Heddesheim

Heddesheim CDU-Fraktionschef Josef Doll sieht in Grundschul-Erweiterung wichtigstes Zukunftsprojekt und setzt bei privater Gebäudemodernisierung auf Anreize

„Geld für Bildung ist gut investiert“

„Die Ganztagsgrundschule setzt unseren Weg bei der Kinderbetreuung konsequent fort“, sagt Josef Doll, Fraktionschef der CDU im Heddesheimer Gemeinderat. Wenn sie im Herbst 2019 startet, wird er selbst aber nicht mehr am Ratstisch sitzen. Warum, das erklärt er im Sommerinterview mit unserer Zeitung.

Herr Doll, was ist für Sie aktuell das kommunalpolitisch wichtigste Projekt im Ort?

Josef Doll: Die Erweiterung der Hans-Thoma-Grundschule. Eine gute Bildung ist wichtig, dafür schaffen wir hier die Rahmenbedingungen. Mit der Einführung der Ganztagsgrundschule setzen wir außerdem konsequent den Weg fort, den wir bei der Kinderbetreuung eingeschlagen haben.

Wie meinen Sie das?

Doll: Der Trend geht dahin, dass immer mehr Eltern ganztags berufstätig sind. Wir haben deshalb Krippen eingerichtet, und wir erweitern aktuell die Zahl der Ganztagsplätze am kommunalen Kindergarten. Das muss sich natürlich in der Grundschule irgendwie fortsetzen.

Sie mahnen allerdings selbst immer in Ihren Haushaltsreden zur Vorsicht. Und das neue Schulgebäude und die Turnhalle kosten zusammen immerhin bis zu sieben Millionen Euro…

Doll: Das ist gut investiertes Geld, und wir sind in der glücklichen Lage, dass wir es investieren können.

Na ja, schon für nächstes Jahr ist Stand jetzt eine Kreditaufnahme von einer Millionen Euro geplant.

Doll: Selbstverständlich möchte die CDU so wenig Kreditaufnahme wie möglich. Aber ich plädiere, wie Sie richtig bemerkt haben, zur Vorsicht. Es können ja auch wieder schlechtere Jahre kommen, da ist es gut, wenn nicht alles Geld aufgebraucht ist. Ein Darlehen macht uns etwas flexibler. Jetzt, wo wir investieren, wird es auch genehmigt. Das wäre in einem Jahr, in dem wir das nicht tun, nicht der Fall.

Es gäbe ja auch noch die Möglichkeit, bei den laufenden Ausgaben zu bremsen.

Doll: Da liegen wir doch schon im unteren Bereich vergleichbarer Gemeinden. Dafür haben wir auch einiges getan.

Zum Beispiel?

Doll: Wir haben in sehr kurzer Zeit unsere komplette Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt. Jetzt zahlen wir statt 170 000 Euro jährlich nur noch 35 000. Bei dem Thema Energieeinsparung haben wir generell viel erreicht in den vergangenen Jahren. Daneben trägt natürlich auch die Einnahmenseite zu unserer guten Finanzlage bei. Hier profitieren wir von mehr sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen durch Gewerbeansiedlungen wie Pfenning.

Heißt für Sie: Noch mehr Neuansiedlungen?

Doll: Wenn wir die Chance haben, ja. Mit dem Sanierungsgebiet am Bundesbahnhof können wir vielleicht die eine oder andere Möglichkeit dafür schaffen. Deswegen arbeiten wir auch beim Breitband an der Infrastruktur, sobald irgendwo eine Straße saniert wird.

Stichwort Sanierungsgebiet: Das gibt es ja auch im Ortskern. Was muss Ihrer Meinung nach im Gebiet zwischen Unterdorf- und Schulstraße geschehen?

Doll: Es muss gelingen, einerseits die Gärten im rückwärtigen Bereich zu erhalten. Andererseits müssen wir maßvoll verdichten, um Wohnraum zu schaffen. Auch neue Wegeverbindungen wären wünschenswert. Für all das könnte ich mir einen städtebaulichen Wettbewerb vorstellen, wie er schon beim Dorfplatz erfolgreich war.

Was ist mit den bestehenden Gebäuden im Sanierungsgebiet?

Doll: Hier muss eine Modernisierung Hauptziel sein, gerade mit Blick auf mögliche Energieeinsparungen. Bei dem Thema wird im privaten Bereich noch viel zu wenig gemacht. Da sollten wir als Gemeinde Anstöße geben und versuchen, noch mehr Menschen einzubeziehen. So könnten wir auch als Gemeinde weiter zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes beitragen.

Was Sie als passionierter Radfahrer ja ohnehin gern tun. Würden Sie noch lieber auf Radstreifen durch den Ort fahren?

Doll: Ich bin bei dem Thema skeptisch. Natürlich gibt es Engstellen wie in der Oberdorfstraße oder auch in der Beindstraße. Aber unsere Straßen sind nun einmal schmal. Und Radstreifen bedeuten immer ein Konfliktpotenzial mit parkenden Autos. Wo wir aber sicher noch etwas tun können, ist bei den Feldwegen. Radfahrer fahren ja nicht nur im Ort, sondern auch mal in eine Nachbargemeinde. Die Wege müssen wir Stück für Stück instand setzen.

Nächstes Jahr sind Kommunalwahlen. Es hat sich bereits herumgesprochen, dass Sie nicht mehr kandidieren wollen. Warum?

Doll: Ich bin seit 43 Jahren im Gemeinderat, und wir haben ja auch jüngere Kandidaten, die gerne ihre Gemeinde mitgestalten wollen. Ich freue mich außerdem darauf, mehr Zeit für meine vier Enkelkinder zu haben. Die sind jetzt zwischen drei und zehn Jahre alt. Das ist auch eine schöne Aufgabe.