Heddesheim

Heddesheim Boulevardtheater im Bürgerhaus / Herbert Herrmann und Nora von Collande sind nicht nur auf der Bühne ein Paar

Geld macht nicht immer glücklich

Wer wünscht sich nicht, dass es eines Tages in der eigenen Wohnung Geld regnet? In der Komödie „Als ob es regnen würde“ bringt genau diese Situation das Ehepaar Laurence und Bruno in große Bedrängnisse. Im Theater im Bürgerhaus wurde mit diesem bis zum Schluss rätselhaften Ereignis die Theatersaison eröffnet.

Bevor die Lachmuskeln strapaziert wurden, begrüßte Bürgermeister Michael Kessler das Publikum und erklärte, dass nach dem Tod von Konzertdirektor Rainer Haas nun die Gemeindeverwaltung selbst das Heft des Handelns in die Hand genommen hat. „Wir haben wieder ein Programm, das ihnen gefallen wird“. Kessler dankte seiner Mitarbeiterin Jasmin Hohmann, die die Hauptlast der Organisation getragen habe. Dafür erhielt sie den ersten Applaus in der neuen Saison.

Chaos nimmt seinen Lauf

Zurück zum Stück: Ein unerwarteter und unerklärlicher Geldsegen stürzt ein bis dato normales, in die Jahre gekommenes Ehepaar in eine Lebenskrise. Herbert Herrmann und Nora von Collande gastierten wieder einmal in Heddesheim, spielten auch diesmal ein Ehepaar wie im richtigen Leben, und überzeugten mit schauspielerischem Können. Der Franzose Sébastien Thiérys schrieb die Komödie. Herbert Herrmann führte dazu noch Regie.

Der gebürtige Schweizer Schauspieler zeigte sich wieder als großer Komödiant, der dem undurchsichtigen Stück mit seinem Können den Stempel aufdrückte. Seine Partnerin Nora von Collande, sie entstammt einer Berliner Theaterfamilie, war eine ebenbürtige Partnerin. Noch mit dabei war die spanisch sprechende Haushaltshilfe Teresa, Maria Wolff. Sie konnte reden wie ein Wasserfall, ohne Luft zu holen. Der Nachbar, Uwe Neumann, passte gut in dieses Team. Auch seine Rolle blieb undurchsichtig.

Nach einem arbeitsreichen Tag finden die Schuldirektorin Laurence und er Anästhesist Bruno einen hundert Euro Schein auf dem Tisch. Woher der kam, wem er gehört, blieb unbekannt. Einen Tag später waren es 1400 Euro, danach sogar knapp 40 000 Euro. Die abstrusesten Ideen wurden diskutiert, Verdächtigungen ausgesprochen, das Chaos nahm seinen Lauf. Die Dialoge waren temporeich, witzig, frech und nicht immer ganz jugendfrei. Der siebenundsiebzigjährige Herrmann gab den geldgeilen Arzt, der sich endlich für sein tolles Arbeiten belohnt sieht. Sie hat Panik, möchte von dem Geld nicht wissen. Die beiden verschiedenen Charaktere zeigen sich. Während er von einer göttlichen Tombola spricht, möchte sie die Polizei holen. Er kauft großzügig mit dem überraschenden Fund ein, sie hat Angst, hat die Nase voll von dem „Zeug“. Sie trauen sich nicht mehr, verdächtigen sich. Schüsse fallen, ein großer schwarzer Rabe zieht rätselhaft am Fenster vorbei. Der Schluss war nicht ganz ohne Schwächen, ließ beim Publikum einige Fragen offen. Schade. Doch trotz dem ungeklärten Schluss war es ein amüsanter Abend mit überzeugenden Schauspielern.