Heddesheim

Heddesheim Herbert Schneider restauriert ehemaliges Versehrtenfahrzeug auf eigene Weise / Erste Fahrt soll zum Spiel führen

Fußball-Fan baut sich eigenes Borussia-Dreirad

„Ich bin schon ein Borussia-Verrückter“, bekennt Herbert Schneider schmunzelnd. Seit 50 Jahren ist er Fan des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Mit dieser Leidenschaft brachte er ein Gefährt ins Rollen, das überall die Blicke auf sich zieht.

„Das Versehrtenfahrzeug DUO 4/2 wurde im Volkseigenen Betrieb (VEB) Robur-Werke Zittau hergestellt“, erzählt der Heddesheimer Herbert Schneider, während er stolz in seinem motorisierten Fan-Dreirad sitzt. Unzählige Stunden hat er das Kraftrad aus der ehemaligen DDR auseinandergenommen und zu einem Schmuckstück und Hingucker hergerichtet.

„Der inzwischen verstorbene Klaus Schäfer hatte das Gefährt vor 25 Jahren in Ludwigshafen gekauft und über den Rhein in die Sportgemeinde gebracht“, erzählt Schneider. Schäfer und dessen Sohn Benjamin fuhren mit dem ungewöhnlichen Fahrzeug bei Umzügen in Heddesheim mit. Im Februar dieses Jahres erstand Schneider das Dreirad.

Mit 3,7 PS unterwegs

Die Betriebsanleitung stammt aus dem Jahr 1989 und listet die technischen Daten auf. Demnach misst das Fahrzeug 2130 Millimeter Länge und der Radstand 1550 Millimeter. Der Zweitakt-Ottomotor hat einen Zylinder mit einem Hubraum von 49,9 Kubikzentimeter, die maximale Leistung beträgt 3,7 PS. „Die vier Gänge erlauben eine Höchst-Geschwindigkeit von 55 km/h“, verspricht der Hersteller.

An die Handschaltung habe er sich schnell gewöhnt, sagt Schneider und erklärt: „Ich tanke eine normale Mopedmischung.“ 13 Liter der Zweitaktmischung – 50:1 – fasst der Tank. „Die 24-seitige Robur-Betriebsanleitung der IFA Mobile DDR, war sehr nützlich“, stellt Schneider fest. Der Industrieverband Fahrzeugbau (IFA) war ein Zusammenschluss von Unternehmen des Fahrzeugbaus in der DDR.

An seinem Hochzeitstag am 19. Juli wollte der Borussia-Fan mit der Restaurierung des Dreirads fertig sein. Es wurde beinahe eine Punktlandung, nur drei Tage fehlten zur Erreichung dieses Zieles. „Alle beweglichen Teile wurden ersetzt“, berichtet der 72-Jährige von seiner Arbeit, die manchmal von den Umständen ausgebremst wurde: „Nicht jede Lieferung aus Zwickau kam pünktlich in Heddesheim an.“ Dennoch lobt der Bastler die Unterstützung der dortigen Großhändler. „Viele Tipps und Kniffe sowie manche Anregung kamen von ihnen“, sagt Schneider dankbar.

Auch seiner Frau Irena dankt der „Schrauber“. Er weiß: Ohne ihre Motivation und ihren Beistand wäre das „Mythos-Rentner-Vehikel“ nicht in zwei Monaten fahrbereit gewesen. „Gerne möchte ich mit meiner Frau zuerst nach Gladbach fahren. Klappt das, wäre unser nächstes gemeinsames Ziel Paris“.

Mitglied seit 25 Jahren

Fußballfan Schneider schwelgt in Erinnerung, nennt Spieler, Spielorte und Gegner der Borussia. Fallen die Namen von Netzer, Heynckes und Beckenbauer, Liverpool oder Real Madrid, dann glänzen seine Augen. Seit 25 Jahren ist der Heddesheimer Mitglied des Vereins und seit dieser Zeit Inhaber einer Dauerkarte in der Nordkurve.

„Das ist schon eine tolle Kiste“, stellt ein Fußgänger beim Vorbeilaufen fest und bewundert das einstige Versehrtenfahrzeug im Borussia-Look. Was werden erst die Gladbacher sagen, wenn die Heddesheimer Irena und Herbert Schneider damit demnächst am Niederrhein vorfahren?