Gemeinderätin, Vize-Bürgermeisterin und Kreisrätin viele Parteifreunde, auch in den Nachbargemeinden ihres Wohnorts. Zum Jahresanfang übernahm sie als Nachrückerin in Stuttgart den Platz des Abgeordneten Georg Wacker, dem jetzigen Lotto-Chef.

„100 Tage im Mandat“ hat Philippi ihren Empfang im Heddesheimer Bürgerhaus überschrieben, zu dem sie mit Wolfgang Reinhart einen prominenten Gast eingeladen hat. Der Fraktionsvorsitzende im Landtag freut sich nach eigenem Bekunden besonders, mal wieder hier, in dieser Region zu sein: „Da schlägt mein Herz höher.“ Immerhin, so erzählt er den rund 80 Zuhörern, habe er in Mannheim und Heidelberg studiert, der Vater war Manager bei BBC, er selbst hat an der Schloss-Uni unterrichtet. Reinhart strahlt, als er unter den Gästen Karl Miltner entdeckt. Der heute 88-Jährige war in den 1980ern im Bundestag einer der Stellvertreter des damaligen CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Alfred Dregger und ab 1988 Regierungspräsident in Karlsruhe. „Für mich ist das heute ein wunderbarer Termin“, versichert Reinhart.

Das findet natürlich auch Rainer Hege, Chef des CDU-Gemeindeverbands Heddesheim, der die Gelegenheit nicht verstreichen lässt, dem Gast aus Stuttgart und Parteifreundin Philippi auch das Thema Ortsumgehung mitzugeben. Dafür, so Hege nach einem kleinen Exkurs über die Vorzüge seiner Heimatgemeinde, wünsche er sich „Rückenwind der Landes-CDU“.

Lokaler Anker soll bleiben

An Themen dürfte es Philippi in ihrem neuen Amt freilich auch so nicht mangeln, an Arbeit ohnedies nicht. Am Rande des Empfangs nimmt sie sich Zeit für ein Gespräch, erzählt von der „freundschaftlichen und kollegialen“ Aufnahme durch die Fraktion, die ihr den Start sehr erleichtert habe: „Ich fühle mich gut aufgehoben“, sagt sie. Viele Themen seien ihr von ihrer Arbeit als Gemeinderätin und Kreisrätin bekannt – wenn auch nicht immer „in dieser Dimension und Vielfalt“.

Wie bekommt sie das alles unter einen Hut? Das kommunal- und landespolitische Engagement ebenso wie Privates und ihre Galerie in Dossenheim, die zuvor ihr Hauptbetätigungsfeld war? Philippi lächelt. Als Mutter von drei – inzwischen längst erwachsenen – Kindern habe sie gelernt, „den Überblick zu behalten“, zu organisieren, zu strukturieren und Prioritäten zu setzen, erklärt sie. „Mein Mann übernimmt jetzt auch zu Hause noch mehr als vorher“, fügt sie hinzu. Und für ihre Galerie habe sie zwei Kräfte gefunden, an die sie das „operative Geschäft“ abgeben konnte. Bei der Planung von Ausstellungen strategisch mitzuwirken, lässt sich die Kunstliebhaberin jedoch nach wie vor nicht nehmen.

Trotzdem: „Die zeitliche Belastung hat enorm zugenommen“, räumt Philippi ein. Zumal sie auch ein wenig den Mannheimer Wahlkreis mitbetreut, der derzeit ohne eigenen CDU-Abgeordneten in Stuttgart ist. Plenarsitzungen und die Arbeit im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie im Petitionsausschuss erfordern nicht zuletzt neben ihrer Anwesenheit auch einiges an Fahrtzeit, die Philippi überwiegend in der Bahn verbringt. Daran gedacht, ein Amt in ihrer Heimat abzugeben, habe sie aber noch nicht. „Die kommunalpolitische Verankerung ist für die Landtagsarbeit wichtig“, findet sie.

Dass seiner neuen Kollegin im Landtag die ersten 100 Tage erfolgreich gelungen seien, bestätigt Fraktionschef Reinhart. Großes sei überdies noch von ihr zu erwarten, kündigt er an – und verweist mit einem Augenzwinkern auf den früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Dieser habe schließlich 1933 die 100-Tage-„Schonzeit“ bei der Einarbeitung in ein neues Amt quasi begründet. „Wie wir wissen, ist Roosevelt bis heute der einzige US-Präsident, der viermal ins Amt gewählt wurde.“