Heddesheim

Heddesheim Karl Heinz Christophel im Alter von 93 Jahren gestorben / Langjähriger Gemeinderat half beim Aufbau nach dem Krieg

Gemeinde trauert um ihren Ehrenbürger

Archivartikel

Heddesheim trauert um seinen Ehrenbürger Karl Heinz Christophel. Der frühere CDU-Gemeinderat, Kreisrat und stellvertretende Bürgermeister starb am Freitag im Alter von 93 Jahren zu Hause im Kreis seiner Familie. „Es war eine Erlösung“, sagte seine Tochter Jutta Christophel dem „MM“. Vergangenen Herbst habe ihr Vater noch in den Garten gehen und Vögel beobachten können, wie es der Tierfreund so gern tat. In den letzten Monaten seines Lebens verließen ihn die Kräfte.

Aus dem öffentlichen Leben hielt sich der Kommunalpolitiker der Aufbaugeneration bereits seit vielen Jahren fern. „Das ist für mich passé“, sagte Karl Heinz Christophel im Gespräch mit dieser Zeitung im Herbst 2015, kurz vor seinem 90. Geburtstag. Selbst die Kirche mied der gläubige Katholik, wenn große Veranstaltungen zu viel Trubel verhießen.

Damals wie zu früheren Gelegenheiten, wenn es ihm zu Ehren einen Empfang geben sollte, musste er überredet werden. Aufhebens um seine Person mochte er nicht. „Machtstreben und die Suche nach Anerkennung waren Ihnen fremd“, stellte bereits 1984 der damalige Bürgermeister Fritz Alles fest, als er Christophel das Bundesverdienstkreuz überreichte. 1953, im Alter von 28 Jahren, in den Gemeinderat gewählt, gehörte der Landwirt dem Gremium 41 Jahre an. Bei seinem Ausscheiden 1994 überraschte ihn die Gemeinde mit ihrer höchsten Auszeichnung, dem Ehrenbürgerrecht.

„Wir sehen in dieser Ehrung die Zugehörigkeit zum Kreis derjenigen, die die Verantwortung für die Gemeinschaft höher einschätzen als die eigenen Interessen“, formulierte Alles bei der Verleihung. „Man kann Sie mit Fug und Recht als einen der Baumeister der Gemeinde nach dem Krieg bezeichnen“, beschrieb er das Wirken des Kommunalpolitikers, dem es „stets um die Sache und nicht um die persönliche Auseinandersetzung“ gegangen sei. Als „ein Anwalt der Bürgerinteressen“, habe sich Christophel nicht gescheut, auch unpopuläre Meinungen zu vertreten, wenn es nötig war.

Charakterstärke und Prinzipientreue brachte bei gleicher Gelegenheit sein damaliger Fraktionskollege Hans-Joachim Weitz mit Christophel in Verbindung. Für diesen seien die christlichen Grundwerte auch immer Richtlinien in der politischen Arbeit gewesen. „Wir sind in den Gemeinderat gewählt worden, um zum Wohle der Gemeinde und ihrer Bevölkerung sachgemäße Entscheidungen zu treffen und nicht, um uns gegenseitig anzufeinden“, betonte der Geehrte seinerzeit selbst. „Wenn Sie die Sitzung verlassen, sollten Sie sich wieder in die Augen schauen können“, legte er nachfolgenden Gemeinderatsgenerationen ans Herz.

Beerdigung am Freitag

Dass es Christophel immer um die Sache ging, griff bei dessen 90. Geburtstag auch der amtierende Bürgermeister Michael Kessler auf: „Sie sind kein Mensch, der polemisiert und spaltet“ , sagte er und sprach von dem „uneingeschränkten Ansehen“, das der Jubilar in der Bürgerschaft genieße. Es wird noch einmal zum Ausdruck kommen, wenn am Freitag, 31. Mai, um 11 Uhr, auf dem Heddesheimer Friedhof die Beerdigung stattfindet.